Die Woche von Axel Richter

Wir haben nicht mehr allzu viele Pfeile im Köcher

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336,8. Damit blieb Remscheid auch zum Ende der Woche trauriger Spitzenreiter in NRW. In keiner anderen Stadt lag die Sieben-Tage-Inzidenz höher.

Von Axel Richter

Warum das so ist? Remscheid ist eine der letzten Industriestädte des Landes. Wer im produzierenden Gewerbe arbeitet, kann nicht ohne weiteres ins schützende Homeoffice wechseln. Außerdem: Längst nicht jeder Remscheider lebt im Häuschen mit Garten oder zu zweit im 90-Quadratmeter-Loft, sondern mit der Familie in beengten Verhältnissen. Und: Der Anteil der Remscheiderinnen und Remscheider mit ausländischen Wurzeln ist im Vergleich zu anderen kreisfreien NRW-Städten überdurchschnittlich hoch, wobei die größte Gruppe türkischen Ursprungs ist.

Die Stadt verhehlt nicht, dass sie die nächtliche Ausgangssperre, die in dieser Woche in Kraft trat und gestern verlängert wurde, auch mit Blick auf den muslimischen Fastenmonat Ramadan erlassen hat. Was einzelne Behördenvertreter dagegen nur hinter vorgehaltener Hand erzählen: Sie haben in dieser Bevölkerungsgruppe auch mit massiven Problemen zu kämpfen, was die Akzeptanz für die verschiedenen Corona-Schutzmaßnahmen angeht. Und das liegt nicht daran, dass die Stadt die entsprechenden Informationen nicht in der jeweiligen Landessprache zur Verfügung gestellt hätte.

Nun mag es sein, dass diese und jene Beschränkung bürgerlicher Freiheiten nicht passgenau ist. Oder auch ungeeignet. Über den Sinn und Nutzen der Ausgangssperre streiten sich selbst die Gelehrten. Fakt ist aber auch: Wir haben im Kampf gegen Corona nicht mehr allzu viele Pfeile im Köcher. Der wirksamste bleibt die Impfung, wobei, das wurde mit den Neuinfektionen im Alten- und Pflegeheim Haus Herderstraße deutlich, auch sie keinen absoluten Schutz bietet. Dahinter steckt aber kein Versagen der Impfkampagne oder einzelner Vakzine, sondern Mathematik. Keine Impfung gegen keine Infektionskrankheit schützt den Geimpften zu 100 Prozent.

Mit den Impfungen, das ist die gute Nachricht dieser Woche, geht es mittlerweile schneller voran. Bis alle Remscheider, die das wünschen, geimpft sind, wird es aber noch dauern. Bis dahin, dazu mahnen uns die Remscheider, die an oder mit dem Virus gestorben sind, darf nichts unversucht gelassen werden, Neuinfektionen zu verhindern. Das gilt auch für jene Ausgangssperre, die übrigens nicht verhindern soll, dass Menschen rausgehen, sondern dass Menschen rausgehen, um anderswo reinzugehen: in die Wohnung von Freunden zum Beispiel, um dort Party zu machen. Auch deshalb wurde Remscheid gestern zum traurigen Spitzenreiter in NRW.

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