Serie

Vollmachten setzen viel Vertrauen voraus

Mikolaj Pogorzelski ist als Notar in Solingen tätig. Er erklärt, worauf bei Vollmachten zu achten ist.Foto:Christian Beier
+
Mikolaj Pogorzelski ist als Notar in Solingen tätig. Er erklärt, worauf bei Vollmachten zu achten ist.

Vorsorge im Alter: Wer im Ernstfall Entscheidungen trifft.

Remscheid. Florian Gothe möchte mit einem Irrglauben aufräumen. „Viele Menschen denken, dass ihre engsten Familienangehörigen automatisch alle Belange in die Hand nehmen können, wenn sie dazu selbst nicht mehr in der Lage sind“, sagt der Solinger Notar. Das sei jedoch mitnichten der Fall: „Ohne eine Vollmacht können sich sogar der Ehepartner oder die Kinder erst mal um überhaupt nichts kümmern.“

Die Rechtsordnung setzt voraus, dass alle Menschen zu jeder Zeit handlungsfähig sind. Trifft das auf eine Person selbst nicht mehr zu, etwa aus gesundheitlichen Gründen, kann ein Bevollmächtigter die wichtigsten Entscheidungen übernehmen. Wurde vorab jedoch niemandem für den Fall der Fälle eine Vollmacht erteilt, bestellt das Gericht einen Betreuer. Das können Angehörige, aber auch Berufsbetreuer oder Anwälte, sein.

„Ein Betreuer muss nicht zum Nachteil werden. Er untersteht der Kontrolle des Gerichts“, betont der Solinger Notar Mikolaj Pogorzelski. Jeder müsse für sich entscheiden, wem man im Ernstfall eher zutraut, Entscheidungen in seinem Sinne zu treffen: einer Bezugsperson – oder einem Fremden.

Viele Menschen wählen die erste Variante. Sie können individuell festlegen, wie weitreichend die erteilte Vollmacht ist. Die überwiegende Mehrheit lässt eine Generalvollmacht aufsetzen, berichten Gothe und Pogorzelski übereinstimmend. Diese impliziert sowohl rechtliche als auch persönliche Belange. „Im Grunde kann der Bevollmächtigte alles regeln – von Gesundheits- bis Vermögensfragen“, Florian Gothe.

Viele Menschen wählen die erste Variante. Sie können individuell festlegen, wie weitreichend die erteilte Vollmacht ist. Die überwiegende Mehrheit lässt eine Generalvollmacht aufsetzen, berichten Gothe und Pogorzelski übereinstimmend. Diese impliziert sowohl rechtliche als auch persönliche Belange. „Im Grunde kann der Bevollmächtigte alles regeln – von Gesundheits- bis Vermögensfragen“, Florian Gothe.

Ein wesentliches Merkmal von Vollmachten ist, dass sie in der Regel nach außen – also im Verhältnis zu Dritten – uneingeschränkt und sofort wirksam sein müssen, um praktisch verwendbar zu sein. Bedeutet: Sie könnten nicht erst im Fall der Fälle eingesetzt werden, sondern theoretisch bereits unmittelbar nach Ausstellung – selbst wenn der Vollmachtgeber kerngesund ist. Der Gebrauch der Vollmacht setzt aber immer den Besitz und die Vorlage der Vollmachtsurkunde in der erforderlichen Form voraus, so dass der Vollmachtgeber – solange er die Urkunde selbst verwahrt – dies kontrollieren kann.

-

Nicht zuletzt weil die Vollmachten im Außenverhältnis uneingeschränkt wirksam sind, ist es von zentraler Bedeutung, dass der Vollmachtgeber dem Bevollmächtigten absolut vertraut. „Haben Sie Sorge, dass jemand die Vollmacht missbrauchen könnte? Dann wählen Sie besser eine andere Person aus oder treffen nur eine sogenannte Betreuungsverfügung, so dass der Betreuer der Aufsicht des Gerichts untersteht“, sagt Florian Gothe. Ändert sich das persönliche Verhältnis, sei es jederzeit möglich, die Vollmacht anzupassen oder zu widerrufen. Ansonsten hat sie kein Verfallsdatum und muss nicht aktualisiert werden, sofern dazu kein Bedarf besteht.

