Interview der Woche

„Wir sind eine kulturelle Keimzelle“

Jens Olaf Mayland, Leiter der Musikschule, macht mit Lenny, Maja und Lukas „Trommel-Musik“. Instrumente sind PVC-Rohre.
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Jens Olaf Mayland, Leiter der Musikschule, macht mit Lenny, Maja und Lukas „Trommel-Musik“. Instrumente sind PVC-Rohre.

Leiter Jens Olaf Mayland spricht über die Bedeutung von Musik und der Musikschule.

Das Gespräch führte Wolfgang Weitzdörfer

Herr Mayland, wie stehen Sie zur Hausmusik – also dem gemeinsamen Musizieren in Familien?

Jens Olaf Mayland: Wenn es eben irgendwie möglich ist, sollte das Musizieren innerhalb der Familie ein fundamentaler Baustein der musikalischen Erziehung sein. Denn so kann jeder im eigenen und vertrauten Umfeld mit seinen wichtigsten Bezugspersonen nicht nur lernen, sondern auch ein direktes Erfolgserlebnis haben – da man sich ja quasi ständig in einer Art Vorführsituation befindet.

Kennen Sie das auch aus Ihrer Kindheit oder Jugend?

Mayland: Das war eher bedingt der Fall. Wir haben allerdings unter dem Weihnachtsbaum als Familie zusammen gesungen – und machen das auch heute noch gerne.

Ist das auch Thema im Unterricht – sprechen Ihre Schüler darüber?

Mayland: Das ist tatsächlich ganz individuell. In manchen Familien ist es schon üblich, zusammen zu spielen und zu musizieren – oder zumindest ab und zu etwas im Familienkreis vorzuführen. Und in anderen Familien ist das eben nicht der Fall.

Und kann man das auch im Musikschulunterricht unterstützen?

Mayland: Klar kann man das. Man ist ja miteinander im Gespräch und kann dann immer hinterfragen, ob vielleicht Geschwister, Eltern oder Großeltern auch ein Instrument spielen. Wenn das dann der Fall ist, dann können wir gegebenenfalls zusammen Spielstücke heraussuchen, die dann gemeinsam in der Familie gespielt werden können.

Was ist das Bereichernde am gemeinsamen Musizieren?

Mayland: Die Bereicherung ist tatsächlich eine enorm vielschichtige Sache. Man verfolgt und erreicht – und das gilt für den besten Fall – ein gemeinsames Ziel. Das kann zum Beispiel sein, ein Stück zusammen so weit einzustudieren, dass man es auch aufführen kann. Dabei hört man beim Spielen aufeinander, man reagiert auch aufeinander, übernimmt Verantwortung für die eigene Stimme oder das eigene Instrument – und nicht zuletzt auch für den oder die Mitspieler. Man bekommt auf diese Art und Weise auch einen ganz anderen und vielleicht ja auch neuen Blickwinkel auf die Dynamik. Damit sind unterschiedliche Lautstärken oder Tempi gemeint, aber auch der Ausdruck in der Musik. Man kann den oder die anderen Spieler unterstützen oder wird selbst unterstützt, und zwar immer auf Augenhöhe, da ja alle dasselbe Stück spielen. Wie man an diesen kurzen Aufzählungen problemlos sehen kann – gemeinsames Musizieren ist sehr vielfältig.

Wie kann man als einzelner Musik am besten Gleichgesinnte finden?

Mayland: Ein Weg wäre etwa, dass man bei uns in der Musikschule nachfragt – was übrigens auch geht, selbst wenn man vielleicht nicht Schüler der Musikschule ist. Wir haben bei uns die verschiedensten Ensembles, von der Band für Kinder bis zur Flötengruppe für Senioren. Außerdem können wir fast immer auch Kontakte zu anderen Suchenden vermitteln. Des Weiteren gibt es einige Musikvereine in und um Wermelskirchen, die in dieser Hinsicht wirklich großartige Arbeit leisten und Ensembles für die unterschiedlichsten Leistungsstände anbieten. Auch da stellen wir gerne Kontakte her und vermitteln weiter. Das Wichtigste ist also – es nicht bei Wunsch belassen, sondern den Kontakt zu uns suchen.

