RGA-Uni-Semester 2022

Klimaforscher: „Wir tun noch zu wenig für den Planeten“

Prof. Dr. Ralf Koppmann steht an der Spitze eines 25-köpfigen Forscherteams am Institut für Atmosphären- und Umweltforschung der Bergischen Universität Wuppertal. Donnerstagabend sprach er auf Einladung des RGA vor mehr als 100 Zuhörerinnen und Zuhörern in Lennep. Foto: Michael Schütz
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Prof. Dr. Ralf Koppmann steht an der Spitze eines 25-köpfigen Forscherteams am Institut für Atmosphären- und Umweltforschung der Bergischen Universität Wuppertal. Donnerstagabend sprach er auf Einladung des RGA vor mehr als 100 Zuhörerinnen und Zuhörern in Lennep.

Der Atmosphären- und Umweltforscher Dr. Ralf Koppmann sprach zum Auftakt der Reihe über den Klimawandel.

Von Axel Richter

Remscheid. In Zeiten von Klimaschützern, die „woke“ sind und einer weißen Musikerin deshalb am liebsten die Dreadlocks abschneiden möchten, ist es erfrischend, wenn einer ganz auf Fakten setzt. Prof. Dr. Ralf Koppmann ist so einer. In seinem Vortrag zum Auftakt des RGA-Uni-Semesters 2022 hielt der Atmosphärenforscher es deshalb mit dem schwedischen Gesundheitsforscher Hans Rosling: „Angst und Dringlichkeit führen zu dummen und drastischen Entscheidungen mit unvorhersehbaren Begleiterscheinungen“, schrieb der verstorbene Wissenschaftler in seinem Buch Factfullness und schloss: „Der Klimawandel ist dafür zu wichtig.“

Keine schrillen Töne von der Straße, sondern Zahlen, Daten und Zusammenhänge standen deshalb im Mittelpunkt des Vortrages am Donnerstagabend in der Lenneper Klosterkirche. Mehr als 100 Zuhörerinnen und Zuhörer waren gekommen, um den Ausführungen des Wissenschaftlers zu folgen.

Dabei ging es um Grundlagen: Was ist Klima? Was ist Wetter? Was unterscheidet das Klima vom Wetter? Beides wird oft gleichgesetzt und dient sowohl den Klimawandel-Leugnern als auch den Endzeit-Propheten zur Unterstreichung der jeweils eigenen Position. Dabei, hielt Ralf Koppmann, seit 2006 Chef des Instituts für Atmosphären- und Umweltforschung an der Bergischen Universität Wuppertal, im Gespräch mit dem RGA fest: „Auch die Flut-Katastrophe im Juli 2021 war zunächst einmal nichts anderes als Wetter.“
Mehr über den Klimawandel im Bergischen in der Serie „Natürlich nachhaltig“

Allerdings kommt es zu solchen Jahrhundertereignissen mittlerweile alle paar Jahre. Und das ist wiederum Ausfluss des Klimawandels. Schuld daran ist der Mensch. Darin sind sich die Wissenschaftler rund um den Globus einig. Zwar unterliegt das Klima natürlichen Einflüssen, „doch den Anstieg der Temperatur kann man allein mit natürlichen Ursachen nicht erklären“, sagt Koppmann.

Aktuell entlässt die Menschheit in jedem Jahr 40 Milliarden Tonnen Kohlendioxid (CO2) in die Erdatmosphäre. Mit 800 Millionen Tonnen liegt Deutschland auf Platz 6 der Emittenten. Dabei ist CO2 nicht das einzige Treibhausgas. Wir schicken auch riesige Mengen Methan und Lachgas in die 100 Kilometer dünne Schicht über uns. Als Folge nimmt die globale Temperatur seit 100 Jahren zu - bis heute um etwa 1 Grad im Vergleich zu 1850 bis 1900.

Ist die weitere Erwärmung der Erde aufzuhalten? Ralf Koppmann ist skeptisch. Derzeit steigt der Meeresspiegel um 3,3 Millimeter pro Jahr an. In der arktischen Tundra taut der Permafrostboden, in den Alpen schmelzen die Gletscher und in Afrika verdunstet mit dem Tschadesse einer der größten Binnenseen der Welt mit 40 Millionen Menschen an seinen Ufern.

Die Menschheit werde sich den Veränderungen anpassen müssen, um zu überleben, hielt der Professor fest. Was nicht heiße, dass nicht zugleich alles unternommen werden müsse, um den Prozess zumindest zu verlangsamen. „Wir tun dazu bereits viel“, erklärte Ralf Koppmann. „Aber wir tun noch zu wenig für unseren Planeten.“

Dazu hatte der Wissenschaftler ein paar Zahlen dabei. Greta und Friday for Futur zum Trotz bringen nicht wenige Eltern ihren Nachwuchs allmorgendlich mit dem Auto zur Schule, anstatt sie mit dem Bus oder Fahrrad fahren zu lassen. Jeder Kilometer, der nicht mit dem Auto gefahren wird, spart 120 Gramm des Treibhausgases ein, rechnete der Professor vor. Bei 200 Schultagen im Jahr und einem Schulweg von 10 Kilometern macht das immerhin 240 Kilogramm aus.

Nächster Uni-Vortrag: Über Markenliebe

Um unsere Liebe zu Marken und andere Irrationalitäten des menschlichen Konsumverhaltens geht es beim nächsten RGA-Uni-Vortrag. Prof. Dr. Tobias Langner hat den Lehrstuhl für Marketing an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft inne. Am Donnerstag, 28. April, gibt er einen Einblick in die Tricks der Markenverantwortlichen und beantwortet die Frage, warum wir bestimmte Marken lieben, uns andere Marken dagegen kalt lassen.
Diese Uni-Vorträge stehen noch an

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