Bürgerservice

Vor den Sommerferien: Amt rechnet mit Ansturm auf Ausweise

Michelle Pientkas Ausweis läuft bald ab, ein Termin für die Verlängerung war nur schwer zu bekommen. Und das dürfte wegen des bevorstehenden Urlaubs noch schlimmer werden. Foto: Roland Keusch
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Michelle Pientkas Ausweis läuft bald ab, ein Termin für die Verlängerung war nur schwer zu bekommen. Und das dürfte wegen des bevorstehenden Urlaubs noch schlimmer werden.

Kurz vor dem Urlaub werden viele Dokumente neu beantragt.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Eigentlich möchte Michelle Pientka in den kommenden Tagen nach Polen reisen, der Verwandtschaftsbesuch ist lange geplant. Doch kurz vor Fahrtantritt wird ihr Personalausweis ablaufen – und alle Bemühungen, einen neuen zu beantragen, sind bisher gescheitert. Bereits seit März versuche sie regelmäßig, einen Termin im Bürgerservice zu vereinbaren, berichtet die 22-Jährige, die als Verlagskauffrau beim RGA arbeitet.

„Ich gucke immer wieder morgens ins Internet, ob es freie Termine gibt, und hab auch schon ein paar Mal angerufen.“ Auch auf E-Mails habe die Verwaltung nicht reagiert. Erfolg habe sie erst gehabt, als sie an einem Montagmorgen ab 6 Uhr vor dem Rechner saß und auf die Freigabe neuer Termine wartete. Jetzt hat sie einen für Ende des Monats – da wäre sie aber eigentlich schon aus Polen zurück.

So wie Michelle Pientka geht es vielen Remscheidern. Und wegen der bevorstehenden Ferien dürften es noch mehr werden. „Wir rechnen fest mit einem Ansturm in diesem Bereich“, sagt Ordnungsdezernentin Barbara Reul-Nocke, in deren Zuständigkeit auch der Bürgerservice gehört. Deswegen konzentriere man sich in den kommenden Wochen auf das Thema Ausweispapiere.

Das Problem ist mehrschichtig. Zum einen wurde 2010 der „neue“ Personalausweis eingeführt, der zehn Jahre gültig ist. Es dürfte derzeit also besonders viele abgelaufene Dokumente geben. Zum anderen kontrollieren viele Bürger ihre Papiere erst, wenn sie sie brauchen – zum Beispiel für eine Auslandsreise.

„Wenn alle Stricke reißen, kann die Bundespolizei ein vorübergehendes Dokument ausstellen.“

Barbara Reul-Nocke

Denn innerhalb Deutschlands braucht es nicht unbedingt einen gültigen Perso, wie Barbara Reul-Nocke betont. Die Innenminister der Bundesländer hätten sich verständigt, abgelaufene Dokumente in der Corona-Zeit bis zu einem Jahr über ihr Gültigkeitsende hinaus anzuerkennen. „Dieser Absprache wurde auch mit vielen europäischen Partner getroffen wie Frankreich und die Benelux-Länder.“

Entsprechend empfiehlt die Ordnungsdezernentin, sich im ersten Schritt über die Bestimmungen des Reiselands zu erkundigen. Verlangt das Gastland ein gültiges Ausweispapier, komme auch ein Reisepass in Frage, sagt Reul-Nocke: „Man braucht ja nur ein Dokument, es muss nicht der Personalausweis sein.“

Führt an einem Besuch im Ämterhaus kein Weg vorbei, rät Barbara Reul-Nocke dazu, jeden Morgen einen Blick auf die Internetseite der Stadt zu werfen: „Wir geben laufend neue Termine frei.“ Dauert die Erstellung eines neuen Ausweises durch die Bundesdruckerei in Berlin zu lange, kann der Bürgerservice mit vorläufigen Dokumenten aushelfen, die bis zu drei Monate gültig sind und eine Extra-Gebühr kosten.

„Wenn alle Stricke reißen, kann die Bundespolizei an der Grenze ein vorübergehendes Dokument ausstellen“, nennt die Dezernentin die letzte Rettung. Den sogenannten Reiseausweis gibt es aber nur für deutsche Staatsbürger. Und nur, „wenn die Erteilung eines (vorläufigen) Reisedokumentes bei einer Passbehörde nicht mehr rechtzeitig zu erwarten ist“, wie es von der Bundespolizei heißt. Viele Staaten, darunter alle Mitglieder der EU, erkennen den Reiseausweis an, teils aber nur in Kombination mit dem abgelaufenen Dokument.

In besonders dringenden Fällen vergebe die Verwaltung auch Not-Termine, sagt Barbara Reul-Nocke. „Das ist aber eher für Bürger gedacht, die zum Beispiel wegen eines bevorstehenden Notar-Termins einen neuen Ausweis brauchen, nicht für Reisende.“ Schließlich könne man kaum nachvollziehen, ob der Antragsteller wirklich zu erkrankten Verwandten oder nur an den Strand reisen möchte.

Hintergrund

Termine für den Bürgerservice im Ämterhaus an der Elberfelder Straße gibt es unter anderem über die Internetseite der Stadt, auf der Startseite findet sich rechts eine Spalte „Termine online“, wo in einem ersten Schritt der Anlass ausgewählt werden muss, um freie Termine zu finden. Neue Termine werden vor allem aber nicht nur montags frei gegeben. Helfen kann auch das Bergische Servicecenter, das unter Tel. (0 21 91) 16 00 zu erreichen ist.

www.remscheid.de

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