Vorsorge-Serie

Altersvorsorge: Das Produkt, das alles kann, gibt es nicht

Möglichkeiten, Geld fürs Alter zu sparen, gibt es viele.
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Möglichkeiten, Geld fürs Alter zu sparen, gibt es viele.

Vorsorge im Alter: Bei der privaten Altersvorsorge zählt die richtige Strategie. Denn allein die gesetzliche Rente wird nicht ausreichen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Die Zeiten, in denen sich zukünftige Rentner allein auf die gesetzliche Rentenversicherung verlassen konnten, sind vorbei. Private Altersvorsorge ist zur Notwendigkeit geworden. Die Möglichkeiten, Geld fürs Alter auf Seite zu legen, sind so vielfältig, wie der Markt unübersichtlich ist. Als Ausrede dürfe das aber nicht dienen, sagt Barbara Rück, Beraterin für Altersvorsorge und Geldanlage bei der Verbraucherzentrale NRW: „Man muss sich darum kümmern“, macht sie deutlich. Und sie zeigt auch gerne wie.

Dabei geht es Barbara Rück nicht drum, für Verbraucher fertige Konzepte zu stricken: „Wir möchten die Menschen befähigen, das selbst zu tun. Und den Anbietern die richtigen Fragen zu stellen.“ Dann, so würden das viele Beratene zurückspielen, mache es sogar Spaß, sich mit Altersvorsorge zu beschäftigen.

Vor dem Sparen für morgen kommt die Absicherung für heute

Wobei zum Start ohnehin erst andere Themen anstehen, wie Barbara Rück deutlich macht. Denn vor dem Sparen für später komme die Absicherung für heute. Vor allem in Form einer Berufsunfähigkeitsversicherung, falls möglich einer Risikolebensversicherung, wenn andere vom eigenen Einkommen abhängig sind, und einer privaten Haftpflichtversicherung. „Die müssen gesetzt sein“, sagt Rück.

Zudem sollte die Liquiditätsreserve, zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto, gesichert sein. Zwei bis drei Netto-Haushaltseinkommen werden dafür häufig angesetzt. Und auch andere Sparziele, vom neuen Auto bis zur Immobilie, müssen berücksichtigt werden.

Die Suche nach der richtigen Anlageform

Erst danach beginnt die Suche nach der richtigen Anlageform fürs Alter. Und da stehen zahlreiche Entscheidungen an. Dabei gilt eine Regel: Kein Produkt hat nur Vorteile. Um mögliche Nachteile ausgleichen zu können, empfiehlt es sich, den Anlagebetrag zu streuen. So gibt es Altersvorsorgeprodukte, die die Zahlung einer lebenslangen Rente vorsehen. „Das ist dann quasi eine Wette auf ein langes Leben“, sagt Barbara Rück. Andere Produkte böten Einmalzahlungen. Oder auch eine Wahlmöglichkeit. Gerade staatlich geförderte Produkte, wie Riester oder betriebliche Altersvorsorge, würden in der Regel auf eine Rente hinauslaufen, sagt Rück: „Das ist ja auch gar nicht schlimm, wir möchten nur, dass der Kunde sich bewusst entscheiden kann.“

Barbara Rück von der Verbraucherzentrale hilft dabei, die richtige Spar-Möglichkeit zu finden.

Anlageformen, bei denen höhere Renditen möglich sind, sind meistens risikoreicher, während Sicherheit oft auf Kosten des Ertrags geht. Sind Produkte besonders bequem, lässt der Anbieter sich das meist bezahlen. Und wer Geld vom Staat als Förderung bekommen möchte, verliert dafür häufig an Flexibilität. Und zahlt hinten raus Steuern und Sozialabgaben. Auch sei ein Blick auf die Kosten wichtig, sagt Barbara Rück. Gerade Lebensversicherungsprodukte, für viele immer noch die erste Wahl in der Altersvorsorge, enthielten oft hohe Kosten. Und die auch noch am Anfang, so dass für diese Beträge der Zinseszinseffekt ausbleibe.

Ähnliches gelte für aktiv gemanagte Investment-Fonds, die neben einem Ausgabeaufschlag auch eine Managementgebühr berechnen. Die liege nicht selten bei 1,5 bis zwei Prozent pro Jahr, sagt Barbara Rück. Das in Kauf zu nehmen, ergebe nur Sinn, solange sich der Fonds deutlich besser entwickelt, als vergleichbare Indizes, die sich über einen ETF abbilden ließen. Bei Gebühren um 0,2 Prozent.

Mit einem guten Produkt anfangen und später Geld aufteilen

Das perfekte Produkt, das alles kann, gibt es also nicht. Und statt Zeit mit der Suche danach zu vergeuden, rät Barbara Rück dazu, mit einem guten anzufangen. Auch, um den Zinseszinseffekt zu nutzen. Und später, wenn das Einkommen steigt und man einen weiteren Vertrag abschließen kann, beginnt die Streuung.

Von aufwendigen Berechnungen einer Versorgungslücke, wie sie manche Berater anbieten, hält Rück wenig: „Warum sollte ich stundenlang etwas berechnen, wenn sich die Voraussetzungen morgen schon wieder ändern können?“ Stattdessen empfiehlt sie als groben Richtwert einen Investitionsbetrag von zehn bis 15 Prozent das Brutto-Einkommens. Abhängig auch vom eigenen Alter. Wer weniger Zeit hat, muss mehr sparen.

Die Serie zum Thema Vorsorge.

„Altersvorsorge ist ein sehr dynamischer Prozess“, sagt Barbara Rück. Entsprechend müsse man sich immer mal wieder darum kümmern: „Alle drei bis fünf Jahren muss ich das, was ich bisher gemacht habe, auf den Prüfstand stellen.“ Weil sich zum Beispiel Lebensumstände ändern. Oder Geldanlagen sich nicht so entwickeln wie gehofft.

Habe man sich einmal ins Thema eingearbeitet, sei das auch für den Laien machbar, sagt Rück. Auch eine Beratung bei der Verbraucherzentrale könne helfen. Die Zeit zu investieren sei allemal besser, als Geld zu verschenken. Und viel besser, als gar nichts zu tun. Denn die gesetzliche Rente allein, da stimmt die Expertin mit allen Anlage- und Versicherungsverkäufer überein, wird nicht reichen.

Weitere Folgen

Serie: Wir bieten Ihnen in einer redaktionellen Serie immer dienstags und freitags interessante Berichte zum Thema Vorsorge.

Die Folgen:

1. Die gesetzliche Rente

2. Private Altersvorsorge: Die richtige Strategie

3. Private Altersvorsorge: Produktwelt

4. Pflegegrade

5. Pflegekosten

6. Vorsorgevollmacht

7. Patientenverfügung

8. Das Testament

9. Zehn Dinge, die nach dem Todesfall zu regeln sind

10. Was passiert mit der Wohnung?

11. Tabu Sterbehilfe, die Rechtslage in Deutschland

12. Das digitale Erbe

13. Wie Trauerredner trösten

14. Was kostet die Bestattung?

15. Alternative Formen der Bestattung

16. Wenn der Partner stirbt, wann zahlt welche Versicherung?

17. Im Hospiz soll niemand allein sterben

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