Remscheider Einzelhandel

Das Weihnachtsgeschäft beginnt bereits

Claudia Hertel und Dagmar Hellwig sorgen bereits Anfang November für festliche Atmosphäre in Lüttringhausen. Foto: Roland Keusch
+
Claudia Hertel und Dagmar Hellwig sorgen bereits Anfang November für festliche Atmosphäre in Lüttringhausen.

Remscheider Händler wappnen sich fürs Fest – Wegen Corona früher als sonst.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Bei Thomas Hertel weihnachtet es bereits. Zumindest optisch. Früher als in den Vorjahren hat der Lüttringhauser Juwelier begonnen, sein Geschäft festlich zu schmücken. „Die Weihnachtsstimmung dürfte dieses Jahr nicht ganz so emotional werden“, vermutet Hertel angesichts der derzeitigen Krise. Um dem entgegenzuwirken, kommt die Weihnachtsdeko diesmal etwas früher zum Einsatz.

Viele Remscheider Einzelhändler sorgen sich um die festliche Stimmung in der Stadt. Und um ihr Weihnachtsgeschäft. Das sei immer noch extrem wichtig für den Einzelhandel, bestätigt Thomas Hertel. „Ein wenig hat es sich in den letzten Jahren verlagert“, sagt er. Doch bis heute mache ein durchschnittlicher Juwelier im Dezember rund 25 Prozent seines Jahresumsatzes. In anderen Branchen, zum Beispiel Spielwaren, liegt der Anteil sogar noch höher. Schon in normalen Jahren ist die Bedeutung des Weihnachtsgeschäfts also enorm. In Zeiten von Corona ist es für manchen Händler fast schon eine Frage des Überlebens.

„Wir sind deutlich früher dran.“

Annika Beckmann über das Weihnachtsgeschäft

Dabei rechnet der Handelsverband Deutschland (HDE) mit guten Umsätzen bis zum Fest. Mehr als 100 Milliarden Euro, so schätzen die Experten, werden die Deutschen in den kommenden zwei Monaten ausgeben, 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch profitieren wird davon vermutlich vor allem der Online-Handel.

Eine Sorge, die auch Annika Beckmann von Tee Geschwender im Allee-Center hat: „Im ersten Lockdown hat der Internet-Handel ja geboomt“, erinnert sie sich. Nun gelte es, die Leute zurück in die Geschäfte zu locken. „Natürlich macht man sich als stationärer Händler Gedanken: Wie plant man das? Wie setzt man das Personal ein? Haben die Kunden so viel Geduld, wenn sie kurz vor dem Geschäft warten müssen?“

Eine mögliche Antwort ist auch für Annika Beckmann, früher ins Weihnachtsgeschäft zu starten. „Wir sind deutlich früher dran“, sagt sie. Derzeit seien Tee-Proben als Füllung für Adventskalender der Renner. Auch die ersten Präsente seien gefragt: „Wir bieten ja alles an, von kleinen Geschenken zum Wichteln bis große Sets mit Teekannen und Tassen, die wir zusammenstellen.“

Nicole Hof hat bereits manches Geschenk verpackt.

Denn auch Service kann ein gutes Argument sein, statt im Netz in der eigenen Stadt einzukaufen. So bietet Annika Beckmann zum Beispiel einen Lieferservice an. Thomas Hertel hat die Umtauschfrist für alle Geschenke auf Ende Januar verlängert. Und Nicole Hof, die zusammen mit Heidi Feiter-Kewerhoff die Schatzkiste in der Lenneper Altstadt betreibt und dort unter anderem Spielwaren verkauft, verpackt Geschenke besonders festlich. Und das in diesem Jahr auch schon Anfang November. „Das Weihnachtsgeschäft ging bei uns sonst immer erst im Dezember los, aber dieses Jahr haben wir schon ganz viele Sachen in weihnachtliches Geschenkpapier eingepackt.“

Denn nicht nur die Händler haben das, was Nicole Hof als „die Angst im Nacken“ beschreibt, die Sorge, dass bei weiter steigenden Infektionszahlen wieder ein Lockdown wie im Frühjahr droht, auch einige Kunden verspüren das offensichtlich. „Die Leute haben Angst, dass wieder alles zu macht“, sagt Juwelier Thomas Hertel. Deswegen würden sich viele heute schon mit Geschenken eindecken.

