Mit dem RGA wandern

Vorbei an Mühlen, Kotten und alten Hofschaften

Der malerische Weg zeichnet sich unter anderem durch Stationen wie den Locher Hammer aus.
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Der malerische Weg zeichnet sich unter anderem durch Stationen wie den Locher Hammer aus.

Der RGA stellt Wanderrouten vor – heute geht es durch das mittlere Lochbachtal

Von Andreas Erdman

Solingen. Mühlen, Kotten und alte Hofschaften reihen sich entlang des Bachtals: Unsere heutige Tour führt durch das mittlere Lochbachtal mit seiner reichen Flora und Fauna und kleinen idyllisch gelegenen Orten.

Eines der längeren Bachtäler Solingens ist das Lochbachtal. Der Lochbach entspringt aus mehreren Quellen bei Obenscheidt und mündet nahe der Grenzstraße in Ohligs in die Itter. Wir starten unsere Rundwanderung an der Wallstraße, die von der Deusberger Straße gegenüber der Poschheider Mühle abzweigt.

Diese frühere Getreidemühle wird urkundlich erstmals 1683 erwähnt, bestand aber schon 1656 als „Zubehör zum Poschheider Hof“. 1847 richtete Karl Wilhelm Bremshey in einem Gebäudeteil eine Schwertschmiede ein und legte damit den Grundstein für die später weltbekannte Schirmfabrik Bremshey. Die Mühle war bis 1958 in Betrieb. Wir folgen der Wallstraße zum Tennisplatz von Rot-Weiß Ohligs. Etwa dort befand sich einst der Stauteich der Poschheider Mühle. Unweit davon stand der Linderskotten. 1715 auf der Karte von Ploennies verzeichnet, waren 1902 noch 20 Messerschleifer im Kotten beschäftigt. Sechs Jahre später, nach Verkauf an die Stadt Ohligs, war er verlassen und verfallen.

Nach den Häusern zeigt sich das Tal als Naherholungsgebiet. Dabei war der Lochbach vor 30 Jahren noch ein stinkender Abwasserkanal. Nach der Renaturierung in den 1990er Jahren siedelten sich viele Tierarten an, so Frösche und Molche, Wasserschnecken, Wasserflöhe und Köcherfliegen. Auch Kleinfischarten wie Bitterling, Elritze, Moderlieschen und der Dreistachelige Stichling sind dort heimisch. Der aus Nordamerika stammende Signalkrebs verdrängte den früheren Edelkrebs. Im Bach siedeln mehrere Wasserpflanzenarten.

Mit dem RGA wandern: 1641 wirkte Peter Heidelberg als Müller in der Becher Mühle

Am heutigen Areal des Hundesportvereins standen bis Anfang des 20. Jahrhunderts noch der Fürker und der Schaafen Kotten. Nach der Unterführung erblicken wir rechts die Becher Mühle. Sie wird 1715 auf der Ploennies-Karte vermerkt, ist aber wesentlich älter: Eine Urkunde von 1641 erwähnt Peter Heidelberg als dort tätigen Müller. Sämtliche Getreidearten wurden dort gemahlen. Auf alten Ansichtskarten sieht man einen Gondelteich mit Insel neben der Mühle. Nach 1885 betrieben die Müller und Bäcker Wilhelm und August Meyer zusätzlich einen Weizenmehl- und Futtermittelhandel. Wann die Mühle stillgelegt wurde, ist nicht bekannt.

Wir kommen durch einen alten Buchenwald. Links am Hang erblicken wir die Ortschaft Bech. Der Peter-Henlein-Weg trifft auf die Tiefendicker Straße, der wir kurz links folgen, dann rechts in den Fußweg einbiegen. Im Tal liegt der Ort Tiefendick mit dem markanten, weithin sichtbaren Schornstein über dem Gelände der früheren Färberei Jaeger. Der Name Tiefendick geht auf einen tief gelegenen Teich (Dieck) zurück. Im 17. Jahrhundert gegründet, konnte man dort um 1700 die Hämmer etlicher Schwertschmieden hören. Später waren vorwiegend Messer-, Scheren- und Gabelmacher ansässig. 1888 zählte die Hofschaft 34 Wohnhäuser mit 210 Einwohnern. Der idyllische Charakter des Tals schwand mit dem Bau des Hochwasserrückhaltebeckens 1954 und dem Abriss einiger Fachwerkhäuser nach 1980.

Das Fachwerkensemble in der Bech.

Nach Überquerung des Damms geht es rechts in die Lochbachstraße, dann wiederum rechts auf den Weg, der am Bachufer verläuft. An einem Teich gelegen stand dort von 1680 bis 1938 der Köllerskotten. Bachaufwärts unterhalb von Limminghofen befand sich bis 1960 der Locher Kotten. Ein Gebäude des Locher Hammers an der Locher Straße 91 steht heute noch. Erbauer des Hammers war um 1645 Rütger Vischer, damaliger Richter in Dahl. 1838 wurde das Hammerwerk zum Schleifbetrieb umgebaut. Das Wasserrad befand sich an der Ostseite des Gebäudes, das die Stadt 1938 erwarb und zum Mietshaus umfunktionierte. Der anliegende Stauteich war noch bis in die 1950er Jahre vorhanden.

