Bergisches Wissensforum

Willenskraft lässt sich trainieren

Auch mit dem Halten einer sportlich fordernden Position kann man seine Selbstdisziplin verbessern, zeigt Marc Gassert. Foto: Nadin Buschhaus
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Auch mit dem Halten einer sportlich fordernden Position kann man seine Selbstdisziplin verbessern, zeigt Marc Gassert.

Beim Bergischen Wissensforum zeigte Referent Marc Gassert, wie langfristige Ziele erreicht werden.

Von Kristin Dowe

Wer kennt sie nicht, die Litanei an Sätzen, die mit „eigentlich sollte ich. . .“ beginnen und mit lobenswerten Tugenden wie mehr Sport, gesünderer Ernährung oder einfach mal die Garage aufräumen enden? Doch mit der Selbstdisziplin ist es oft ja so eine Sache, weiß der Kommunikationswissenschaftler Marc Gassert, der sich am Dienstagabend im Rahmen des Bergischen Wissensforums mit diesem Thema beschäftigt hat. Präsentiert vom Remscheider General-Anzeiger und seinen Partnern (| Kasten), wurde die Veranstaltung per Livestream ins Internet übertragen.

Die wesentlichen Fragen, denen Gassert in seinem von fernöstlichen Weisheiten inspiriertem Vortrag nachgeht: Was treibt Menschen in ihrem Handeln an, und woran liegt es, dass wir manchmal voller Tatendrang mit einer Sache beginnen, aber nicht das Durchhaltevermögen aufbringen, sie auch zu Ende zu führen?

Wie schwer es gerade Kindern fällt, auf die Befriedigung eines kurzfristigen Bedürfnisses zu verzichten, um ein mittel- oder langfristiges Ziel zu erreichen, beweist ein Experiment, das Gassert in einem Video zeigt. Ein Kind sitzt in einem Raum vor einem Tisch – direkt vor ihm steht ein Teller mit einer Süßigkeit. Die Versuchsleiterin erklärt dem Kind, dass es diese nicht essen dürfe, bis sie zurück sei. Wenn es das schaffe, bekäme es zwei Süßigkeiten. Daraufhin verlässt sie den Raum.

In allen Fällen – das Experiment wurde mit mehreren Jungen und Mädchen durchgeführt – hadert das Kind sichtlich mit seinem Gewissen und lässt die Süßigkeit nicht aus den Augen. Bis es der Versuchung nachgibt und die Leckerei isst. Das Experiment wurde laut Gassert in unterschiedlichen Ländern durchgeführt und brachte fast überall die gleichen Ergebnisse. Eine Ausnahme seien japanische Kinder gewesen, da die Forscher in Japan sich einer Finesse bedient hätten: Im Raum befand sich ein Spiegel, so dass das Kind sich selbst bei seinem „Fehlverhalten“ beobachten und dieses reflektieren konnte. „Das ist psychologisch sehr interessant“, findet Gassert und rät augenzwinkernd: „Wenn Sie mal ein paar Kilo Gewicht verlieren möchten, sollten Sie einen Spiegel im Kühlschrank anbringen!“

Dabei sei Selbstdisziplin vom Begriff der Motivation zu unterscheiden, ist Gassert überzeugt. Denn „Motivation ist eine Diva. Rechne nicht damit, dass sie kommt“. Disziplin könne man dagegen trainieren wie einen Muskel.

Der Referent erzählt hierbei von seinen Erfahrungen in dem buddhistischen Mönchsorden Shaolin in China, wo er körperlich und mental an seine Grenzen gegangen sei. Und wozu der Körper mit der Kraft des Geistes in der Lage ist, demonstriert Gassert eindrucksvoll: Mit einem Kunstgriff aus dem Kung Fu schlägt er mit einem Mal mit der bloßen Hand einer Glasflasche den Boden aus. „Das passiert, wenn der Druck von außen zu groß ist“, erklärt er. Dieses Bild könne man auch auf die Anforderungen an Menschen im Alltag übertragen.

Über körperliche Leistung lässt sich auch mentale Kraft steigern

Für Überlastungssituationen könnten Menschen allerdings ein Frühwarnsystem entwickeln und ihre Willenskraft trainieren, argumentiert er. Dazu seien auch sportliche Übungen geeignet, bei denen etwa eine bestimmte Position so lange wie möglich gehalten werden muss. „Sie halten dann auf Dauer auch mental länger durch. Sie werden zäher“, prophezeit Gassert.

Jenseits seiner biologischen Bedürfnisse handle der Mensch auf der Basis von Werten. In der Arbeitswelt bringe es aber nichts, diese etwa als Führungskraft anderen aufzwingen zu wollen, sondern man müsse Werte selbst verinnerlichen und vorleben. Gelegentlich lohne es sich in konfliktträchtigen Situationen auch, einfach mal die Schuld für etwas auf sich zu nehmen, rät Gassert weiter. „Denn wenn ich Verantwortung für etwas übernehme, erlange ich auch meine Handlungsfähigkeit zurück.“

Bergisches Wissensforum

Veranstalter: Das Bergische Wissensforum wird vom Solinger Tageblatt, Remscheider Generalanzeiger, der Firma Walbusch, der Volksbank im Bergischen Land sowie der Agentur Sprecherhaus ausgerichtet. Ticketinhaber können sich den Vortrag vier Wochen online im Stream anschauen.

Fortsetzung: Wie setze ich meine Stimme erfolgreich ein? Damit beschäftigt sich am 24. November, 19.30 Uhr, Stimmtrainerin Dr. Monika Hein in ihrem Vortrag.

Tickets: 49 Euro, RGA-Karten-Inhaber zahlen 39 Euro; Tel. (0 25 61) 9 79 28 88.

info@sprecherhaus.de

t1p.de/4t7a

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