Wo sollte man die Vollmachten am besten aufbewahren? Florian Gothe rät davon ab, sie in einem Bankschließfach zu deponieren. Dort liegen sie zwar sicher. Aber: „Im Notfall müssen sie auch samstags und sonntags an das Dokument kommen.“ Stattdessen sei es sinnvoll, die Vollmacht an einem Ort aufzubewahren, zu dem der Bevollmächtigte jederzeit ohne große Hürden Zugang hat, also etwa zu Hause. „Wichtig ist: Handeln kann nur, wer im Besitz des Originals oder einer sogenannten Ausfertigung ist“, betont Pogorzelski.

„Haben Sie Sorge, dass jemand die Vollmacht missbrauchen könnte? Dann wählen Sie besser eine andere Person aus.“

Florian Gothe, Notar

Der 38-Jährige räumt ein, dass eine Vollmacht Risiken birgt – für beide Seiten. Denn der Bevollmächtigte kann für sein Handeln durchaus haftbar gemacht werden. Doch auch ein Betreuer könne Fehler machen. Einen risikolosen Weg gebe es nicht. „Es ist eine Abwägungsentscheidung, über die sich jeder Gedanken machen sollte.“

Und zwar nicht nur Ältere, betont Florian Gothe. Auch junge und vermeintlich gesunde Menschen können, etwa durch einen Unfall, ohne Vorwarnung plötzlich und unerwartet in die Situation geraten, nicht mehr handlungsfähig zu sein. „Und dann sind sie froh, ihre Belange in guten Händen zu wissen.“

Weitere Folgen

1. Die gesetzliche Rente

2. Private Altersvorsorge: Die richtige Strategie

3. Private Altersvorsorge: Produktwelt

4. Pflegegrade

5. Pflegekosten

6. Vorsorgevollmacht

7. Patientenverfügung

8. Das Testament

9. Zehn Dinge, die nach dem Todesfall zu regeln sind

10. Was passiert mit der Wohnung?

11. Tabu Sterbehilfe, die Rechtslage in Deutschland

12. Das digitale Erbe

13. Wie Trauerredner trösten

14. Was kostet die Bestattung?

15. Alternative Formen der Bestattung

16. Wenn der Partner stirbt, wann zahlt welche Versicherung?

17. Im Hospiz soll niemand allein sterben

Vorsorge-Ordner: Aufgrund der großen Nachfrage sind die Vorsorge-Ordner derzeit vergriffen; Ende März sind sie wieder erhältlich. Vorbestellungen sind unter der gebührenfreien Nummer Tel.  (08 00) 4 48 87 47 oder im Internet möglich. Für unsere Abonnenten mit RGA-Karte gilt ein Sonderpreis von 19,90 statt 24,90 Euro zzgl. Versandkosten (5,90 Euro pro Bestellung).

www.der-vorsorgeordner.de/wzplus

Hintergrund

Notare: Es gibt keine Pflicht, eine Vollmacht von einem Notar aufsetzen zu lassen. Florian Gothe und Mikolaj Pogorzelski weisen jedoch darauf hin, dass Formulare im Internet fehlerhaft sein und im Ernstfall Probleme verursachen können, wenn sie nicht sachgerecht und vollständig ausgefüllt werden. Außerdem gibt es bestimmte Bereiche, in denen eine notarielle Vollmacht zwingend notwendig ist. Dazu zählen unter anderem Immobilien- und Grundbesitzgeschäfte, Handelsregisterangelegenheiten sowie Verbraucherdarlehen. Die Notarkosten richten sich nach einem Bruchteil des Vermögens des Vollmachtgebers.

Bankvollmacht: Pogorzelski rät, bei Banken separate Vollmachten zu hinterlegen. Immer wieder komme es vor, dass externe Dokumente Bankmitarbeiter verunsichern. Das kann zu Verzögerungen führen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Remscheid bereitet sich auf 2G vor - Feuerwerkshersteller befürchten „Todesstoß“
Remscheid bereitet sich auf 2G vor - Feuerwerkshersteller befürchten „Todesstoß“
Remscheid bereitet sich auf 2G vor - Feuerwerkshersteller befürchten „Todesstoß“
Tierheim in Remscheid ist ab sofort geschlossen
Tierheim in Remscheid ist ab sofort geschlossen
Tierheim in Remscheid ist ab sofort geschlossen
Auffällig aussehendes Duo raubt Obdachlosen in Remscheid aus
Auffällig aussehendes Duo raubt Obdachlosen in Remscheid aus
Auffällig aussehendes Duo raubt Obdachlosen in Remscheid aus
Sie hat ein offenes Ohr für pflegende Angehörige
Sie hat ein offenes Ohr für pflegende Angehörige
Sie hat ein offenes Ohr für pflegende Angehörige

Kommentare