Theater und Zukunft

Was könnte die Kultur in Remscheid jetzt retten?

Sven Graf (kleines Foto) hofft, dass in der neuen Spielzeit wieder mehr Besucher ins Theater kommen.
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Für die neue Spielzeit hoffen die Veranstalter auf mehr Besucher.
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Dezernent Sven Wiertz über leere Theatersäle, die Rolle in der Krise und Zukunftsideen, dem zu begegnen.

Von Melissa Wienzek

Corona, Ukraine-Krieg, Inflation, Energiekrise – immer noch kämpfen die Kulturstätten deutschlandweit mit einem starken Besucherrückgang. Auch in Remscheid. Gerade erst musste beispielsweise die Klosterkirche wieder einige Veranstaltungen absagen. Der Kulturausschussvorsitzende Karl-Heinz Humpert (CDU) will einen erneuten Notfallfonds Kultur, wie es ihn zweimal während der Pandemie schon gab, vermeiden.

Wie schätzt Remscheids Kulturdezernent Sven Wiertz (SPD) die aktuelle Lage der Remscheider Häuser ein? Was brauchen sie jetzt? Und welche Rolle spielt die Kultur? Im RGA-Gespräch gibt er Antworten auf diese Fragen.

Städtische Kulturstätten: Die kommunalen Häuser hätten einen entscheidenden Vorteil, gerade jetzt in der Krise, sagt Sven Wiertz: Die Kommune sichere ihnen die Rahmenbedingungen zu. „Beim Teo Otto Theater sehen wir es leider: Wir sind noch nicht zurückgekehrt zu den Besucherzahlen, die wir vor Corona hatten.“

Selbst bei Veranstaltungen, die früher ausverkauft waren, blieben heute Plätze frei. Woran liegt das seiner Meinung nach? Zum einen an den Ängsten der Menschen, die seit der Pandemie vorherrschten. Seitdem habe sich aber auch das eine oder andere Nutzungsverhalten geändert. Im nächsten Kulturausschuss will die Verwaltung vorstellen, wie man dem begegnen könne. „Denn das Programm des Teo Otto Theaters ist immer noch sehr attraktiv“, betont Wiertz. Dennoch seien ausverkaufte Säle mittlerweile die Seltenheit.

Erfreulich: Bei der VHS sei man wieder auf Vor-Corona-Niveau, was nicht zuletzt durch die Integrationskurse gelungen sei. Bei der Bibliothek blicke man nun ebenfalls erwartungsvoll in die Zukunft: Gerade ist für die neue Stadtteilbibliothek Lüttringhausen in der alten Feuerwache eine Bundesförderung zugesagt worden. „In Berlin ist das als national bedeutsam, als modellhaft wahrgenommen worden.“ Die Stadt habe ein Interesse daran, das Projekt zügig umzusetzen.

Zukunftsideen: Generell müsse man überlegen, wie man die vergangenen 2,5 Jahre Ausnahmezustand im Kulturbereich wieder in einen Normalzustand überführen könne. Und nun komme noch hinzu, dass viele Menschen jeden Euro zweimal umdrehten, das Geld nicht für Kultur ausgeben könnten. „Auch hier wird man sich unterhalten müssen, wie man Kultur zugänglich machen kann.“ Ein gutes Beispiel sei die „Nacht der Kultur“. Zudem habe man die Corona-Pandemie genutzt, um die Häuser zu modernisieren – das wolle man für die Zukunft nutzen.

Freie Häuser: „Meine Sorge gilt den freien Häusern, die stark auf die Einnahmen angewiesen und hohen Belastungen ausgesetzt sind“, sagt der Kulturdezernent. „Aber ich habe es aus Berlin so wahrgenommen, dass es zusätzliche Hilfen geben soll. Wir dürfen die Kultur nicht alleine lassen.“ Die kommunale Unterstützung über den Kulturfonds sei dabei nur ein kleines Trostpflaster.

Digitalität: Unterhalten müsse man sich auch über digitale Formate, die in Coronazeiten vermehrt eingeführt wurden – wie könnte es jetzt weitergehen? Eine Idee kommt von Sven Wiertz selbst: Veranstaltungen in Altenheime übertragen. So ermögliche man den Senioren zudem kulturelle Teilhabe.

Kulturloge: Die Idee, über die Serviceclubs sozial einkommensschwachen Menschen einen Kulturbesuch zu ermöglichen und so die Säle zu füllen, sei eine Idee von vielen. „Es kann nie ein Zuviel an Vorschlägen geben.“ Die Frage sei die Umsetzung. Der Kulturausschussvorsitzende hatte diese Idee ins Spiel gebracht.

Rolle der Kultur: „Das kulturelle Leben einer Stadt ist gerade in Krisenzeiten wichtig“, betont Sven Wiertz. Kultur sei zwar kein Wirtschaftsunternehmen – aber kulturelle Bildung produziere Kreativität und Gedanken. „Und das ist wichtig für den inneren Zusammenhalt einer Gesellschaft.“

Klosterkirche bietet Gratis-Getränk

Andrea Preker, die Kulturmanagerin der Klosterkirche, musste zuletzt wieder mehrere Veranstaltungen absagen. Die Lage ist schwierig. Dennoch versucht Preker, das Programm aufrechtzuerhalten. Im Dezember gibt es zum Beispiel einige interessante Termine: Olaf Bossi kommt, Pe Werner gastiert, die Schlachtplatte ebenso, die Springmäuse sind tatsächlich schon ausverkauft. Um Besuchern etwas mehr zu bieten und einen zusätzlichen Anreiz zu schaffen, hat Andrea Preker die „Welcome-Coins“ eingeführt. Das sind Holzmünzen, die gegen ein Gratis-Getränk eingetauscht werden können – Softgetränke oder Bier, Sekt und Wein.

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