Blogazine

„Werdet laut!“: Bloggerin Alexia von Wismar gibt Eltern eine Stimme

Sie liebt ihre Heimat: Alexia von Wismar. Hier, am Kraspütt, hat sich die Schauspielerin einst ein Brötchen auf dem Schulweg gekauft. Foto: Roland Keusch
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Sie liebt ihre Heimat: Alexia von Wismar. Hier, am Kraspütt, hat sich die Schauspielerin einst ein Brötchen auf dem Schulweg gekauft.
  • Melissa Wienzek
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Die Lenneperin Alexia von Wismar (39) ist Schauspielerin und alleinerziehende Mutter – Mit ihrem „Blogazine“ will sie Mut machen.

Remscheid. Anderthalb Jahre nach der Geburt ihres Sohns Cosmo (heute 6) wollte sie nicht mehr nur Mutter und Hausfrau sein, sondern zurück zum Film. „Voller positiver Energie und mit der Mission, es mir und allen anderen zu beweisen, dass Kind und Karriere als Single-Parent sehr wohl miteinander zu vereinbaren sind“, schreibt die Lenneperin Alexia von Wismar (39) offen auf ihrem Blogazine „The Parents Next Door“, einer Mischung aus Blog und Magazin. Doch der Anruf bei einer Schauspielagentin ließ sie auf den harten Boden der Tatsachen knallen. O-Ton: „Alexia, wenn ich dir einen gut gemeinten Tipp geben darf: Erwähne dein Kind nicht, wenn du weiterhin in der Film- und Fernsehbranche arbeiten möchtest.“ Das tat weh. Bis dato kannte die alleinerziehende Mutter Diskriminierung nur als Wort im Duden. Jetzt wusste sie auch, was es bedeutet.

„Ich stelle folgende Behauptung auf: Diskriminierung von Eltern auf dem Arbeitsmarkt ist ein deutsches Phänomen. Müssen Eltern sich das heute wirklich noch gefallen lassen?“, fragt Alexia von Wismar. Nein, findet die „The Parents Next Door“-Herausgeberin. Vor allem an alleinerziehende Frauen richtet sich ihre Botschaft. Denn die Lenneperin kennt die Sorgen, Gedanken und Probleme selbst nur zu gut. „Wir haben die Superkraft, leben zu geben“, sagt sie. „Und man darf nie vergessen: Jedes Kind ist ein kleines Wunder.“ Und kein Störfaktor oder Hinderungsgrund, wie es vielleicht so manche Agentin, so mancher Chef sehe. Dafür ist die Lenneperin, die gerade zur Drittplatzierten bei der „Miss-Germany“-Wahl 2022 gekürt wurde, das beste Beispiel.

Mit ihrem Blogazine will die kreative Mum Aufmerksamkeit schaffen und alle Eltern da draußen ermutigen, sich nicht unterkriegen zu lassen. „Werdet laut! Zusammen schaffen wir den Schritt in die richtige Richtung, für uns und alle zukünftigen Eltern, denn Kinder sind unser höchstes Gut, und der Job als Eltern der verantwortungsvollste, den man als Mensch antritt“, schreibt sie auf „The Parents Next Door“. Doch wer denkt, hier geht es nur um Windeln und Kinderwagen, liegt falsch. Natürlich geht es auch darum, aber auch um vieles mehr.

Diskriminierung auf dem Spielplatz, das Gefühl, im falschen Körper geboren zu sein, Transgender, Schönheitswahn: Alexia von Wismar teilt ihre eigenen Gedanken in Wort, Bild und Video, führt Experten-Interviews und lässt vor allem Betroffene aus ganz Deutschland selbst zu Wort kommen – persönlich, ungeschönt. Zum Beispiel das gleichgeschlechtliche Paar, das Eltern von zwei Pflegekindern ist. „Man kann sich nicht vorstellen, mit welchen Anfeindungen sich die beiden konfrontiert sehen“, kann Alexia von Wismar angesichts einer doch so weltoffenen Nation nur den Kopf schütteln. Fragen wie „Wer ist denn bei euch die Frau?“ seien 2022 einfach drüber. „Mama ist ein Gefühl“, lautete die wohl beste Antwort auf eine dämliche Frage.

„Das ist normal. Unsere Gesellschaft ist bunt.“

Alexia von Wismar über das Beispiel von Transfrau Gadou

Zudem diskutierte sie schon das Thema „Eltern-Diskriminierung“ auf Clubhouse, einer Social-Audio-App, mit zwei Co-Moderatoren und über 100 Vätern, Müttern und Familieninteressierten eine Woche, bevor die „Brigitte“ es brachte, freut sich die Bloggerin, die keine ausgebildete Journalistin ist, wie sie betont. Dennoch weiß sie viel zu erzählen und vor allem zu hinterfragen – und stößt damit so manche Diskussion an.

So auch über das Thema Diversität. Auf ihrem Blogazine will Alexia von Wismar demnächst die 20-jährige Gadou aus Hannover vorstellen, die sie bei „Miss Germany“ kennengelernt hat, eine Transfrau. „Sie hatte es doppelt schwer: Sie musste als schwarze Transfrau in einer weißen Gesellschaft um Respekt kämpfen.“ Heute setze sich Gadou öffentlich für Antidiskriminierung ein. „Ich möchte mit meinem Blogazine zeigen: Das ist normal. Unsere Gesellschaft ist bunt“, sagt die Bloggerin.

Wie kommt sie an all die Menschen? „Auf Leute zugehen konnte ich immer schon gut“, bekennt sie. Ihre offene, sympathische Art wird wohl dazu beitragen. „Außerdem höre ich gern zu.“ Manchmal melde sich auch jemand auf einen Artikel hin, der sonst vielleicht nicht die Möglichkeit hätte, öffentlich zu Wort zu kommen.

Jeden Freitag lädt die Herausgeberin frischen Content in den Kategorien „Lexikon für Eltern“, „Eltern“, „Life & Style“, „Darum!“ oder „Videos“ hoch. Letztere sollen, sobald es Corona zulässt, weiter ausgebaut werden: In ihrem Studio will sie Gäste empfangen. Ihr Bruder schneidet die Videos. „Und Opa muss dann Cosmo bespaßen“, sagt die 40-Jährige lachend, die trotz ihrer Film- und Fernsehauftritte bodenständig geblieben ist – und ihre Heimat liebt. Gern erinnert sie sich, wie sie einst am Kraspütt auf dem Weg zur Schule noch schnell ein Brötchen gekauft hat. Ihre Heimatliebe möchte sie auch künftig stärker auf „The Parents Next Door“ zeigen: „Ich könnte mir Lifestyle-Spots wie das ,Mon Ami‘ vorstellen“, sagt sie. Ihr Tipp? „Die Pommes mit Trüffelmajo, die hat Suchtpotenzial.“

Vita

Nach dem Fachabi auf der Sophie-Scholl hat die gebürtige Lenneperin Alexia von Wismar (39) eine Ausbildung zur audiovisuellen Medienkauffrau in Köln absolviert, besuchte die Schauspielschule und arbeitete als Schauspielerin deutschlandweit, lebte in Berlin und München. 2014 war sie unter anderem an der Seite von Matthias Schweighöfer in „Vaterfreuden“ zu sehen. Nebenbei arbeitete sie als Projektmanagerin in einer Eventagentur. Heute ist Herausgeberin eines Blogazines. Mit einer neuen Agentur will sie nun auch als Schauspielerin neu durchstarten.

theparentsnextdoor.com

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