Interview der Woche

Wahlkoordinator: „Die Arbeit stapelt sich“

Schiebt vor Wahlen manche Überstunde: Remscheids Wahlkoordinator Bernd Hoffmann. Foto: Roland Keusch
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Schiebt vor Wahlen manche Überstunde: Remscheids Wahlkoordinator Bernd Hoffmann.
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Bernd Hoffmann ist Wahlkoordinator der Stadt Remscheid. Er hat derzeit viel zu tun – auch, weil die Zahl der Briefwähler steigt.

Von Lara Hunt

Herr Hoffmann, wie sehen die Wahlvorbereitungen derzeit aus?

Bernd Hoffmann: Momentan ist Wuppertal am Zug. Am Freitag hat sich der Kreiswahlausschuss getroffen, um über die Zulassung der Kandidatinnen und Kandidaten im Wahlkreis 103 zu entscheiden. Da bin ich nicht direkt beteiligt. Solingen, Remscheid und Wuppertal II – das umfasst Cronenberg und Ronsdorf – bilden einen gemeinsamen Wahlkreis. Mit dem Amt des Kreiswahlleiters geht es dann rundum. Diesmal ist Wuppertal an der Reihe. Ebenfalls am Freitag tagte der Landeswahlausschuss, der über die Zulassung der Landeslisten der Parteien für die Zweitstimmen entschieden hat.

Das Ergebnis wird dann auch in Wuppertal festgestellt.

Hoffmann: Genau. Wir liefern von Remscheid aus die Zahlen, und die Ergebnisse laufen dann in Wuppertal zusammen. Wir werden die Ergebnisse auf die Website der Stadt Remscheid stellen – oder auf die Seite für Wuppertal verlinken.

Was machen die, die nicht mit dem Internet umgehen können?

Hoffmann: Das ist nun einmal ein Service, den wir über das Internet anbieten können. Sie können Fernsehen – oder am nächsten Morgen die Zeitung aufschlagen. Wer will, kann natürlich auch nach Wuppertal ins Rathaus in Barmen gehen. Dort wird es auf jeden Fall eine Art Veranstaltung geben, denn der Kreiswahlleiter verkündet am Wahlabend das vorläufige amtliche Endergebnis.

Wie steht Remscheid in Sachen Wahlhelfer da?

Hoffmann: Ich will mal sagen: Es ist nicht trostlos. Aber wir brauchen noch Leute. Wer Lust hat, kann sich bei uns telefonisch melden. Wir haben da nette Kollegen, die nehmen das auf und gucken, was geht und was gebraucht wird. Insgesamt sind wir mit etwas über 400 Personen im Einsatz.

Sind auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung mit dabei?

Hoffmann: Wir freuen uns immer über Wahlhelfer aus der Stadtverwaltung, und es sind auch immer welche dabei – aber als Ehrenamtler wie alle anderen. Eine Zwangsverpflichtung gibt es bei uns nicht. Ansonsten haben wir einen großen Pool von Wahlhelfern, die immer wieder mitmachen. Aber es gibt eben auch Fluktuation. Die eine Hälfte besteht aus treuen Leuten, die immer dabei sind, die andere Hälfte aus Leuten, die kommen und gehen. Zum Beispiel mein Sohn, der war letztes Mal auch dabei. Jetzt studiert er – und ist eben fort. Das gehört dazu.

Es gibt Städte, die Wahlhelfer mit Verlosungen und anderen Angeboten locken. Ist das auch etwas für Remscheid?

Hoffmann: Das ist alles ganz schön. Aber man muss es sich auch leisten können. Es geht bei uns auch so. Aber wir suchen bis zum letzten Moment, denn Krankheiten bleiben auch in der Woche vor den Wahlen nicht aus. Und bin ich krank, kann ich nicht helfen.

Neben den Wahlvorbereitungen läuft ja auch noch das Volksbegehren G 9 jetzt, das die Wiedereinführung von 13 Jahren bis zum Abitur zum Ziel hat.

Hoffmann: Stimmt. Die amtliche Listenauslegung ist schon beendet. Jetzt gibt es noch die freien Listen. Man kann sich also auf die Straße stellen und Unterschriften sammeln. Die Listen werden dann wieder zu mir gebracht. Ich muss sie nach dem Wahlrecht prüfen und bestätigen.

Kam da bisher viel?

Hoffmann: Zu den Zahlen darf ich nichts sagen, aber es war ein ordentlicher Schwung. Jetzt, wo gerade Ferien sind, ist es allerdings etwas ruhiger.

Landtagswahl, Bundestagswahl, Volksbegehren – was bedeutet das für Sie und Ihre Mitarbeiter?

Hoffmann: Das bedeutet eine ganze Menge Überstunden. Ich bin eigentlich der einzige, dessen Aufgabe im Hauptamt die Wahlen sind. Alle anderen machen das neben anderen Aufgaben. Der Bürgerservice mit Meldeamt, Zulassungen, Pässen, Ausweisen und Führerscheinen ist auch ein Teil unseres Fachdienstes – wie der Kommunale Ordnungsdienst, Veranstaltungen, Arbeiten an der Trecknase und so weiter. Da stapelt sich die Arbeit.

Was steht vor den Wahlen noch an?

Hoffmann: Nachdem die Kandidaten feststehen, werden die Stimmzettel gedruckt, wird Mitte August das Wählerverzeichnis erstellt, und dann müssen wir die Wahlbenachrichtigungen fertigmachen. Die gehen in der letzten Augustwoche raus. Gleichzeitig starten wir am 28. August mit den unserem Briefwahlbüro hier im Ämterhaus.

Wie ist der Trend in Sachen Briefwahl?

Hoffmann: Das wird von Wahl zu Wahl mehr. Vielleicht, weil die Leute älter werden, es eine liebe Gewohnheit geworden ist oder sie am Sonntag zu beschäftigt sind. Man muss ja nicht nachweisen, dass man am Sonntag nicht kann.

Ist das für Sie mehr Arbeit?

Hoffmann: Ja. Wir rechnen mit 14 000 Briefwählern, an 9000 davon werden die Unterlagen verschickt. Das kostet auch. Jeder Brief, den wir rausschicken, kostet 85 Cent – wenn er wiederkommt, kostet es wieder.

Da freut sich die Post.

Hoffmann: Ja bestimmt. Das alles wird ja von Steuergeldern bezahlt. Die, die zum Wählen in unser Direktwahlbüro kommen, müssen auch bedient werden. Das heißt wir müssen auch auf Aushilfskräfte zurückgreifen, die mithelfen. Nach dem ersten Wochenende, nachdem die Wahlbenachrichtigungen verschickt wurden, gehen schon mal 2000 Anträge auf Briefwahl ein. Die müssen schnell bearbeitet werden, schließlich wissen wir nicht, wie schnell die Leute sie brauchen.

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