Mit dem RGA wandern

Wald-Wasser-Wolle-Weg ist Zeitreise durch das Bergische

Beeindruckender Höhepunkt der Wanderung ist die Textilstadt Wülfing an der Wupper.
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Wie ein See in den Wäldern Kanadas taucht die in den Jahren 1982 bis 1987 erbaute Wuppertalsperre auf.

Unterwegs entlang idyllischer Bachtäler, einer traumhaft schönen Wupper-Talsperre und der historischen Textilstadt Wülfing.

Von Daniel Juhr

Bergisches Land. Es gibt Wanderwege, die führen stundenlang einsam durch den Wald. Kann man machen. Und es gibt jene, die wie eine Reise sind mit immer wieder neuen, großartigen Zwischenzielen und kleinen Überraschungen, so dass man denkt: Wow, jetzt habe ich hier schon so viel gesehen, was kommt denn noch? So einer ist der Wald-Wasser-Wolle-Weg.

Er startet im Herzen von Radevormwald, auf dem Parkplatz P 3 neben dem Corso-Kino und bietet gleich mal ein bisschen Sightseeing, denn er führt komplett durch die Innenstadt und ist bis auf ein paar Ausnahmen sehr eindeutig und klar beschildert. Immer dem schwarzen Schild mit dem weißen „Ra“ im Kreis folgen.

Die erste Ausnahme kommt früh, direkt an der Schlossmachergalerie: Dort nicht geradeaus durch die Passage, sondern halbrechts Richtung Busbahnhof laufen, die B 229 queren und sich ein paar Minuten später freuen, denn kurz hinter Kleinsiepen ruft die Natur.

Und wie: Der steile und steinige Abstieg ins Bachtal ist ein Ereignis. Das Tal selber, wo der Weg durch ein wunderschön urwüchsiges Waldstück und parallel zum plätschernden Wasser verläuft, ebenfalls. Wer mit Baby wandert, nimmt am besten eine Trage, denn mit Kinderwagen geht hier nicht viel. Zumal nach Regentagen oder der Schneeschmelze der Matschfaktor recht hoch ist.

Entlang der Strecke verlaufen alte Bahngleise ins Nichts. Schaurig schöne Zeugnisse von damals.

Wer Anstiege liebt, darf sich freuen, denn aus dem Tal führt der Weg kurvig Richtung der Ortschaft Berg. Was für eine Aussicht übers Bergische Land! Kurz dahinter bitte nicht wundern: Der Wanderweg kreuzt einen asphaltierten Fußgängerweg, und an dieser Kreuzung fehlt eine klare Beschilderung. Hier einfach geradeaus weiterlaufen, ins nächste Waldstück und dort steil bis ins Tal – wer unten am Landgasthof und Hotel Heidersteg rauskommt, hat es richtig gemacht und darf sich jetzt schon auf die Wuppertalsperre freuen. Wie ein See in den Wäldern Kanadas taucht die in den Jahren 1982 bis 1987 erbaute Talsperre links auf. Nach einem trockenen bergischen Sommer ist das maximale Stauvolumen von knapp 26 Millionen Kubikmetern nicht annähernd erreicht, in der Mitte erheben sich Felsen aus dem Wasser, auf dem eine Vogelkolonie in der Sonne sitzt. Wer nach mittlerweile knapp acht Kilometern langsam Lust auf einen kurzen Pausenkaffee aus der Thermoskanne hat, ist am Talsperrenufer genau richtig: Einfach auf einer der vielen blauen Bänke den Blick über Wasser, Wälder und Wunderwelten in die Ferne schweifen lassen. Innehalten. Und denken: Mensch, haben wir es hier schön.

Wer sich über den Wald-Wasser-Wolle-Weg schon während der Wanderung informieren will, kann das an mehreren Infotafeln tun. Eine steht ungefähr auf halber Strecke in Niedernfeld. Dort über den Wanderparkplatz laufen, rechts zur Straße abbiegen – und den Schritt beschleunigen. Zum einen, weil es leicht bergab geht, zum anderen, weil das Teilstück entlang der Straße Richtung Krebsöge nicht so prickelnd ist. Dafür entschädigt kurz darauf der Weg den 320 Meter langen und 40 Meter hohen Damm der Talsperre. Auch hier ist die Aussicht wieder fantastisch.