Wir passieren den Bach über die Holzbrücke. Links hinter dem Teich, in Höhe des 2003 angelegten Überlaufbeckens stand der 1854 errichtete Dorpskotten und zuvor, ab 1785, ein Reckhammer. An der Wegkreuzung hinter der Unterquerung geht es links zur Scheider Mühle. Diese wird erstmals 1640 als zum freiadeligen Gut Mummenscheid gehörend im Walder Taufbuch erwähnt. Besitzer der wasserbetriebenen Kornmühle war „Jan vom Rosenkampf, Müller zum Scheidt“. 1773 ging sie, zum Rittersitz Caspersbroich zählend, gerichtlich in den Besitz des Predigers Gerhard Klönne über. Nachfolgende Eigentümer waren die Familien Nacken, Dorp und Haarmann. Letztere gliederte ab 1901 eine Gaststätte mit Gesellschaftszimmern, Saal, Park und Gondelteich an und legte somit den Grundstein für ein bis heute beliebtes Ausflugslokal. Die Getreidemühle war bis 1915 in Betrieb.

Auf dem Rückweg folgen wir dem Scheider Mühlenweg bergan und überqueren die Zeppelinstraße. Von der Schloßstraße zweigt bald links ein Fußweg ab. Ein Abzweig rechts führt zur Egmont- und zur Locher Straße.

Mit dem RGA wandern: Einst zählte die Hofschaft 65 Einwohner in zwölf Wohnhäusern

Von der Hofschaft Loch, deren Geschichte urkundlich bis 1648 zurückreicht, sind noch einige Fachwerkbauten erhalten. 1888 zählte die Hofschaft 65 Einwohner in zwölf Wohnhäusern, davon fünf in Wald und sieben in Merscheid, zudem drei Kleinfabriken und acht landwirtschaftliche Bauten.

Über die Lochbachstraße gelangen wir zurück zum Damm am Tiefendick. Wir folgen dem Weg bergab, der seitlich am renovierten Fachwerkhaus Tiefendick 3 vorüber führt. Es geht auf der Tiefendicker Straße bergan, dann links in die Becher Straße hinein. Diese führt an der einstigen Schirmfabrik Kortenbach & Rauh vorbei und auf den Ort Bech zu. Dort, bei den zahlreichen nach altem Vorbild restaurierten Fachwerkbauten, scheint die Zeit stehengeblieben zu sein.

Interessant ist die Giebelwand des Hauses Becher Straße 87 mit zehn Andreaskreuzen. Die elf kleinen Balken unter dem Dach erinnern wohl an die „elf treuen Jünger Jesu“. Auch die alte, geteilte und benagelte Haustür ist noch erhalten. Darüber steht eine Inschrift von 1756: „Machet die Tore weit und die Thueren in der Welt hoch dass der Koenig der Ehren einziehet.“ Neben Gebäuderesten einer frühen Bauernburg mit teils 80 Zentimeter dicken Bruchsteinwänden gibt es noch die Scherenschleiferei Leverkus, die, 1919 erbaut, bis in die 1970er Jahre in Betrieb war. Vor dem Gebäudekomplex Becher Straße 97/99 gehen wir links die Straße hinunter, die uns zur Becher Mühle führt.

Wir überqueren die Bebelalle, von der oben links ein Waldweg abzweigt. Dieser führt uns zurück in das renaturierten Bachtal. An der Wegkreuzung zur Wallstraße bieten sich der Fußweg rechts zur Deusberger Straße oder der am Bach verlaufende Pfad für die Rückkehr zum Ausgangspunkt an.

Wanderung

Strecke: Wanderung durch das Lochbachtal

Dauer: ca. 105 Minuten

Schwierigkeitsgrad: leicht, auch für Familien mit Kindern geeignet

Ausrüstungstipp: Festes Schuhwerk

Einkehren: Es bietet sich die Scheider Mühle an, Scheider Mühlenweg 2, Tel. (02 12) 31 93 00, Öffnungszeiten: mittwochs bis samstags 18 bis 23 Uhr, sonntags 12 bis 22 Uhr, Minigolfplatz

www.scheider-muehle.de

Dies natürlich erst nach dem Lockdown, wenn ein Besuch wieder möglich ist.

Alle Folgen unserer Serie „Wandern mit dem RGA“ haben wir hier für Sie aufgelistet: Wandern rund um Remscheid mit unseren Entdeckungstouren.

Download für Wanderprofis: Hier stellen wir Ihnen die Daten für diese Route als gpx-Download zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät zur Verfügung. Sie können die Datei in einer entsprechenden Navigations-App hochladen: GPX-Track Lochbachtal

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