Geflügelpest

Vogelgrippe in Wipperfürth hat Auswirkungen in Remscheid

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Die Vogelgrippe ist im nahen Wipperfürth angelangt.

Um die Krankheit zu verhindern, gelten nun auch in Remscheid strenge Regel. Erhöhte Aufmerksamkeit ist geboten, aber keine Panik.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Die Vogelgrippe steht quasi vor der Tür. Nachdem am Dienstag ein Fall im nahen Wipperfürth bestätigt wurde, reicht die sogenannte Beobachtungszone um die betroffene Haltung nun bis auf Remscheider Gebiet. Hier gelten strenge Regeln, um eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Derweil sorgen sich Hobby-Halter um ihre Tiere. Und gewerbliche Geflügelhalter um ihre Existenz.

Landwirt Hermann Kempe lebt schon länger mit der Bedrohung für seinen Betrieb.

Ein Vogelgrippe-Ausbruch im Betrieb wäre „eine Katastrophe“, sagt zum Beispiel Landwirt Hermann Kempe. Jeder nachgewiesene Fall würde die sofortige Tötung aller Tiere nach sich ziehen. „Dann gehen bei uns die Lichter aus.“ Zwar gebe es eine Entschädigung für die Tiere, nicht aber für den ausgefallenen Umsatz. „Wir bräuchten über ein Jahr, bis die Produktion wieder so ist wie heute“, erklärt Kempe. „Wenn ich meine Kunden ein Jahr lang nicht beliefern kann, bin ich weg vom Fenster.“

Alles in allem gehen wir von keiner erhöhten Gefährdungslage aus.

Jens Pfitzner, Gesundheitsamt

Rund 24.000 Hühner leben in dem landwirtschaftlichen Familienbetrieb im Ortsteil Buchholzen – und damit nur einige hundert Meter entfernt von der Anschlussüberwachungszone, die die Stadt Remscheid nach dem Fall in Wipperfürth eingerichtet hat. Die reicht von der Rader und Hückeswagener Stadtgrenze bis zur Bundesstraße 51. Dass die Vogelgrippe „ein bisschen näher gekommen“ ist, sorge auf seinem Hof für eine nochmals erhöhte Aufmerksamkeit, sagt Kempe. Aber nicht für Panik.

Diese Sicherheitsmaßnahmen gelten für Geflügelhalter

Denn mit der auch Geflügelpest genannten Krankheit lebe man inzwischen schon länger. Im vergangenen Jahr seien bundesweit Millionen Vögel getötet worden. „Das war der schwerste Verlauf, den wir je hatten“, sagt der Landwirt. „Aber das hat aufgrund von Corona kaum jemanden interessiert.“ Außer die professionellen Halter, die die nun vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen schon länger einhalten: Betretungsverbot, Hygieneschleusen und spezielle Stallkleidung seien längst Standard, so Hermann Kempe.

Und gelten inzwischen auch für Hobby-Halter. Am Mittwoch hat die Stadt für den betroffenen Bereich unter anderem ein Verbringungsverbot und eine Aufstallungspflicht erlassen. Vögel dürfen hier also nicht in oder aus dem jeweiligen Bestand gebracht und nur noch im Stall gehalten werden. Wichtig sei vor allem, den Kontakt zu wildlebenden Tieren zu verhindern, sagt das auch für Remscheid zuständige Bergische Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt: „Wildvögel können das Virus in die Geflügelhaltungen eintragen. Deshalb sollten Sicherheitsmaßnahmen konsequent umgesetzt werden.“

Zudem weist die Behörde noch einmal auf die Meldepflicht für Geflügel hin (siehe unten). Und rät im Umgang mit den Tieren zur Vorsicht: „Da es sich bei der Geflügelpest um ein Influenzavirus handelt, können sich Menschen theoretisch anstecken.“ Wer Kontakt zu Vögeln hatte, solle sich deswegen die Hände waschen und desinfizieren.

Gesundheitsamtschef Jens Pfitzner sieht keine besondere Gefahr für Menschen.

Ansonsten sei die Gefahr für den Menschen eher gering, sind sich Experten einig. Schon die Übertragung von Tier zu Mensch sei erschwert, „da der Erreger sich aufgrund der unterschiedlichen Epithelien eher bei Geflügel als beim Menschen anheften kann“, erklärt Jens Pfitzner, Leiter des Remscheider Gesundheitsamt. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch sei bisher nicht bekannt: „Alles in allem gehen wir von keiner erhöhten Gefährdungslage aus.“

Auch könnten Geflügelfleisch und Eier „nach Erhitzen gefahrlos verzehrt werden“, versichert das NRW-Landwirtschaftsministerium. Selbst ein Mangel an Freiland- und Öko-Eiern ist durch die Vogelgrippe nicht zu befürchten: Zertifizierte Betriebe, die von einer Aufstallungspflicht betroffen sind, dürfen ihre Erzeugnisse eine Zeit lang weiter unter dem jeweiligen Label vermarkten.

Meldepflicht

Wer Hühner, Enten, Gänse, Fasane, Perl-, Reb- und Truthühner, Wachteln sowie Tauben hält, muss dies bei der Tierseuchenkasse NRW und dem bei der Stadt Solingen ansässigen Bergischen Veterinäramt anzeigen, das gilt auch für kleine Bestände und einzelne Tiere. Dabei müssen Standort, Nutzungsart, Tierart sowie die Zahl der Tiere und eventuelle Veränderungen angegeben werden.

veterinaeramt@solingen.de

tierseuchenkasse@lwk.nrw.de

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