Viele Azubi-Stellen bleiben unbesetzt

Für Industrie und Handel wird es kritisch

Von Andreas Weber

Die Arbeitslosigkeit unter Remscheider Jugendlichen ist rückläufig. Seit 2017 sind die Zahlen von um die 500 auf unter 300 gesunken. Im Jugendhilfeausschuss sprach Arbeitsagentur-Chef Martin Klebe von einem positiven Trend, der sich durch die Pandemie verzögert habe. Einschränkend fügte er hinzu, dass die „Beschäftigungslosigkeit vermutlich höher als statistisch abbildbar“ sei.

Arbeitslosigkeit ist auch eine Frage der Schulqualifikation. Von den Jugendlichen ohne Job sind 20 Prozent ohne Abschluss, 30 Prozent besitzen einen Hauptschulabschluss und 32 Prozent die mittlere Reife. 74 Prozent besäßen keine Ausbildung. „Diese jungen Menschen tragen ein deutlich höheres Risiko, arbeitslos zu werden“, erklärte Klebe.

Bei einem konstant hohen Angebot an Azubi-Stellen verzeichnet die Arbeitsagentur seit 2019 einen deutlichen Rückgang an Bewerbern und einen Überhang im Angebot. Gab es im März 2017 505 Stellen und 634 Bewerber in Remscheid, so kamen im März 2022 auf 630 Stellen nur noch 410 Bewerber. „Für Industrie und Handel wird es zunehmend kritisch“, erkannte Klebe. Die Pandemie habe einen starken Einfluss auf die Bewerberzahlen gehabt. Diese sank in Remscheid seit März 2020, dem letzten Zählmonat vor dem Corona-Ausbruch, von 524 über 457 auf 410.

Der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit nannte einen gewichtigen Grund dafür: den fast vollständigen Ausfall der Berufsorientierung an den Schulen im Lockdown. Gerade die wichtigen Praktika seien ausgefallen. „Die Jahrgänge schließen die Schule deshalb wenig, wenn nicht gar desorientiert ab.“ Digitale Formate bei der Berufsorientierung hätten dies nur bedingt ausgleichen können, meinte Martin Klebe. Für die Arbeitsagentur war der Kontakt mit den Schülern schwierig, meist nur fernmündlich möglich.

Auch durch die enorme psychische Belastung in der Schule seien die Jugendlichen weniger aufgeschlossen für Berufsorientierung, Beratung und Ausbildungsvermittlung. „Der Kopf dafür war nicht frei“, berichtete Klebe. Seit September 2021 sind die Berufsberater wieder an den Schulen, durch ist das Thema damit nicht. „Die Berufsberatung wird eine Herausforderung bleiben“, befürchtet Martin Klebe.

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