Theater

Wenn der Teufel die Knef in die Unterwelt locken will

Der Teufel persönlich (Andreas Strigl) erscheint Hildegard Knef (Angela H. Fischer) und will sie in die Unterwelt befördern. Foto: Roland Keusch
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Der Teufel persönlich (Andreas Strigl) erscheint Hildegard Knef (Angela H. Fischer) und will sie in die Unterwelt befördern.

Premiere im Rotationstheater war nahezu ausverkauft – Weitere Termine folgen.

Von Peter Klohs

Remscheid. „Ein Königreich für eine Zigarette“, sind die ersten Worte der Knef, als sich der Vorhang gelichtet und den Blick in einen Raum gestattet hat, in dem die Diva im Nachthemd steht und versucht zu realisieren, wo sie sich eigentlich gerade befindet.

Das Theaterstück „Der Teufel und die Diva“ feierte am Freitag Premiere. Auch am Samstag gab es eine Vorstellung. Künftig wird die Hommage an Hildegard Knef unter der Regie von Oliver Schemann (Actor’s Studio NRW) noch zweimal im Rotationstheater gezeigt.

Außerhalb des Theaters fegte am Freitagabend ein Sturmtief durch Lennep, was dazu geführt hatte, dass sieben potenzielle Gäste nicht zur Premiere gekommen waren und auf einen anderen Aufführungstag umgebucht wurden. Das Theater war aber dennoch unter den geltenden Coronabedingungen so gut wie ausverkauft. „Die letzte deutsche Diva“, Sängerin und Schauspielerin Hildegard Knef, hat auch heute noch viele Anhänger. Das Stück zeigt die Grande Damme als facettenreichen, widersprüchlichen Charakter.

Angela H. Fischer als Hildegard Knef ignoriert die Radionachrichten, die aussagen, dass sie gestorben ist. „Sehr witzig“, sagt sie. „Ich fühle mich so lebendig wie nie.“ Nur zögerlich erkennt sie die Situation, wobei ihr Mephisto eine große Hilfe ist. Der Teufel persönlich erscheint, um die Knef aus diesem Wartesaal weiter zu befördern, entweder nach oben oder nach unten. Mephisto (Andreas Strigl) ist dandyhaft gekleidet, rote Rüschen am langen Gehrock, ein Fuß steckt in einem hochhackigen Damenschuh. „Da sind ja zwei Diven auf der Bühne“, mag man denken, und der Fortgang des Stückes zeigt, dass man damit nicht falsch gelegen hat: Es entwickelt sich eine besondere Art von „Zickenkrieg“. „Wer sind Sie?“, fragt die Knef irritiert. „Ihr größter Verehrer.“

Langsam fasst sich die Schauspielerin und Sängerin in ihr Schicksal. Trotz aller Überführungskünste Mephistos kommt immer wieder seine dämonische Ader durch, und die Aussagen werden böse. So etwa, als er in Teufelssprech der Knef entgegenschleudert: „Ach, Hildchen, du als ‚Die Sünderin’. Selbst Hitler hatte nicht so schlechte Kritiken.“ Doch das Hildchen zögert, den Vertrag zu einer Reise „nach unten“ zu unterschreiben.

„Mit dir, Hilde, kann man keine Geschäfte machen.“

Mephisto zu Hildegard Knef

Zwischendurch singt Angela H. Fischer die Songs der Knef, in einer rauen Kontraaltstimme, die dem Original nahekommt. Die optische Ähnlichkeit der Schauspielerin mit der 1925 in Ulm geborenen Chansonnette ist ebenso bemerkenswert. „Aber schön war es doch“ wirft einen Blick auf die mögliche Vergangenheit der Knef zwischen dem Wunsch, geliebt zu werden und ihrer angeblichen Nähe zu den Nazis. Pianist Ulrich Espenlaub versteht es, sensible Zwischentöne einzustreuen und ein leichtes Jazz-Feeling zu unterlegen.

Hilde will „nach oben“, aber Mephisto sagt: „Die da oben stehen nicht so auf dich. Unten wirst du viele wiedertreffen: Hans Albers, Clark Gable, deine Mutter.“ Einige Aussagen des Teufels lassen die Diva nachdenklich werden. Aber er erkennt: „Mit dir, Hilde, kann man keine Geschäfte machen.“

Bemerkenswert in der gut 90-minütigen Aufführung ist die Chemie zwischen den Schauspielern. Fischer besticht durch eine immense stimmliche Bandbreite. Sie flüstert und beherrscht das Kunststück, enorm laut zu werden, ohne zu schreien. Und Andreas Strigl – der hat einfach eine teuflisch-gute Ausstrahlung.

Weitere Termine

Regisseur Oliver Scheemann hätte nichts dagegen, mit dem Stück „Der Teufel und die Diva“, erdacht und geschrieben von Fred Breinersdorfer und Katja Röder, auf Tournee zu gehen. Zunächst sind aber noch zwei Aufführungen im Lenneper Rotationstheater zu sehen: Am kommenden Freitag, 25. Februar, und am Samstag, 5. März, jeweils um 20 Uhr. Karten kosten 25 Euro, ermäßigt 22 Euro, plus Gebühr im Vorverkauf. Es handelt sich um eine Hommage an Hildegard Knef.

rotationstheater.de

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