Polizei bereitet sich auf Blackout vor

Wie sicher ist Remscheid wirklich?

Vor allem Frauen und Mädchen beschleicht ein ungutes Gefühl, wenn sie bei abends über die Alleestraße gehen müssen.
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Vor allem Frauen und Mädchen beschleicht ein ungutes Gefühl, wenn sie bei abends über die Alleestraße gehen müssen.
  • Axel Richter
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Bei Dunkelheit fühlen sich viele auf der Alleestraße nicht mehr wohl.

Von Axel Richter

Remscheid ist laut Statistik eine der sichersten Großstädte Deutschlands. Doch vor allem viele Remscheiderinnen gehen bei Dunkelheit nur mit einem mulmigen Gefühl über die Alleestraße. Der RGA sprach mit Thomas Book, Polizeioberrat und Leiter der Polizeiinspektion Remscheid, und Alexander Kresta, Erster Polizeihauptkommissar beim Polizeipräsidium Wuppertal: Wie sicher dürfen sich die Bürgerinnen und Bürger tatsächlich fühlen?

Gibt es zum Beispiel auf der Allee ein Dunkelfeld, das der Polizei gar nicht bekannt wird?

Nein, sagt Thomas Book: „Wir haben keine Hinweise darauf, dass es dort zu mehr Straftaten kommt als uns bekannt wird.“ Teilen der Alleestraße fehle es an Gastronomie, inhabergeführtem Einzelhandel und sozialer Kontrolle. Zugleich gehören Trinker, Drogenabhängige und Obdachlose zum Stadtbild, wie sie in jeder größeren Stadt zum Stadtbild gehören. Sie mögen dazu beitragen, dass andere Menschen sich in dem Bereich nicht wohlfühlen. Doch, sagt Book: „Wir haben es auch im Bereich der Alleestraße mit Körperverletzung, Raub, Beleidigung und anderen Straftaten zu tun. Das aber nicht gehäuft. Die Allee ist kein Kriminalitätsschwerpunkt.“

In Solingen und Wermelskirchen berichten Schulkinder von fremden Männern, die sie ansprechen. Sind der Polizei ähnliche Fälle in Remscheid bekannt?

Ja. Es gibt sie immer wieder. Und häufig lösen sie sich in Luft auf. „Das heißt nicht, dass so etwas nicht tatsächlich stattfindet und dass wir solche Fälle nicht ernstnehmen“, erklärt Alexander Kresta. Wenn das eigene Kind berichtet, von einer fremden Person angesprochen oder sogar bedrängt worden zu sein, sei deshalb die Polizei der richtige Adressat: „Verständigen Sie uns bitte, damit weitere Maßnahmen schnell eingeleitet werden können“, sagt Alexander Kresta: „Vermeiden Sie aber bitte auch Gerüchte und beugen Sie so einer Hysterie vor.“ Leider erleben die Beamten oft das Gegenteil. Über Chatgruppen und die sogenannten sozialen Medien verbreiten sich Gerüchte ungefiltert. Besonders schlimm wird es dann, wenn im Internet Fotos von Menschen verbreitet werden, die angeblich etwas mit den Vorkommnissen zu tun haben.

Ist so etwas schon in Remscheid geschehen?

Ja. In Lennep geriet der Fahrer eines dunklen Geländewagens in Verdacht und wurde öffentlich gebrandmarkt. Er war unschuldig und hatte niemals Kinder belästigt.

Die Proteste gegen die Russland-Politik des Westens nehmen laut Verfassungsschutz bundesweit ab. Auch in Remscheid?

Die Zahl der Teilnehmer ist laut Polizei auch in Remscheid rückläufig. In der Spitze waren es annähernd 200 Teilnehmer, heute sei der Kreis „deutlich überschaubar“, sagt Inspektionsleiter Thomas Book. Nach Beobachtung der Polizei handelt es sich um annähernd den gleichen Teilnehmerkreis, der schon gegen die Corona-Politik auf die Straße gegangen war.

Wie bereitet sich die Polizei für einen möglichen Blackout vor?

Die Polizei gehört dem Krisenstab Energie unter Vorsitz von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) an. Sollte es zu einem großflächigen und langfristigen Stromausfall kommen, „werden wir in der Fläche präsent sein“, kündigt Thomas Book an. Das gilt auch für die Feuerwehr. Weil die Kommunikation unter den Einsatzkräften bei einem Blackout nur noch eingeschränkt funktionieren dürfte, sollen sie dezentral in den Stadtteilen stationiert sein. Die Polizei wird der Feuerwehr deshalb Platz am Inspektionsgebäude am Quimperplatz einräumen, um Fahrzeuge dort zu stationieren. Die Motorradpolizisten und Beamten, die im Stadtverkehr auf Fahrrädern unterwegs sind, sollen zu Meldefahrern werden. Aktuell bereitet sich die Polizei auch darauf vor, Supermärkte zu schützen und Plünderungen zu unterbinden.

Die Gewerkschaft der Polizei fordert mehr Polizisten für das Bergische Land. Zu recht?

„Unser Personal ist völlig ausreichend, um unsere Kernaufgaben zu erfüllen“, sagt Alexander Kresta. Fakt ist allerdings auch, dass heute mehr junge Menschen in den Wachdienst streben und weniger zur Kripo. Wie andere Arbeitgeber auch konkurriert die Polizei um Nachwuchs.

Standortsuche bislang ohne Erfolg

Auf ihrer Suche nach einem neuen Standort ist die Polizei in Remscheid noch nicht weitergekommen. Wie berichtet, soll sie angestammtes Inspektionsgebäude verlassen. So will es das Land NRW. Inspektionsleiter Thomas Book macht keinen Hehl daraus, dass die annähernd 140 Beamten, die im Wach- und Bezirksdienst, bei der Kripo und bei der Unfallprävention in Remscheid ihren Dienst tun, am liebsten am Quimperplatz bleiben würden. „Wir müssen sichtbar sein und wahrgenommen werden“, sagt er. Ein Standort auf der grünen Wiese am Rand der Stadt – zum Beispiel an der Knusthöhe, wo dem Land ein großes Grundstück gehört – sei deshalb ungeeignet.

Standpunkt von Axel Richter: Die Mär vom weißen Wagen

Der Fall des armen Lennepers, der vor Jahren in den falschen Verdacht geraten war, fremde Kinder anzusprechen, fällt aus dem Rahmen: Er fuhr ein dunkles Auto. Normalerweise ist das Fahrzeug nämlich ebenso zuverlässig weiß, wie der Mann, der es fährt, schwarz ist. Dabei spielt es übrigens keine Rolle, ob er auf der Jagd nach Kindern oder Katzen ist. Denn auch Katzenfänger fahren einen weißen Kastenwagen. Immer. So weiß es jedenfalls das Internet, in dem sich dererlei Berichte und Erzählungen tausendfach verbreiten.

Die Polizei nimmt solche Hinweise ernst. Das muss sie auch und bittet doch dringend um eins: Bevor über Messengerdienste Fotos von Menschen verschickt werden, bei denen es sich vielleicht um den Entführer handelt, möge zuvor die 110 gewählt werden. Anderenfalls geraten schnell Unschuldige ins Fadenkreuz elterlicher Fahndungsarbeit. Die Mär vom weißen Kastenwagen ist übrigens schon viele Jahre alt. Was nicht heißt, dass sie nicht immer wieder die Runde macht.

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