Wie wichtig ist die musikalische Früherziehung?

Mayland: Das ist tatsächlich ein immens wichtiger Aspekt in der Musikpädagogik. Die sogenannte EMP, das bedeutet Elementare Musikpädagogik, ist ein Türöffner und Weichensteller für den individuellen weiteren musikalischen Werdegang. Hier lernen die Teilnehmer schon früh die wichtigsten Instrumentengruppen kennen und erfahren, was es überhaupt alles gibt, und wie Musik wirkt – das alles passiert natürlich in einer kindgerechten und spielerischen Art und Weise. Der soziale Aspekt des gemeinsamen Musizierens und Erlebens ist natürlich auch ein Faktor von enorm großer und nicht zu unterschätzender.

Wann sollte man mit der musikalischen Früherziehung beginnen?

Mayland: Grundsätzlich geht man davon aus, dass es ab etwa vier Jahren sinnvoll ist – Ausnahmen bestätigen wie immer diese Regel. Wenn man bei uns etwa ein Eltern-Kind-Modell besucht, funktioniert das aber auch schon mit sehr kleinen Kindern ab etwa 18 Monaten.

Was genau wird bei der musikalischen Früherziehung gemacht?

Mayland: Man könnte durchaus sagen: alles! Es werden ganz viele und unterschiedliche Bereiche berührt. Da ist zum einen natürlich die Musik selbst, dazu kommen Bewegungen, die Stimme und die Sprache, dann werden unterschiedliche Instrumente ausprobiert und kennengelernt, es geht um Hören und Zuhören. Die Kinder erlernen – oder probieren sie aus – ganz basische und elementare Spieltechniken. Im Mittelpunkt steht letztlich die Kreativität. Nicht zu vergessen, auch das Sozialverhalten wird geschult, denn im Zusammenspiel werden etwa auch soziale Verhaltensweisen geschult. Und auch Experimente gehören dazu.

Wann sollte man frühestens mit dem Instrumentalunterricht beginnen?

Mayland: Meiner Meinung und Erfahrung nach gibt es hierfür kein definitives Alter. Wie im Karneval gilt auch hier: Jeder Jeck ist anders! Und daher sollte man an diese Frage auch genau mit dieser Attitüde herangehen. Wann das richtige Alter ist, hängt von sehr vielen Faktoren ab, wie etwa der körperlichen und geistigen Entwicklung, gegebenenfalls kommt hier auch eine Vorbildung durch die Elementare Musikpädagogik dazu. Und nicht zuletzt muss man auch die Motivation des potenziellen Schülers genau betrachten.

Gibt es eigentlich auch völlig unmusikalische Menschen?

Mayland: Ein definitives Nein. Schauen Sie, jeder Mensch hat alleine schon durch den körpereigenen Rhythmus, also durch den Herzschlag oder die Atmung, doch schon in gewisser Form Musik in sich.

Wie würden Sie die Bedeutung der Arbeit, die die Musikschule leistet, in gesellschaftlicher Hinsicht beschreiben?

Mayland: Wir tragen mit unserer Arbeit wesentlich dazu bei, die Kultur in der Stadt nachhaltig zu beleben. Die Musikschule ist quasi eine der kulturellen Keimzellen, denn unsere Schülerinnen und Schüler sind doch die Kulturschaffenden von morgen – und teilweise auch sogar schon von heute. Darüber hinaus kann man die vielschichtigen sozialen Aspekte, die das Spielen eines Instrumentes – insbesondere in Gruppen – nicht oft genug als wichtig und elementar erwähnen. Wir bilden aus, bringen Menschen zusammen und schaffen nachhaltig Kultur.

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