Tuchmacherweg verläuft parallel zu unserer Strecke

Wer sich für den rund zehn Kilometer langen Tuchmacherweg, den ersten der 24 bergischen Streifzüge interessiert, nimmt den ab jetzt automatisch mit – denn er verläuft direkt nach dem Damm parallel zum Wald-Wasser-Wolle-Weg. Beide entführen Stück für Stück in die Geschichte. Rechts fließt die Wupper, links verlaufen alte Bahngleise ins Nichts. Schaurig schöne Zeugnisse von damals, ebenso wie die stillgelegten Zugwaggons und die alte schwarze Dampflok im Museumsbahnhof Dahlhausen. Eine Wanderung als Zeitreise.

Beeindruckender Höhepunkt ist die Textilstadt Wülfing, denn der Weg führt mitten durch das Gelände der ehemaligen Tuchfabrik Johann Wülfing & Sohn, die bereits im Jahr 1674 in Lennep gegründet wurde. Eines der Bauwerke stammt aus dem Jahr 1838 und war bis zum Ende des Unternehmens Mitte der 90er Jahre das älteste Fabrikgebäude Deutschlands, in dem noch produziert wurde. Und heute? Ist die Textilstadt sehr lebendig.

Beeindruckender Höhepunkt der Wanderung ist die Textilstadt Wülfing an der Wupper.

Metallverarbeitende Betriebe haben sich dort ebenso niedergelassen wie Dienstleiter, und das Wülfing-Museum bietet noch einen viel tieferen Einblick in die Geschichte der früheren Firma an der Wupper.

So viel Erlebnis kostet ein bisschen Anstrengung, denn wer im Bergischen in ein schönes Tal wandert, muss eben auch wieder auf den Berg. Macht aber sehr viel Spaß, zumal der Weg über abenteuerliche schmale Pfade führt, ehe er noch einmal in ein Bachtal samt kleinem Wasserfall abbiegt. Wow, wieder so eine schöne Ecke, was kommt denn noch? Da ist die Frage wieder, und die Antwort folgt auf dem Fuße: Denn das Uelfetal mit dem idyllischen Teich, auf dem Modellbootfans ihre Schmuckstücke kreisen lassen, liegt kurz danach auf der Strecke.

Jetzt, da sich die 20 Kilometer-Marke nähert, melden sich langsam die Waden, aber die Zeit ist vergangen wie im Flug. Wer zügig unterwegs ist, kommt nach knapp vier Stunden vorm Corso-Kino an. Wer die Familie dabei hat, an der Wuppersperre rasten und die Textilstadt länger erkunden mag, kann auf dem Wald-Wasser-Wolle-Weg einen kompletten Tagesausflug machen. Und wird begeistert sein.

Wald-Wasser-Wolle-Weg

Daten: Länge: 20,5 Kilometer; Dauer: 4 bis 6 Stunden. Verläuft ab Wupper-Damm parallel zum Bergischen Streifzug „Tuchmacherweg“.

Download für Wanderprofis: Hier stellen wir Ihnen die Daten für diese Route als gpx-Download zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät zur Verfügung. Sie können die Datei in einer entsprechenden Navigations-App hochladen: GPX-Track WaldWasserWolle

Einkehren: Landgasthof Heidersteg, Heidersteg 1, Radevormwald; Restaurant Uelfetal, Uelfebad 1, Radevormwald (sobald wieder geöffnet ist).

Pause machen: Auf einer der vielen Bänke entlang der Wuppertalsperre.

Parken: Parkplatz P 3 im Zentrum; Hohenfuhrplatz

Gut zu wissen: Einige knackige An- und Abstiege und abenteuerliche Pfade erfordern festes Schuhwerk. Nicht kinderwagengeeignet.

Alle Folgen unserer Serie „Wandern mit dem RGA“ haben wir hier für Sie aufgelistet: Wandern rund um Remscheid mit unseren Entdeckungstouren.

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