Rudelgucken im Winter

Public Viewing zur Fußball-WM in Katar: So sehen es Remscheider

Weder hinter Lothar Clemm (Grüne Gans) noch in seiner Blickrichtung (Weihnachtstreff) werden WM-Spiele übertragen.
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Weder hinter Lothar Clemm (Grüne Gans) noch in seiner Blickrichtung (Weihnachtstreff) werden WM-Spiele übertragen.

Entscheidung zum Public Viewing auf dem Rathausplatz. Bei den Gastronomen ist das Meinungsbild unterschiedlich. Einer aber hat eine ganz klare Meinung.

Remscheid. Es gibt in Remscheid kein Public Viewing zur anstehenden Fußballweltmeisterschaft. Auf dem Theodor-Heuss-Platz war das früher beliebt. Zur Zeit der WM findet dort in diesem Jahr der Weihnachtstreff 2022 statt. Dort werden keine Spiele übertragen werden, teilt Organisator Marcel Müller mit.

Er hatte zunächst mit dem Gedanken gespielt, Spiele zu übertragen. Doch davon habe er inzwischen Abstand genommen: „Das ist einfach viel zu teuer.“ 4000 Euro hätte laut seiner Aussage alleine die GEMA bekommen, dazu seien Leinwände mehrere Tausend Euro teuer. „Wir können doch gar nicht einschätzen, ob so viele Leute gekommen wären.“ Für Müller ist das alles unkalkulierbar und vor allem eines: zu teuer.

Problem zwei: Die Personenanzahl, die nötig wäre, damit es sich rechnet, ist auf dem Rathausplatz derzeit nicht einmal zugelassen. Im Parkhaus darunter waren Risse entdeckt worden. Zudem schränken die Buden das Raumangebot massiv ein.

 „Bei mindestens 15.000 toten Arbeitern und den generellen Menschenrechtsverletzungen kann es keine fröhliche WM geben.“

Lothar Clemm, Grüne Gans

So oder so haben viele Fußballfans ein Problem mit dem Turnier in Katar, das dann auch noch im Winter statt Sommer stattfindet. Auf den RGA-Rundruf, welche Bars und Kneipen denn übertragen, kommt die deutlichste Rückmeldung aus der Grünen Gans. „Bei mindestens 15 000 toten Arbeitern und den generellen Menschenrechtsverletzungen kann es keine fröhliche WM geben“, sagt Lothar Clemm. Rumms.

Clemm nennt Zahlen der Organisation Amnesty International. Sein Kultlokal am Center, bei Fußball und Feiern eine feste Institution in der Stadt, habe sich also entschieden, „erstmalig keine Übertragungen anzubieten“.

Viele Wirte sehen sich in Zwickmühle

Doch viele Wirte sind in einer Zwickmühle: Die Lage ist ohnehin nicht berauschend, wie der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Nordrhein berichtet. Aber Fußball-Events bringen in der Regel zumindest Umsatz.

Für den Verband sagt Isabel Hausmann: „Es wird eher kleinere Veranstaltungen zur WM geben, manche werden ganz verzichten.“ Das führt die stellvertretende Geschäftsführerin aber nicht nur auf das Ausrichterland zurück, „sondern auch und vor allem“ auf die Jahreszeit.

Die Dehoga-Kreisgruppe Remscheid leitet Markus Kärst. Er wisse von mindestens einem Remscheider Kollegen, der die WM boykottieren wolle. Auch andere hätten angekündigt, diesmal nicht zu übertragen. Das könne aber auch an den teuren Rechten liegen. „Wer bisher in seinem Betrieb noch keinen Fernseher oder keine Leinwand angemeldet hat, muss dies beim Beitragsservice tun. Und für die Übertragungen fallen dann noch GEMA-Gebühren an.“

Markus Kärst: Vielleicht einfach schließen, wenn Deutschland spielt

Markus Kärst hatte selbst in seinem Betrieb in Ronsdorf mal den Versuch gewagt und zur EM 2016 eine Leinwand angemeldet – es habe sich bei weitem nicht gerechnet. „Übertragungen lohnen sich für speiseorientierte Betriebe nicht“, ist seine Erfahrung. Was sich aber auch nicht lohnt: zu öffnen, wenn Deutschland spielt. Vermutlich bleibt Kärsts Restaurant auch diesmal zu, wenn die Nationalmannschaft antritt.

Miro und andere Kneipen zeigen Spiele

Fußball wird es in vielen anderen der üblichen Kneipen aber geben. Es sei eben sieben, acht Jahre zu spät, gegen die Ausrichtung in Katar zu protestieren, sagt Torsten Dehnke. Im Miro, Restaurant und Bar an der Scharffstraße, wird die WM laufen. Die deutschen Spiele, egal zu welcher Uhrzeit, sowieso. „Wir haben eine große Leinwand und zwei kleinere Monitore“, sagt Dehnke. Alle anderen Spiele würden zumindest ohne Ton ebenfalls laufen.

Lage in der Gastronomie

Konjunktur: „Wir stehen vor nie gekannten Herausforderungen“, sagt Dehoga-Vertreterin Isabel Hausmann zur wirtschaftlichen Lage der Gastronomie. Das sei nicht nur auf steigende Preise für Gas, Strom und Lebensmittel zurückzuführen: „On top kommen der Personalmangel und das nicht einschätzbare Konsumverhalten. Und Corona mischt auch immer noch mit.“

Probleme: Markus Kärst bestätigt das für Remscheid. Zum einen würden bereits wieder Firmen Weihnachtsfeiern absagen. Darüber hinaus blieben als riesige Unbekannte die Energiekosten. Das wirke sich zweifach aus: auf die Betriebe selbst sowie zurückhaltende Endverbraucher. Kärst: „Die bisher beschlossenen Hilfen machen in ihrer Ausgestaltung auch keinen Sinn.“

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