Wermelskirchen

Missbrauchskomplex: Sexualisierte Gewalt ist Dauer-Thema für Polizei und Staatsanwaltschaft

Eine Ermittlerin sitzt vor Monitoren mit unkenntlich gemachten Fotografien, die teilweise sexuellen Missbrauch zeigen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
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Eine Ermittlerin sitzt vor Monitoren mit unkenntlich gemachten Fotografien, die teilweise sexuellen Missbrauch zeigen.

Die Polizei ermittelt auch jenseits der großen Fälle immer häufiger zu Kinderpornografie. Das zeigt auch die Statistik für Remscheid und Solingen.

Remscheid. Im Missbrauchs-Komplex Wermelskirchen sprechen die Ermittler von unvorstellbaren Dimensionen. Ausgehend von einem 44-jährigen Mann aus Wermelskirchen, gibt es inzwischen weitere 73 Tatverdächtige. Die Staatsanwaltschaft Köln spricht von Ermittlungen in 14 der 16 Bundesländern sowie in Österreich.

Im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex Wermelskirchen gibt es aktuell zwar keine weiteren Ermittlungen vor Ort im Bergischen Land, sagt der Wuppertaler Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert. Allerdings sei die Auswertung der Daten auch noch nicht abgeschlossen, sodass sich dies noch ändern könne. Federführend ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln - die sich mit detaillierteren Angaben zu den weiteren Verfahren zurückhält, um laufende Ermittlungen nicht zu stören.

Remscheid: Polizei ermittelt immer häufiger zu Kinderpornografie

Doch auch jenseits der großen, medial bekannt gewordenen Fälle habe die Anzahl der Strafverfahren zum Thema sexualisierte Gewalt in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Das bestätigt auch Polizeipräsident Markus Röhrl, zuständig für Wuppertal, Remscheid und Solingen: „Die Bearbeitung von Sexualdelikten zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen ist ein Schwerpunkt“, sagt Röhrl.

Wo ermittelt wird, da steigen auch die Zahlen deutlich. Besitz und Verbreiten von Kinderpornografie wird dabei zusammen mit Zuhälterei und Prostitution erfasst. Die Zahl der Verfahren ist enorm gestiegen - im Bereich des gesamten Polizeipräsidiums Wuppertal waren es im Jahr 2017 insgesamt 48 Fälle, im Jahr 2021 waren es acht Mal so viele: 396.

Betrachtet man Remscheid allein, so hat sich die Zahl der Straftaten in diesem Bereich mehr als verdoppelt - auf 74 Fälle im Jahr 2021. „Ursächlich für den Anstieg in diesem Bereich sind die Verbreitung und der Besitz von pornografischen Schriften von Kindern“, heißt es in der aktuellen Polizeistatistik.
Dazu auch: Angeklagter aus Remscheid gesteht Kindesmissbrauch.

Fälle in Remscheid20172018201920202021
Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung insgesamt5093139103160
davon: Ausnutzen sexueller Neigungen (Kinderpornografie, Zuhälterei etc)1127373174
sex. Missbrauch von Kindern57452320
Erregung öffentl. Ärgernisses (Exhibitionismus u.ä.)216765

In Solingen ist die Entwicklung vergleichbar: 80 Ermittlungen wegen Kinderpornografie und vergleichbarer Delikte gab es 2021 - im Jahr 2020 waren es 51, im Jahr 2017 waren es lediglich 9.

Fälle in Solingen20172018201920202021
Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung insgesamt85136108167190
davon: Ausnutzen sexueller Neigungen (Kinderpornografie, Zuhälterei etc)924245180
sex. Missbrauch von Kindern1423152430
Erregung öffentl. Ärgernisses (Exhibitionismus u.ä.)817142718

Zahl der Sexualstraftaten: Zahl steigt in Wermelskirchen

Aber auch in Kleinstädten wie Wermelskirchen gehören Sexualstraftaten zum Alltag der Ermittler. Hier erfasst die Polizei allerdings die Sexualstraftaten insgesamt. Allein Wermelskirchen ist die Zahl der polizeilich bekannt gewordenen Sexualstraftaten im Jahr 2021 auf 34 gestiegen - 2020 waren es 14. In Burscheid stieg die Zahl der polizeilich bekannt gewordenen Sexualstraftaten zuletzt von 12 auf 18.

Polizei: Mehr Ermittler im Einsatz gegen sexualisierte Gewalt

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte Ermittlungen gegen Kinderpornografie und sexualisierte Gewalt gegen Kinder bereits vor einigen Jahren zum Chefthema in Nordrhein-Westfalen erklärt. Auch im Polizeipräsidium Wuppertal wirke sich das deutlich aus: Das zuständige Fachkommissariat sei „personell deutlich verstärkt“ worden, berichtet Polizeipräsident Markus Röhrl.

Die Ermittlungen finden vor allem in der digitalen Welt statt. „Die Ermittlungsmethoden, vor allem in der digitalen Welt des Darknets, passen wir ständig an“.

Viele Hinweise kommen aus den USA

Eine Vielzahl an Hinweisen bekämen die Ermittler von US-Behörden: „Wir bekommen laufend Verdachtsfälle durch US-amerikanische Zentrum für Vermisste und ausgebeutete Kinder (NCMEC) über das Bundeskriminalamt (BKA) zugesandt“, so Röhrl. Aufgearbeitet werden diese Hinweise dann vor Ort. „Nachteilig für effektive Ermittlungen ist nach wie vor die fehlende Speicherung von IP-Adressen durch die Telekommunikationsdienste in Deutschland“, berichtet der Polizeipräsident. -neu-

Dazu: Neuer Missbrauchskomplex: Wermelskirchener fand Opfer als Babysitter

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