Pleitewelle verhindern

Werbekampagne appelliert an Solidarität und Heimatgefühl

Pia-Anabel Watermeier und Inna Safenreider präsentieren den Appell. Mit Ingo Lückgen, Peter Heinze, Burkhard Mast-Weisz Prof. Dr. Thomas Hoffmann und Joachim Karp vertrauen sie auf die Remscheider. Foto: Roland Keusch
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Pia-Anabel Watermeier und Inna Safenreider präsentieren den Appell. Mit Ingo Lückgen, Peter Heinze, Burkhard Mast-Weisz Prof. Dr. Thomas Hoffmann und Joachim Karp vertrauen sie auf die Remscheider.
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Das Brauerhaus hat die Krise nicht überlebt – Weitere dürften folgen.

Von Axel Richter

Remscheid. Das Brauerhaus am Markt hat in der Corona-Wirtschaftskrise nicht überlebt. Bereits Anfang September ist die Traditionsgaststätte, die Kult-Gastwirt „Ossi“ im Februar in jüngere Hände übergeben hatte, beim Gewerbeamt abgemeldet worden. Bei der Stadt ist die Sorge groß, dass noch viele Gastronomen und Einzelhändler das Schicksal teilen.

Eine Werbekampagne appelliert deshalb jetzt an die Solidarität und das Heimatgefühl der Remscheider: „Kaufe und genieße lokal“, lautet die Botschaft: „Unterstütze den örtlichen Handel und die örtliche Gastronomie!“ Auf zwei Bussen der Stadtwerke, auf Plakaten und anderen Werbeträgern wird der Aufruf zu sehen sein. 20 000 Euro lassen sich das Stadtmarketing und die Wirtschaftsförderung die Aktion kosten.

Das Geld ist gut angelegt, schätzt Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD), der die Kampagne gestern vor der Wagenhalle der Stadtwerke vorstellte. „Wir haben in Remscheid alles, was wir brauchen. Kein Remscheider muss auf digitale Angebote zurückgreifen“, erklärte das Stadtoberhaupt und befand mit Blick auf die Remscheider Gastronomie: „Wir haben Gaststätten, um die uns andere Städte beneiden, insbesondere, was die Qualität der Küche angeht.“

Doch Handel und Gastronomie leiden seit Monaten. Viele durften während des ersten Corona-Lockdowns nicht öffnen. Auf die Lockerungen im Sommer reagierten viele Kunden mit Zurückhaltung. Die strengen Hygieneregeln animierten weder zum Bummeln durchs Allee-Center noch zum Schlemmen im Lieblingsrestaurant.

Den Küchenchefs platzten zudem bald alle Termine, die ihr Auskommen sichern. Firmenfeiern, Empfänge, Weihnachtsfeiern – alles wurde abgesagt. Ein Beispiel dafür liefert das Hotel Restaurant Kromberg in Lüttringhausen: 15 Weihnachtsfeiern mit mehr als 200 Gästen hatte Inhaber Markus Kärst im März dieses Jahres in seinem Auftragsbuch stehen. Keine einzige ist übrig geblieben.

„Wir können die Menschen ja nicht in die Geschäfte tragen.“
Ingo Lückgen, Wirtschaftsförderung

Nun droht den Gastronomen nach dem Bund-Länder-Treffen in Berlin ein neuer Lockdown. Auch in Remscheid. Und obwohl sich in der Stadt bis heute keine einzige Corona-Infektion auf die Gastbetriebe zurückführen lässt. Mit Kromberg-Chef Markus Kärst, zugleich Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes in Remscheid, schlägt deshalb auch die Villa Paulus Alarm: „Ein zweiter Lockdown wird die deutsche Gastronomie und Hotellerie zerstören“, erklärten Kai Robert Paulus und Joachim Schreiber gestern.

Die Stadt will das Schlimmste verhindern, kann aber nur an die Bürger appellieren. „Wir können die Menschen ja nicht in die Geschäfte tragen“, sagt Ingo Lückgen, Chef der Wirtschaftsförderung. Stattdessen soll die Bus- und Plakatwerbung sie dafür sensibilisieren, dass sie es sind, die als Kunden darüber entscheiden, ob und wie viele Geschäfte und Gaststätten es in Remscheid zukünftig noch gibt.

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz formulierte es zum Kampagnenbeginn so: „Es ist kein Widerspruch, Menschenmassen zu meiden, das heißt, sich vor Corona zu schützen und zugleich hier vor Ort in den Remscheider Betrieben Essen oder Einkaufen zu gehen. Wer dagegen immer nur bei Amazon, Zalando und Co. bestellt, der sollte sich auch bitte nicht mehr über die Leerstände auf der Alleestraße beschweren.

Küchenchefs versprechen saubere Luft: Markus Kärst und Tobias Riemann haben ihre Gasträume mit Luftfilteranlagen ausgerüstet.

Händler bereiten schönen ersten Advent: Geschäfte dürfen an fünf Sonntagen öffnen - Remscheider konzentrieren sich zunächst auf den 29. November.

Verlierer der Krise

Für 2020 rechnet der Einzelhandel in Deutschland mit einem Umsatzplus von 1,5 Prozent auf 552 Milliarde Euro.

Der Online-Handel verzeichnet ein Plus von 15 Prozent, der stationäre Einzelhandel büßte dagegen 11 Prozent ein.

Die Menschen konsumieren also trotz Krise. Das aber nicht bei ihren Einzelhändlern vor Ort. Sie sind die Verlierer der Krise.

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