Corona-Krise

Weihnachtstreff: Die Müller-Brüder wollen wiederkommen

Rund 130 000 Gäste lockte der Weihnachtstreff auf dem Rathausplatz im Vorjahr an. In diesem jahr fällt er aus. Archivfoto: Roland Keusch
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Rund 130 000 Gäste lockte der Weihnachtstreff auf dem Rathausplatz im Vorjahr an. In diesem jahr fällt er aus.
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Absage des Weihnachtstreffs auf dem Theodor-Heuss-Platz hat Folgen für die Veranstalter.

Von Andreas Weber

Remscheid. Die letzte Einnahme in ihren Büchern verbuchten Marcel Müller (42) und sein Bruder Alexander (36) am 22. Dezember 2019. Es war der letzte Tag des Weihnachtstreffs in Remscheid. Seither haben die Schausteller aus dem niedersächsischen Sehnde keinen Cent mehr verdient. Und auch der diesjährige Weihnachtstreff auf dem Theodor-Heuss-Platz, in den die Organisatoren nach einer langen Durststrecke so viel Hoffnungen gesetzt hatten, findet nicht statt.

„Die derzeit stetig steigenden Corona-Infektionszahlen und die sich hieraus ergebenden Vorgaben und Einschränkungen der Bundes- und Landesregierung sowie die wirtschaftlichen Risiken für den Veranstalter lassen eine Corona-konforme Durchführung nicht zu“, teilte Stadtsprecherin Viola Juric mit.

Trotz aller Existenzsorgen kann Marcel Müller die Entscheidung verstehen: „Wir haben an der Seite der Stadt bis zur letzten Sekunde gekämpft. Aber nachdem sich Bund und Länder verständigt haben, alle Freizeitveranstaltungen bis Ende November abzusagen, war für uns klar, dass wir nur die Reißleine ziehen konnten.“

Bei den Bestimmungen zum Mini-Lockdown wurden die Weihnachtsmärkte zwar nicht explizit genannt, gleichwohl lässt sich für 2020 nichts mehr retten. Angesichts der Einschränkungen war für die Brüder Müller klar: „Der Markt hätte sich auch wirtschaftlich nicht mehr gerechnet.“ Eins müsse man bedenken, meint Marcel Müller: „Angesichts der Corona-Gefahr hätte das für die Betreiber ein erhebliches Risiko bedeuten können.“

Die Konsequenzen aus der Absage schüren Existenzängste: „Man darf nicht vergessen, dass Schausteller zwischen Weihnachten und Ostern in die Winterpause gehen. Da passiert nichts. Das heißt: Von Weihnachten 2019 bis Ostern 2021 werden wir anderthalb Jahre kein Geld verdient haben.“ Die Müllers, die – wie bei Schaustellerfamilien üblich – im größeren Familienverbund leben, konnten ihr Berufsausübungsverbot bislang halbwegs abfedern. „Wir haben in der Vergangenheit gut gewirtschaftet. Deshalb war das möglich. Aber dieses Jahr ohne Einnahmen wirft uns wirtschaftlich vier Jahre zurück. Wir müssen sogar an unsere Altersvorsorge rangehen.“

Die Organisatoren des Treffs haben zu Beginn der Krise Corona-Soforthilfe bekommen. „Die 7000 Euro, die für uns im Endeffekt dabei rauskamen, waren jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, meint Marcel Müller. Denn viele Kosten laufen weiter. Mit jedem Monat ohne Einnahmen wird der Überlebenskampf härter.

Remscheid: Die Brüder versprechen 2021 einen extraschönen Weihnachtstreff

Die Ankündigung des Bundesfinanzministers für Hilfen in der Eventbranche beinhaltet auch das Schausteller-Gewerbe. Der ursprüngliche Plan, 75 Prozent ihres Umsatzes vom letzten November als Entschädigung zu zahlen, wäre für Schausteller aber schlecht gewesen, weil die meisten Weihnachtsmärkte erst nach dem Totensonntag starten. 2019 war das der 27. November. Unter dem Strich bleibe die bittere Erkenntnis, dass „unsere Branche niemand auf dem Zettel hat“, klagt Marcel Müller.

Dreimal hatte er dieses Jahr sein Sicherheits- und Hygienekonzept den Bestimmungen angepasst und der Verwaltung vorgelegt, immer wieder neuen Vorschriften und Richtlinien folgend. Am Ende hätten er und seine Kollegen die volle Doku-Pflicht für die Besucher des winterlichen Spektakels gehabt. „Auch das ließ sich nicht mehr darstellen.“

Sein Dank gilt der Stadtverwaltung, die „uns immer wieder unterstützt hat, auch zu einer Zeit, als längst andere Weihnachtsmärkte abgesagt worden waren“. Marcel Müller will mit seinem Bruder 2021 zurückkehren. „Wir sind Kämpfer und die Remscheider ein sehr treues Publikum.“ Er verspricht: „Wir werden 2021 einiges nachholen und einen extraschönen Markt präsentieren – natürlich auch mit einer Eisbahn.“

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Remscheid. Der Blog wird laufend aktualisiert.

Soforthilfe

Die Details zur Beantragung und zur Auszahlung werden noch abgestimmt, einige Eckpunkte zu den neuen Corona-Soforthilfen stehen aber schon fest. Demnach bekommen Selbstständige für die Zeit des Lockdown bis zu 75 Prozent ihrer Einnahmen vom Bund. Dabei können Solo-Selbstständige wählen, ob der November 2019 oder der Jahresdurchschnitt zugrunde liegt, ist die Firma jünger, nimmt man den Oktober 2020. Bei Unternehmen bis 75 Mitarbeitern gilt der Vorjahres-November.

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