Widersprüchliche Aussagen der Zeugen

Remscheider wegen häuslicher Gewalt vor dem Landgericht

Ein 39 Jahre alter Remscheider muss sich vor dem Landgericht Wuppertal verantworten. 
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Ein 39 Jahre alter Remscheider muss sich vor dem Landgericht Wuppertal verantworten. 

In einem Strafprozess um häusliche Gewalt in einer Remscheider Familie muss sich ein 39 Jahre alter Angeklagter vor dem Landgericht Wuppertal verantworten.

Von Dirk Lotze

Die Staatsanwaltschaft greift seinen nicht rechtskräftigen Freispruch aus einer ersten Verhandlung vor dem Remscheider Amtsgericht an: Der Mann könne überführt werden, seine Frau am Herd der Familienwohnung verbrannt und sie mit Schlägen misshandelt zu haben. Ebenso seien gewalttätige Übergriffe auf einen Sohn im Grundschulalter nachweisbar.

Nach einer vorläufigen Einschätzung des Landgerichts während der Sitzung erlaubt die Aussage der betroffenen Frau (40) womöglich auch am Ende der Berufungsverhandlung keine Verurteilung – weil sie mehrfach in wesentlichen Punkten wechselt. Zwischenfazit des Vorsitzenden Richters: „Wir tun uns da schwer.“

Der Anklage zufolge kam es im Mai 2019 zu Gewalttätigkeiten des Mannes. Von einem Übergriff am Herd soll die Frau eine Verbrennung am linken Unterarm erlitten haben. Ein Foto der Polizei belegt die Verletzung.

Ehefrau erzählt verschiedene Versionen des Geschehens

Dazu gibt es Berichte von Schlägen. Seinen Sohn soll der Angeklagte aufs Bett geworfen und geschlagen oder geschüttelt haben. In welchem Zusammenhang bleibt offen.

Das Paar lebt derzeit getrennt. Von jeder einzelnen Szene hat die Frau im Lauf des Verfahrens verschiedene Versionen erzählt. Was den Herd betrifft, da lautete ihre Aussage bei der Polizei: Sie habe gekocht, und der Angeklagte habe ihr eine heiße Bratpfanne schmerzhaft auf die Hand gedrückt. Vor Gericht hingegen sagt sie, es habe nichts auf dem Herd gestanden. Er habe eine Platte eingeschaltet und als sie dazu kam, da habe er ihre Hand ergriffen und sie auf die heiße Oberfläche gedrückt.

Ebenso unterschiedliche Fassungen gibt es von einem Geschehen um Schläge im Bad und um Gewalt im Kinderzimmer gegen den Sohn. Die Frau sagt, ihr Mann habe am Tattag ihr Handy verlangt, nachdem sie mit ihrem jüngeren Bruder außerhalb telefoniert hatte. Das sei der Auslöser gewesen. Dieser Bruder berichtete, seine Schwester habe ihn am Telefon angefleht: „Er schlägt mich wieder. Hol mich hier ab, bevor er mich umbringt!“ Der Angeklagte habe angekündigt, sie aufzuhängen. Der Bruder kam sofort. Darauf soll wiederum der Angeklagte die Polizei gerufen haben.

Auffällig ist, fasste der Richter zusammen, dass am Tattag die Frau und ihr Bruder übereinstimmend von einer Pfanne berichteten, nun aber beide ebenso übereinstimmend sagen: Das hätten sie nie behauptet, es sei immer um eine Herdplatte gegangen.

Einen Polizisten fragte der Richter: „Hätten Sie ‘Bratpfanne’ geschrieben, wenn Ihnen jemand von einem Herd berichtet?“ Die vorsichtige Antwort: Nicht ausgeschlossen sei vielleicht, dass es an dem Tag ein Missverständnis gab. Es gibt allerdings auch eine Notiz im Anzeigentext der Polizei: „die besagte Pfanne“ habe noch auf dem Herd gestanden.

Das Gericht will die Verhandlung am Montag, 17. Januar, fortsetzen. Dann soll eine Polizistin aussagen, die die Ehefrau kurz nach den Geschehnissen ein weiteres Mal befragt hat.

Auch interessant: Das Landgericht verstärkt den Kampf gegen Schwerkriminalität. Kindesmissbrauchs-Prozesse haben zugenommen.

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