Doch gerade in kleineren Firmen gebe es nicht nur die Sorge vor einem neuerlichen Lockdown, sagt Hertel. Schon eine einzige Infektion könne das Geschäft empfindlich stören. „Die Teams im Einzelhandel sind ja nicht so groß, wenn es einen von uns erwischt, müssen alle in Quarantäne.“ Entsprechend strikt halte man sich an die Hygienevorschriften. Zum eigenen Schutz. Und um den Kunden die Sicherheit zu geben, dass sie nicht im Netz einkaufen müssen.

Hintergrund

Laut Konsumbarometer des Handelsverbandes Deutschland wollen in diesem Jahr 44 Prozent der Kunden ihre Weihnachtseinkäufe vermehrt im Internet erledigen, der Online-Handel erwartet 19 Prozent Zuwachs. Die beliebtesten Geschenke sind laut Verband Gutscheine, auf den Plätzen dahinter folgen Spielzeug, Bücher und Schreibwaren.

Eine Werbekampagne appelliert jetzt an die Solidarität und das Heimatgefühl der Remscheider: „Kaufe und genieße lokal“, lautet die Botschaft: „Unterstütze den örtlichen Handel und die örtliche Gastronomie!“. Auf zwei Bussen der Stadtwerke, auf Plakaten und anderen Werbeträgern wird der Aufruf zu sehen sein.

In unserem Live-Blog finden Sie die neuesten Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Remscheid.

Standpunkt: Instinktiv richtig

Von Sven Schlickowey

sven.schlickowey@rga-online.de

Es ist November – und das Weihnachtsgeschäft hat bereits begonnen, berichten die Remscheider Einzelhändler unisono. Auch wenn man damit von Verhältnissen wie im Lebensmitteleinzelhandel, wo Spekulatius und Lebkuchen meist schon im September rumstehen, noch weit entfernt ist, zeigt das einmal mehr, dass Corona vieles durcheinander bringt. Und dass viele Menschen quasi instinktiv richtig reagieren. Wenn man nämlich auf der einen Seite den heimischen Handel unterstützen soll, wie viele Experten das fordern, aber andererseits die Kontakte reduzieren soll, wie es die Experten ja auch fordern, dann geht das nur, wenn sich das Weihnachtsgeschäft über einen längeren Zeitraum verteilt, wenn die Kunden, statt sich in den letzten Tagen vor dem Fest in den Läden zu drängeln, jetzt schon nach und nach losziehen. Das dient übrigens auch der eigenen Gesundheit. Wegen der geringeren Ansteckungsgefahr. Und weil der Stresslevel sinkt, wenn man die Präsente für die Liebsten mal vor dem 23. Dezember besorgt.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Badebetrieb im Freibad Eschbachtal endet vorzeitig
Badebetrieb im Freibad Eschbachtal endet vorzeitig
Badebetrieb im Freibad Eschbachtal endet vorzeitig
Corona: Corona-Hilfe für Vereine - Inzidenz sinkt auf 13,5
Corona: Corona-Hilfe für Vereine - Inzidenz sinkt auf 13,5
Corona: Corona-Hilfe für Vereine - Inzidenz sinkt auf 13,5
Nach Unfall mit hohem Sachschaden: Die L 74 ist wieder frei
Nach Unfall mit hohem Sachschaden: Die L 74 ist wieder frei
Nach Unfall mit hohem Sachschaden: Die L 74 ist wieder frei
Fluten schädigen die Ökosysteme langfristig
Fluten schädigen die Ökosysteme langfristig
Fluten schädigen die Ökosysteme langfristig

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare