Zum 177. Geburtstag

Warum der Nobelpreisträger 1864 von der Schule flog

Überall Strippen und merkwürdige Geräte: Fabio und Hans übernahmen die Führung durch das Labor des großen Forschers. Foto: Doro Siewert
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Überall Strippen und merkwürdige Geräte: Fabio und Hans übernahmen die Führung durch das Labor des großen Forschers.

Kinder lernten den anderen Wilhelm Conrad Röntgen kennen.

Von Sabine Naber

Remscheid. Wilhelm Conrad Röntgen war ein eigenwilliger Mann und nicht eben das, was man heute emphatisch nennt. Hatte er im Kartenspiel verloren, konnte er seine Mitspieler auch schon mal wutentbrannt aus dem Haus werfen. Auf der anderen Seite ließ er sich 1864 lieber von der Schule werfen, als einen Mitschüler zu verpetzen. Das und mehr erfuhren Eltern und Kinder am Sonntag im Lenneper Röntgen-Museum. Zum 177. Geburtstag des Entdeckers der Röntgen-Strahlen hatte das Museumsteam zu einem Tag für die ganze Familie eingeladen.

Nach einer exklusiven Führung nur für die Jüngsten, auf die Johannes vom X-Club spezialisiert ist, erfuhren die Besucher von der stellvertretenden Museumsleiterin Birgit Dömling, was sich so alles im Archiv des Museums in der Lenneper Altstadt verbirgt.

Am frühen Nachmittag hatten dann Fabio (13) und Hans (16) zu einer Familienführung eingeladen. An der ersten Station erzählte Hans, dass Röntgen am 10. Dezember 1901 der erste Nobelpreis für Physik verliehen worden war. „Hier auf der Karte seht ihr den Weg, den Röntgen bis Stockholm zur Verleihung zurücklegen musste“, erklärte er Miriam (8) und Mateo (7).

Weiter ging es zu dem Raum, in dem die Hobbys von Röntgen im Mittelpunkt standen. „Gucken sie doch mal durch das Guckloch im Berg“, forderte Fabio, für den das die erste Führung war, die Besucherinnen und Besucher auf. Als alle die kleine Schlange gesehen hatten, erzählte er die Geschichte dazu: „Röntgen wanderte gerne. Und nahm auch schon mal befreundete Familien mit. Als die Kinder bei einem dieser Spaziergänge eine Schlange sahen und sie mit Steinen bewarfen, da hat er sie so sehr angeschrien, dass sie nie wieder mitgingen.“

Spannend wurde es in Röntgens Labor. „Nach einigen Experimenten stieß er hier auf die Strahlen, die in der Lage war, durch Materialien hindurchzutreten. Er selbst nannte sie X-Strahlen und das X stand für unbekannt“, erklärte Hans. Zwischendurch hörte man die Stimme von Frau Röntgen, die ihren Mann fragte: „Wo bleibst du denn? Das Abendbrot ist fertig.“ Auch schien das Telefon zu klingeln. Als abgehoben wurde, hörte man aufgeregte Stimmen, die sich nach dieser spektakulären Entdeckung erkundigten. Auch der historische Moment, in dem Röntgen die Hand seiner Frau Anna Bertha durchleuchtete, ist hier festgehalten worden.

„Puh, das sieht aber echt eklig aus.“

Kinder im Angesicht von Kirschen im Röntgenlicht

In einem großen Kalender im Arbeitszimmer des Physikers sind alle wichtigen Daten nachzulesen. Beispielsweise, dass nur wenige Hundert Meter entfernt vom Museum sein Geburtshaus am Gänsemarkt steht. Und dass die Familie drei Jahre nach seiner Geburt in die Niederlande auswanderte.

Und warum wurde der große Forscher später von der Schule geworfen? Er hatte über die Karikatur eines Lehrers gelacht, die ein Mitschüler gezeichnet hatte. „Röntgen hat seinen Freund damals nicht verpetzt“, erzählte Hans. Er trug die Konsequenzen allein.

Noch viele andere Geheimnisse über den großen Sohn der Stadt finden sich im Museum. Dass Röntgen eine Heidenangst vor Spinnen hatte zum Beispiel. Und dass er zahlreichen Bitten, vor großem Publikum über seine Erfindung zu sprechen, nicht nachkam. „Man kann allenfalls so vortragen, dass ein Laienkreis in die irrtümliche Ansicht versetzt wird, er habe das Vorgetragene verstanden“, sagte er einst.

Die Überheblichkeit, die daraus sprich, tat seinem Ansehen keinen Abbruch. Schließlich war ihm eine wissenschaftliche Großtat gelungen. Was sich mit seiner Erfindung heute alles unternehmen lässt, konnten die Kinder mit Anna Kätker, der Leiterin des Museumlabors, herausfinden. Gegenstände wurden durchleuchtet und überraschende Bilder erzeugt. Von einem Teller mit Kirschen zum Beispiel. „Puh, das sieht aber echt ekelig aus“, war man sich einig.

Deutsches Röntgen-Museum

Das Deutsche Röntgen-Museum an der Schwelmer Straße 41 ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Montags ist es geschlossen. Regelmäßig wird zu spannenden Sonntagsführungen eingeladen, die um 14.30 Uhr und um 16 Uhr stattfinden.

Kinderführungen können für 15 Euro jederzeit gebucht werden. Sie werden von den Mitgliedern des Mini-Clubs gestaltet. Die Museumsführer sind also selbst noch Kinder. Kontakt telefonisch unter Tel. (0 21 91) 16 33 84 oder per E-Mail.

info@roentgenmuseum.de

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