Meine erste Platte

„Waterloo“ von Abba gehörte zur „Bückware“

Beim Blick in das Album „The very Best of Abba Greatest Hits“ werden bei Dietmar Volk Erinnerungen an seine erste Platte wach: „Waterloo“. Foto: Roland Keusch
+
Beim Blick in das Album „The very Best of Abba Greatest Hits“ werden bei Dietmar Volk Erinnerungen an seine erste Platte wach: „Waterloo“.

Seine erste Platte fand Dietmar Volk in einem kleinen Laden an der Straße der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft

Von Peter Klohs

Remscheid. Dietmar Volk, seit 2008 kaufmännischer Direktor der evangelischen Stiftung Tannenhof, taucht, sobald er die Doppel-LP „The very best of Abba“ in den Händen hält und mit leuchtenden Augen betrachtet, tief in seine musikalische Vergangenheit ein. Denn er besitzt seine erste Platte, die eigentlich die Abba-LP „Waterloo“ war, nicht mehr. Aber die großen Hits des schwedischen Quartetts auf der Doppel-LP, die ich zum Gespräch mitgebracht habe, begeistern ihn sichtlich.

„Ach ja“, seufzt er, „schauen Sie sich nur die Fotos an.“ Er hat das Klappcover geöffnet und badet mit den Augen in den Foto-Zeugnissen der 70er Jahre. „Ist das nicht herrlich?“ Dietmar Volk, der 1962 in Thüringen geboren wurde, wurde in der ehemaligen DDR musikalisch sozialisiert. „Die für unsere Ohren heute ja eher harmlose Musik von Abba zerriss schon unsere Familie“, erinnert er sich. „Wir Jugendlichen fanden das toll, weil die Musik sofort im Ohr blieb. Fast jeder Song war ein Ohrwurm und verbreitete gute Laune. Man verstand die Texte, was bei anderen Gruppen, zum Beispiel bei den Rolling Stones, ganz anders war. Und man konnte zu dieser Musik tanzen, was im Hinblick auf die Mädchen nicht ganz unwichtig war.“

Seine Eltern konnten die Abba-Musik tolerieren, seine Oma nicht ertragen. „Die Generationenkonflikte waren damals keine anderen als heutzutage.“

„Böhmische Blasmusik mag ich genauso wenig wie Heavy Metal. Alles dazwischen kann ich gut hören.“

Dietmar Volk

Die erste Platte fand Volk in einem kleinen Geschäft an der Straße der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft in Naumburg an der Saale, das eigentlich ein Bücherladen war, zusätzlich jedoch – „als Bückware“ – auch LPs anbot. „Ja, man musste sich bücken, um an die Platten heranzukommen“, erinnert sich Volk, der mehr als 20 Jahre seines Lebens in Berlin gelebt hat. „Und die Verkäufer waren schon recht streng. Wenn man die LP, zumeist eine DDR-eigene Amiga-Pressung, in der Hand hielt, dann moserten die sofort: Entweder nehmen oder nicht.“

Dietmar Volk, damals in der „Jungen Gemeinde“ kirchlich sehr engagiert, lernte dort die progressivere Art der Musik kennen: Uriah Heep und Black Sabbath. „Aber die habe ich wirklich nur gehört und nie besessen.“ Auch heute ist ihm der harte Rock nicht angenehm. „Böhmische Blasmusik mag ich genauso wenig wie Heavy Metal. Alles dazwischen kann ich gut hören. Hin und wieder höre ich auch Klassik, mit Vorliebe Maria Callas.“

Apropos Böhmische Blasmusik. Die war, wie er sich erinnert, die Lieblingsmusik seines Lehrherren in der Uhrmacherlehre. „Und dort hörte man viel Radio. Der Meister war ein netter Mensch, hatte aber einen fürchterlichen Musikgeschmack. Den ganzen Tag gab es Blasmusik, und ich habe später dann mühsam zwei Stunden Radio Luxemburg pro Tag ausgehandelt. Radio Luxemburg und der Musikladen waren für uns Jugendliche Pflicht.“

Aber auch danach verfolgte er die Musikszene, fand in den 80er Jahren Queen toll, konnte sich mit Pink Floyd und den Stones anfreunden, die er 1997 in Berlin live erlebt hat, findet Joe Cocker großartig. Gerne erinnert er sich an die Giga-Konzerte vor dem Berliner Reichstag, besonders an das „The Wall“-Konzert von Pink Floyd, das er 1988 gemeinsam mit einem Freund von einem Ostberliner Hausdach hörte. Auch die aktuelle Popmusik kann er genießen. „Ich arbeite ja den ganzen Tag und höre, wenn es sich ergibt, MP3-Files. Von Sarah Connor, Mark Forster, Marteria, die neuere deutsche Popmusik.“

Volk findet, dass das italienische San-Remo-Festival hierzulande nicht genügend gewürdigt wird. „Das bekommt man ja hier kaum mit.“ Immer noch schaut er leicht lächelnd die Doppel-LP von Abba an. Als ich gehe, ist sie in seinem Besitz. Ich habe eine vorzügliche Tasse Kaffee dafür bekommen.

Dietmar Volk

„Ich komme ja durch meinen Beruf nicht viel zum Musikhören“, erzählt Dietmar Volk. „Ich höre zumeist Autoradio oder MP3 und bin ein typischer Mainstream-Hörer.“ Musik, die ihn melancholisch macht, hört er nicht gern. „Ich tanke Kraft durch die Musik“, weiß Dietmar Volk. „Melodiös muss sie sein – und gute Laune verbreiten. Und wenn man dazu tanzen kann, ist das zusätzlich angenehm.“ Abba war aus diesen Gründen seine erste musikalische Liebe. Seine erste LP, „Waterloo“, erstand er in einem kleinen Laden in Naumburg an der Saale. Er reagiert im Gespräch emotional auf den Anblick der Doppel-LP „The very best of Abba“. Dietmar Volk erzählt leidenschaftlich und humorvoll aus seiner Jugendzeit, als er den Zauber der Musik entdeckte. „Aber auch heute kann ich Musik noch genießen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Rasender Motorradfahrer gefährdet sich und andere
Rasender Motorradfahrer gefährdet sich und andere
Rasender Motorradfahrer gefährdet sich und andere
Elektroschrott für Schulen zu gefährlich
Elektroschrott für Schulen zu gefährlich
Elektroschrott für Schulen zu gefährlich
Führerscheine gibt es nur nach Priorität
Führerscheine gibt es nur nach Priorität
Führerscheine gibt es nur nach Priorität
„Vereinigte Hüttenwerke“ verschwinden am Remscheider Rathaus
„Vereinigte Hüttenwerke“ verschwinden am Remscheider Rathaus
„Vereinigte Hüttenwerke“ verschwinden am Remscheider Rathaus

Kommentare