Die Woche

Wenn das Geschäft mit der Gesundheit krank macht

sven.schlickowey@rga.de
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Das Trauerspiel geht in die nächste Runde.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Das Trauerspiel geht in die nächste Runde: Nachdem wir alle zusammen den ersten Akt – Sana plant mitten in der Pandemie die Entlassung von Dutzenden Mitarbeitern des Krankenhauses, Öffentlichkeit und selbst die Stadt als Miteigentümer erfahren davon aber eher durch Zufall – noch lange nicht verkraftet hatten, folgte diese Woche der zweite Aufzug.

Mit einem Brief der Stadtspitze an den Vorstandsvorsitzenden des Klinikkonzerns. Weil der zwar zugesagt hatte, seinen Geschäftspartner auf dem Laufenden zu halten – danach aber nicht viel kam. Insbesondere nicht darüber, wer die Aufgaben der von Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeiter künftig übernehmen soll.

Weil die, wo möglich, mangels Perspektive bereits das Weite suchten, bleibe deren Arbeit zunehmend am Pflegepersonal hängen, berichtet die Betriebsratsvorsitzende, die deswegen zu einem vernichtenden Urteil kommt: „Das macht krank.“ Die, die sich Sorgen um ihre Zukunft machen. Und die, die befürchten, bald noch stärker belastet zu werden. Kann man einem Unternehmen, dessen Geschäft Gesundheit ist, einen schlimmeren Vorwurf machen?

Thomas Lemke, der Chef von Sana, hat für den Geschäftsbericht 2019 übrigens seiner eigenen PR-Abteilung ein Interview gegeben. Darin macht er unter anderem indirekt die Medien für den schlechten Ruf von Pflegeberufen verantwortlich. „Vielmehr müssen wir alle dafür Sorge tragen, dass der Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers wieder als ein Job mit Perspektive wahrgenommen wird“, sagt er da. Vielleicht haben junge Menschen aber ja auch keine Lust auf die Perspektive, neben ihren originären pflegerischen Aufgaben, die ohnehin schon kaum in der vorgesehenen Zeit zu erledigen sind, Nachttische abzuwischen und Patienten durchs Haus zu begleiten.

Remscheid hat Sana ohne Frage einiges zu verdanken. Die Rettung der damals städtischen Klinik und die Kooperation bei der Kinderarztpraxis in der City seien da nur beispielhaft genannt. Aber Sana hat mit dem Haus an der Burger Straße eben nicht nur ein inzwischen recht profitables Unternehmen – die Bilanzen der Sana-Klinikum Remscheid GmbH weisen seit 2011 stets Überschüsse aus, bis auf einmal immer im sieben- oder achtstelligen Bereich – übernommen, sondern auch viel Verantwortung für diese Stadt und ihre Menschen. Dieser sollten Lemke & Co bald mal nachkommen.

TOP Die Inzidenz in Remscheid liegt seit Wochenbeginn konstant unter 20.

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