Meine erste Platte

Von der Posaune zum Schlagzeug

Mit „Killing me softly“ von den Fugees begann Jan Christoph Heinsch seine Musik-Sammlung. Foto: Roland Keusch
+
Mit „Killing me softly“ von den Fugees begann Jan Christoph Heinsch seine Musik-Sammlung.

Zum Verstärker gab es eine CD dazu.

Von Peter Klohs

Remscheid. „Hör dir das an“, sagt Jan Christoph Heinsch, kaum dass ich sein Musikzimmer betreten habe. Aus der formidablen Anlage erklingt ambitionierter Rock, der mir bekannt vorkommt. Ich erkenne die Gitarre von Mark Knopfler, den Sound der Dire Straits, das Stück „Industrial Desease“ vom Love Over Gold Album. „Das war mein erster musikalischer Eindruck“, sagt er. „Meine Mutter spielte die Kassette immer in ihrem Auto. Und am Schluss, wenn seltsame Sounds erklingen, dachte ich als Kind, dass die Musiker die Luft aus dem Schlagzeug gelassen haben.“ Vielleicht ist dieser Eindruck mitverantwortlich dafür, dass Chris ein sehr guter Schlagzeuger geworden ist, der unter anderem für die Band Fachwerk tätig ist.

Aber das ist nur der Anfang unseres Gesprächs. Ich bin ja wegen seiner ersten Platte zu Besuch. „Meine erste Platte war eine CD“, beginnt der im Hauptberuf als Lehrer an der Albert-Einstein-Schule beschäftigte Heinsch eine erstaunliche Geschichte zu erzählen. „Es war im Sommer 1996, und ich half meinem Vater hier und da bei der Erledigung seiner Arbeit. Wir wohnten damals noch in Uelzen, wo ich auch geboren bin. Im Zuge dieser Arbeiten besuchten wir einen Fahrradladen, und ich verliebte mich in ein dort ausgestelltes Fahrrad, was 700 Mark kosten sollte. Einige Zeit später hatte ich das Geld beisammen und wollte das Fahrrad kaufen. Aber es war nicht mehr da. Jetzt hatte ich zwar kein Fahrrad, aber 700 Mark in der Tasche. Außerdem träumte ich damals von einem Surround-Verstärker, der in einem Uelzener Geschäft für 777 Mark angeboten wurde. Ich habe diesen Verstärker dann gekauft und den Verkäufer gefragt, ob es denn für diesen Preis wenigstens noch eine CD dazu gäbe. Ja, könne er machen, ich solle mir eine aussuchen. So kam ich zu meiner ersten CD-Single: The Fugees mit dem im Original von Roberta Flack gesungenem Song ‚Killing me softly’. Eigentlich war das nicht meine Musik, aber der Sound gefiel mir. Außerdem ist die Melodie klasse. Der Clou an der Geschichte war folgender: Ein paar Wochen später hatte ich Geburtstag, und was stand neben dem Gabentisch als Geschenk? Das Fahrrad. Mein Vater hatte es für mich gekauft und es in seinem Büro versteckt.“

„Sounds begeistern mich.“

Jan Christoph Heinsch

Der Surround-Verstärker sorgte in der Uelzener Jugend natürlich für Aufregung. Jan Christoph war der Erste im Dorf, der so etwas besaß. Seine ersten Bands griffen gerne auf die Dienste dieses Gerätes zurück. „Auf dem Dorf gab es damals musikalische Früherziehung. Und da musste man hin, das war Pflicht. Da mich der Sound einer Posaune schon immer begeistert hatte, lernte ich dieses recht schwer zu erlernende Instrument spielen. Ich hatte fünf Jahre Unterricht. Aber an der Musikschule standen auch Schlagzeuge herum, und ich probierte immer wieder aus, was ich so alles spielen konnte. Das klappte noch besser als Posaune. Also weitere fünf Jahre Schlagzeugunterricht. Vom Konfirmationsgeld kaufte ich mir das erste eigene Drum-Set. 450 Euro bei eBay. Mann, war ich happy.“ Dass der Musiker für das Schlagzeug die Posaune in die Ecke stellte, bereut er heute noch hin und wieder. „Ich liebe dieses Instrument.“

Die Spätphase von Genesis mit Phil Collins hat Jan Christoph sehr geprägt. „The way we walk“ mit diesem unglaublichen Schlagzeug-Duett zwischen Collins und Chester Thompson. Und der Shuffle-Rhythmus des Toto-Hits „Rosanna“ hat es ihm angetan. „Der ist viel schwerer, als man glaubt“, weiß der Drummer. „Und Jeff Porcaro spielt diesen Groove so genial.“ Nach Möglichkeit sitzt er jeden Tag an seiner „Schießbude“ im Proberaum und übt spezielle Rhythmen oder Sounds ein, wobei ihm der Klang des Schlagzeugs, der Ton einer Trommel oder eines Beckens, wichtiger ist als Virtuosität.

„Sounds begeistern mich“, verrät Chris. „Die elektronische Musik zum Beispiel: Vangelis, Jean Michel Jarre. Das klingt alles so gut.“ Wenn er ohne Einschränkungen Musik aufnehmen könnte, klänge diese zurzeit wohl so wie die ambitionierten Klänge der deutschen Pop- und Ambientband Schiller.

Natürlich hat der Drummer auch dazu Soundbeispiele. Wir sitzen und lauschen. Jan Christoph Heinsch kauft heutzutage keine Platten mehr. Nach wie vor ist er Hifi-affin und setzt auf modernere Hörvergnügen. „Ich kaufe die Songs bei i-Tunes. Das Kaufen ist mir wichtig dabei. Davon haben die Musiker dann finanziell am meisten. Jede mir wichtige Musik habe ich so gekauft, inzwischen wohl 4500 Titel.“ Auch die Fugees mit „Killing me softly“, na klar.

Drummer

Jan Christoph „Chris“ Heinsch wurde 1978 im niedersächsischen Uelzen geboren, ist dort aufgewachsen und musikalisch sozialisiert worden. Seit zehn Jahren lebt er der Liebe wegen in Remscheid. Der technisch versierte Drummer spielt für diverse Bands, unter anderem für die Remscheider Coverband Fachwerk. Er ist im Vorstand des Remscheider Turnvereins (RTV) für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und arbeitet bei Kunst & Kultur in Remscheid mit. Heinsch ist Lehrer an der Albert-Einstein-Schule. Heutzutage kauft er seine Musik bei iTunes.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Jetzt in Lennep - Täter sprengen weiteren Geldautomaten
Jetzt in Lennep - Täter sprengen weiteren Geldautomaten
Jetzt in Lennep - Täter sprengen weiteren Geldautomaten
Wochenmarkt ab Samstag auf der oberen Alleestraße
Wochenmarkt ab Samstag auf der oberen Alleestraße
Wochenmarkt ab Samstag auf der oberen Alleestraße
St. Martin kehrt nach Remscheid zurück
St. Martin kehrt nach Remscheid zurück
St. Martin kehrt nach Remscheid zurück
Corona: Auffrischungsimpfungen für über 70-Jährige - Inzidenz steigt in Remscheid weiter
Corona: Auffrischungsimpfungen für über 70-Jährige - Inzidenz steigt in Remscheid weiter
Corona: Auffrischungsimpfungen für über 70-Jährige - Inzidenz steigt in Remscheid weiter

Kommentare