Infektion in der Schule

Corona: Wenn Kinder in Quarantäne müssen

Patricia Herbertz und ihre Söhne Carlos und Diego während ihrer Quarantäne mit Homeoffice und Homeschooling. Foto: Herbertz
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Patricia Herbertz und ihre Söhne Carlos und Diego während ihrer Quarantäne mit Homeoffice und Homeschooling.

Patricia Herbertz berichtet über ihre Erfahrungen mit Quarantäne, Homeoffice und Homeschooling.

Von Sabine Naber

Remscheid. Als das Telefon klingelte, da veränderte sich von einer auf die andere Minute der Alltag in der Lenneper Familie Herbertz. „Die Lehrerin meiner beiden Söhne rief an und bat mich, die Kinder so schnell wie möglich von der Schule abzuholen, weil ein Klassenkamerad von ihnen positiv auf Corona getestet worden war“, erzählt Patricia Herbertz.

So einfach war das aber nicht, denn sie ist berufstätig, konnte nicht sofort zur Schule fahren. „Da habe ich meine Mutter gebeten, die Kinder abzuholen. Keine optimale Lösung, aber anders wusste ich mir nicht zu helfen“, sagt Patricia Herbertz.

Die Quarantäne ging bis zum letzten Schultag vor den Herbstferien. Die beiden sieben- und neunjährigen Kinder durften als Kontaktpersonen das Haus nicht verlassen. „Gott sei Dank wohnen wir im eigenen Haus mit einem großen Garten. In einer kleinen Wohnung stelle ich es mich noch furchtbarer vor.“

Remscheid: Schüler in Quarantäne: Die Informationen kamen zunächst spärlich

Die Informationen kamen zunächst spärlich. Aber schnell wurde der Familie gesagt, dass niemand aus einem fremden Haushalt zu ihnen kommen darf. Die Omas durften beispielsweise nicht helfen, obwohl die Eltern beide berufstätig sind. „Ich habe drei Jobs. Bin 20 Stunden in der Woche Arbeitnehmerin, dazu kommen zwei Jobs als Selbstständige. Mein Partner und ich waren nicht in Quarantäne, aber ich musste meinen Chef fragen, ob ich auf dem Laptop zu Hause arbeiten darf“, schildert Patricia Herbertz die Schwierigkeiten.

Homeoffice und Homeschooling – sie habe in dieser Zeit deutlich mehr arbeiten müssen als sonst. Teilweise bis abends nach 21 Uhr am Computer gesessen, um die Arbeit zu schaffen. Gut sei gewesen, dass die neue Klassenlehrerin ihrer Söhne – beide gehen auf eine Montessori-Schule in der klassenübergreifend unterrichtet wird – ein tolles Krisenmanagement ausgearbeitet hatte. Schon vorher gab es für jedes Kind eine Mappe, in der zusammengefasst war, was sie alles machen müssten, wenn sie ab dem nächsten Tag hätten zu Hause bleiben müssen. „Das war eine große Unterstützung, die wir beim Lockdown Anfang des Jahres noch nicht hatten“, lobt die Mutter.

Corona-Symptome hat kein Familienmitglied

Beim Nachgucken der Hausaufgaben sei sie sehr akribisch gewesen. Aber ob ihr Sohn im Englischen schon die Jahreszeiten können musste, das habe sie beispielsweise nicht gewusst. Alles sei so schnell gegangen. Carlos sei mit seinen neun Jahren schon recht selbstständig, aber der Jüngste braucht noch viel Unterstützung, müsste motiviert werden.

Patricia Herbertz fragt sich, was diese ganze Situation mit ihren und all den anderen Kindern macht. „Und wie oft soll so eine Quarantäne-Situation in Zukunft noch passieren. Können die Kinder später überhaupt Nähe zulassen ohne Angst vor Ansteckung.

Geärgert habe sie die Anordnung, sie solle die Kinder von Tisch und Bett separieren: „Das habe ich nicht getan. Sie brauchen mich doch gerade in einer solchen Situation. Die Kinder hatten ja nichts, wurden aber auch – genau wie mein Mann und ich – nicht getestet.“ Ob sie Corona hatten? Sie wüssten es nicht. Symptome hatte niemand von ihnen.

„So mittelmäßig“, beschreibt Diego (7) seine Quarantäne-Zeit. „Die ersten beiden Tage haben wir uns viel gestritten, dann konnten wir im Garten Fußball spielen.“ Er habe einen Zettel bekommen, auf dem stand, was er an jedem Tag lernen sollte. „Blöd, dass ich nur in den Garten durfte. Komische Zeit war das“, fasst es Carlos, der die vierte Klasse besucht, kurz zusammen.

Ferien

Zur Erholung – nicht zuletzt von den beiden stressigen Quarantäne-Wochen – wollte Familie Herbertz die Herbstferien dann in Mecklenburg-Vorpommern verbringen. Aber Remscheid wurde dann zum Risikogebiet erklärt, Urlauber von hier waren dort zeitweise nicht willkommen. „Das sollte unser einziger Urlaub in diesem Jahr sein. Darauf hatten wir uns alle so gefreut.“

Alle aktuellen Nachrichten rund um das Coronavirus in Remscheid erfahren Sie in unserem Live-Blog.

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