CDU will eine ernstzunehmende Opposition werden

Tritt als Fraktionschef zurück: Jens Nettekoven.Foto:Michael Schütz
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Tritt als Fraktionschef zurück: Jens Nettekoven.Foto:Michael Schütz

Abschied als Fraktionschef: Jens Nettekoven zieht nach sechs Jahren Bilanz und räumt einen Fehler ein

Von Andreas Weber

„Nur wer gelernt hat zu verlieren, kann auch gewinnen“, zitiert Jens Nettekoven eine Sportlerweisheit. Dass er in der kommenden Legislaturperiode für seine CDU nicht mehr in vorderster Front als Fraktionschef, sondern als „einfaches“ Ratsmitglied angreifen will, war Thema einer Bilanz, die der 42-Jährige gestern Mittag in der CDU-Geschäftsstelle zog.

Nach sechs Jahren in der Verantwortung und einem Kommunalwahlergebnis, das die Christdemokraten in Remscheid – entgegen dem Landestrend – hinter die SPD zurückwirft, will Nettekoven die neue Rolle annehmen. Dazu zählt: Den Begriff der Opposition wörtlich nehmen. Den „Geist der Gemeinsamkeit“ wird es nicht mehr geben. Bei dem Pressegespräch nannte er einen Hauptgrund, warum die CDU gegen das Bündnis aus SPD, Grüne, FDP und WiR verblasste: „In den letzten sechs Jahren gab es viele Einstimmigkeiten fast aller Fraktionen. Und wir als stärkste Fraktion haben unser Profil als Opposition nicht geschärft. Wenn man ehrlich ist, hat dies nur die Linke getan.“ Dies würde er im Nachgang nicht mehr so machen, meint Nettekoven selbstkritisch.

Ansonsten sei er mit sich im Reinen, fügt er hinzu. Und schiebt einen Spruch von Bastian Schweinsteiger hinterher: „Das Schönste, was man hat, sind die Erinnerungen.“ Spaß hätten die sechs Jahre gemacht. „Wir haben es als 22-köpfiges Team geschafft, immer geschlossen aufzutreten. „Es gab intern keine Absplitterungen.“ Über sich urteilt er: „Ich habe immer Sachpolitik gemacht, mich nicht im Ton vergriffen.“ Dass er zur Abteilung Attacke zähle, wird ihm jedoch öfters nachgesagt. Das streitet er nicht ab: „Ich kann austeilen, aber auch einstecken.“ Was bleibt ihm aus dieser Ratsperiode hängen? Nettekoven nennt drei Themen. Die härteste Entscheidung? „Die Erhöhung der Grundsteuer B.“ Die emotionalste Entscheidung: „Für eine auskömmliche Finanzierung der Kinderschutzambulanz zu sorgen.“ Und die mit Abstand schwierigste Entscheidung? „Die Zustimmung zum DOC. Denn ob dieses funktioniert, werden wir nach dem Bau erst in vielen Jahren wissen.“

Die Angst vor der Hinterbank im Rat, wie sie Jochen Siegfried nach zwei gescheiterten OB-Kandidaturen einnahm, plagt Nettekoven nicht. „Ich muss meine neue Rolle sicherlich erst finden“, räumt er ein, aber: „Ich werde mich nicht zurückziehen.“ Der scheidende Fraktionschef, dessen Nachfolger am Montag (18 Uhr, Schützenhaus) gewählt wird, versteckt sich nicht. Warum auch? „Ich habe jetzt mit 42,6 Prozent in meinem Wahlkreis in Lüttringhausen das stärkste Ergebnis der CDU in Remscheid eingefahren.“

Korrektur: In die Bilanz, die der RGA in der Samstagausgabe zog, war eine Aussage von Jens Nettekoven nicht korrekt wiedergegeben. Nettekoven hatte in dem Pressegespräch von prägenden Momenten in der sechsjährigen Legislaturperiode im Rat gesprochen, und bei der emotionalsten Entscheidung nicht von der auskömmlichen Finanzierung des Kinderschutzbundes gesprochen, sondern die Kinderschutzambulanz gemeint. Wir haben den Artikel entsprechend korrigiert. AWe

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