Ein Geistlicher macht sich Gedanken

Was schaut ihr in den Himmel?

In der Bibel ist Himmelfahrt der Auftakt einer neuen Staffel.

Von David Kannemann,
Pfarrer Ev. Stadtkirchengemeinde Remscheid

Remscheid. Ich bin ein Fan trockener Ironie. Vor allem in Serien. Trockene Ironie macht sich immer gut bei einem Szenenwechsel. Etwa wenn Roy Kent in „Ted Lasso“ ein bitterböses Schimpfwort loslässt, nachdem ihn die Runde mit den anderen Trainern zu einer entscheidenden Einsicht über sein Leben gebracht hat. Danach kann es dann weiter gehen. Oder wer es klassischer mag: Wenn Horst Tappert angesichts einer schrecklichen Nachricht zu Fritz Wepper sagt: „Harry, hol schon mal den Wagen.“ Trockene Ironie erdet die Protagonisten und die Zuschauer nach einer erschreckenden oder einer erstaunlich schönen Szene und setzt das Signal: Die Handlung geht weiter, die Geschichte ist noch nicht zu Ende.

So einen Szenenwechsel gibt es auch in der Geschichte von Christi Himmelfahrt. Sie ist ja wirklich ein Höhepunkt des Weges Jesu, den die Evangelien erzählen. Jesus wird geboren, hat gelitten unter Pontius Pilatus, wird gekreuzigt und begraben, ist auferstanden von den Toten und dann schließlich – aufgefahren in den Himmel. Wären die Evangelien eine Serie, wäre Himmelfahrt mindestens mal ein Staffelfinale.

In der Bibel ist Himmelfahrt aber der Auftakt einer neuen Staffel. Die zweite Staffel von Lukas, die Apostelgeschichte, beginnt mit der Szene von der Himmelfahrt. Mit letzten Worten Jesu an die Jünger und mit deren staunendem Blick in den Himmel. Und dann kommen zwei Gottesboten. Sie sind – wenn man so will – für die Ironie zuständig. Denn sie sagen zu den Staunenden, die gerade das göttliche Wunder der Himmelfahrt gesehen haben: „Was steht ihr da und schaut in den Himmel?“ (Apostelgeschichte 1,11)

Wenn Ironie erdet, dann ist sie nach Himmelfahrt vielleicht das angebrachteste überhaupt. Was schaut ihr in den Himmel? Euer Auftrag liegt auf der Erde! Sie könnten das auch heute noch sagen. Es gibt viel zu tun auf der Erde. Für Frieden, für Gerechtigkeit, für die Bewahrung der Schöpfung. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende, es gibt noch was zu tun. Hat Jesus übrigens auch gesagt, in einer anderen Serie: „Ich bin bei euch, alle Tage, bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28,20)

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