Weihnachtstreff: Corona und Wetter trüben das Fazit

Der Weihnachtstreff 2021 ist vorbei: In den nächsten Tagen verschwinden Buden und Eisbahn vom Remscheider Rathaus. Foto: Doro Siewert
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Der Weihnachtstreff 2021 ist vorbei: In den nächsten Tagen verschwinden Buden und Eisbahn vom Remscheider Rathaus.
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Organisator Marcel Müller beziffert die Umsatzeinbußen beim diesjährigen Weihnachtstreff auf 40 bis 50 Prozent.

Remscheid. Seit Heiligabend verschwinden die festlich geschmückten Buden vom Theodor-Heuss-Platz am Rathaus. Der sechswöchige Weihnachtstreff mit der Eisbahn, mit Glühwein- und Imbissständen ist Geschichte. Organisator Marcel Müller freut sich aber schon jetzt auf ein Wiedersehen mit Remscheid: „2022 lassen wir es krachen. Das Ende der Fahnenstange ist bei unserem Treff noch längst nicht erreicht“, kündigt er an.

Seit sieben Jahren ist der Schausteller aus Hannover im Einsatz, um das Spektakel in Remscheid zu arrangieren. Dabei arbeitet er mit Kollegen aus der Branche zusammen, die insgesamt 30 Stände aufgebaut hatten – und dort insbesondere Getränke und Imbiss-Spezialitäten anboten. Die Umsätze fielen deutlich niedriger aus als in den vergangenen Jahren: „Um 40 bis 50 Prozent“, bilanziert Müller. Damit aber ist der Remscheider Weihnachtstreff im Vergleich zu anderen Traditionsveranstaltungen deutschlandweit noch gut davon gekommen. In einzelnen Bundesländern wie Sachsen und Bayern waren sie komplett ausgefallen. In anderen Regionen galt die 2G-Plus-Regel. Besucher mussten also geimpft oder genesen und zusätzlich getestet sein. Nach Angaben des Schaustellerbunds erzielten die Händler zum Teil nur noch 5 bis 10 Prozent des üblichen Umsatzes.

„99 Prozent der Gäste hatten für die Regelung Verständnis.“

Organisator Marcel Müller über das strikte 2G-Gebot

Den Rückgang in Remscheid habe aber nicht nur an Corona gelegen. „Das lag zum einen an dem schlechten Wetter mit viel Regen und Nebel. Wir hatten ja fast täglich eine regelrechte Waschküche“, blickt Müller zurück, der in Remscheid das 2G-Gebot beachten musste. Wer nicht genesen oder geimpft war, durfte nicht auf die Veranstaltungsfläche. „99 Prozent der Gäste hatten für die Regelung Verständnis. Es gab so gut wie keine Konflikte“, erklärt der Organisator, der froh war, überhaupt wieder aktiv werden zu können. „Die Schausteller waren die Ersten, die von den Lockdowns betroffen waren. Und sie waren die Letzten, die wieder an den Start gehen konnten“, sagt er: „Wir waren bis in den Herbst zum Nichtstun verdammt.“ Und selbst im Anschluss sei es noch schwierig gewesen, Kirmes-Atmosphäre zu erzeugen – angesichts der strengen Pandemie-Auflagen auf den Rummelplätzen, die unter anderem eingezäunt sein mussten.

Müller ist mit seinem Familienbetrieb deutschlandweit unterwegs. Zu seinen Attraktionen zählt das Kinderkarussell ebenso wie die Geisterbahn oder das Riesenrad. Wenn alles gut geht, beginnt seine Saison Ende März 2022 in der thüringischen Hauptstadt Erfurt. Aber auch dies sei vom weiteren Verlauf der Pandemie abhängig. „Es ist für uns kaum etwas planbar. Ich kann nur appellieren, dass sich die Menschen impfen lassen sollen“, erklärt Müller, der auf dem Weihnachtstreff mit der Glühwein-Pyramide vertreten war und den Betrieb rund um die Eisbahn übernahm.

Hier habe er in den vergangenen Wochen zahlreiche Besucher getroffen, die nach der Corona-Zwangspause im vergangenen Jahr endlich wieder den Weihnachtstreff besuchen konnten. „Die Dankbarkeit war spürbar, dass es wieder ein Stück Normalität gibt“, beschreibt Müller die Stimmung bei der Traditionsveranstaltung.

Händler finanzieren die Traditionsveranstaltung

Diese finanziert er mit einer Umlage der teilnehmenden Standbetreiber. Trotz der gesunkenen Umsätze könne er den Obolus nicht senken. „Denn die Fixkosten bleiben ja, für Strom, für Wasser, für den Sicherheitsdienst. Da muss jeder das wirtschaftliche Risiko für sich selber tragen.

Wochenmärkte

Organisator Marcel Müller muss sich beim Abbau der Buden „etwas beeilen“, wie er sagt. Denn: Bereits am Mittwoch, 29. Dezember, kehrt der Wochenmarkt auf den Theodor-Heuss-Platz zurück. Wer möchte, kann sich dort in dieser Woche ein weiteres Mal mit Obst und Gemüse eindecken. Der Wochenmarkt findet allerdings am Freitag (Silvester) statt und entfällt am Neujahrstag. Der Markt an der Unteren Allee findet am Freitag nicht statt.

Standpunkt: Staat muss weiter helfen

frank.michalczak@rga.de

Kommentar von Frank Michalczak

Die Umsatzeinbußen, die Weihnachtstreff-Organisator Marcel Müller gemeinsam mit seinen Kollegen erleiden musste, werfen ein weiteres Schlaglicht darauf, welche wirtschaftlichen Folgen die Pandemie in vielen Teilen der Wirtschaft anrichtet. Ein weiteres Beispiel sind die zahlreichen Absagen von Weihnachtsfeiern oder Silvesterpartys, die ohnehin nur in kleinem Rahmen stattfinden dürfen. So ist auch die Gastronomie nach zwei Jahren Corona schwer gebeutelt. Wenn nicht ganze Branchen wegbrechen sollen, muss der Staat weitere Finanzhilfen zur Verfügung stellen. In Zeiten wie diesen ist Solidarität der öffentlichen Hand nicht nur angemessen, sondern dringend notwendig. Aber es gibt für Marcel Müller bei all den Problemen einen Trost: Das Finanzielle sei wichtig, sagt er. Aber ebenso die Seele. Es sei für ihn berührend gewesen, nach der Zwangspause im letzten Jahr die Stammgäste in Remscheid wiederzusehen zu können. 2022 will der „Schausteller mit Leib und Seele“, wie er sich nennt, wieder loslegen. Hoffentlich dann unter besseren Rahmenbedingungen.

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