Alte Menschen sind verunsichert

An der Senioren-Hotline stellen sich viele Fragen

Stehen Senioren zur Seite (von links): Fachbereichsleiter Carsten Thies, Seniorenberater Ralf Krüger und Mitarbeiterin Ruth Thiele. Foto: Roland Keusch
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Stehen Senioren zur Seite (von links): Fachbereichsleiter Carsten Thies, Seniorenberater Ralf Krüger und Mitarbeiterin Ruth Thiele.
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Wann muss ich zum Coronatest? Kommt der Pflegedienst noch?

Von Axel Richter

Es gibt Fälle, denen auch Ralf Krüger nicht helfen kann. Jener Lehrerin zum Beispiel, der am Freitagabend aufgefallen war, dass sie im vorgerückten Alter zur Corona-Risikogruppe zählt, am Montag nun aber doch in die Schule zurückkehren soll. Krüger ist Seniorenbeauftragter der Stadt Remscheid, für den Dienstherrn der Lehrerin, das Land NRW, kann er nicht sprechen. Was er für alte Menschen in Remscheid regeln kann, das regelt er: Vom Coronatest bis zur Frage, wer in der Quarantäne mit dem Hund geht.

Unter der Rufnummer Tel. 46 453 51, die die Stadt mit Einsetzen der ersten Coronawelle freigeschaltet hatte, geht es vor allem um praktische Fragen. Und darum, die Menschen zu beruhigen, ihnen Sorgen und Ängste zu nehmen. „Es herrscht bei den Menschen eine tiefe Verunsicherung“, sagt Krüger.

„Wir schicken niemanden weg.“
Ralf Krüger, Seniorenberater

Da ist die alte Dame, die sich mit Herz-Kreislauf-Problemen über vier Stunden in der Wartezone des Sana-Klinikums aufhalten musste. Nun soll es zurückgehen in das Seniorenheim, in dem sie lebt. Aber: Braucht sie dafür nun vielleicht einen negativen Coronatest? Und da ist der alte Herr, der seit geraumer Zeit von einem Pflegedienst besucht wird. Er bleibt daheim, ist vorsichtig und tut alles, um nicht mit dem Virus infiziert zu werden. Denn, was wäre wenn: Kommt seine Pflegerin dann noch zu ihm?

Ralf Krüger hört zu, fragt bei den zuständigen Stellen nach, erteilt Auskunft. Mit Annette Mores, Ruth Thiele und anderen Mitarbeiter der Stadt sitzt er seit März in wechselnder Besetzung an der Senioren-Hotline. Bis zu 15 Anrufe sind es täglich, die die Helfer entgegennehmen.

Nachdem die Zahl der Hilfe- und Ratsuchenden in der vergleichsweisen Entspanntheit des Sommers deutlich abgenommen hatte, zieht sie in der zweiten Pandemiewelle deutlich an. „Wir sind froh, dass wir die Strukturen, die wir damals aufgebaut haben, heute wieder nutzen können“, sagt Carsten Thies, Leiter des Fachbereichs Jugend und Soziales. Es bestehen zahlreiche Kontakte zu Ehrenamtlern, die bei Bedarf einkaufen gehen oder eben auch den Hund ausführen, wenn der alte Mensch die Wohnung vorläufig nicht verlassen soll.

In der sich zuspitzenden Toilettenpapier-Krise des Frühjahres erhielten die Ehrenamtler von der Stadt sogenannte Helferlein-Karten. Damit konnten sie sich in den Supermärkten ausweisen, um deutlich zu machen, dass sie mit dem proppevollen Einkaufswagen nicht nur für sich selbst, sondern noch für einen weiteren Haushalt einkauften. Es waren, vor allem junge Menschen, die sich mit den Senioren in ihrer Nachbarschaft solidarisch zeigten. Heute stehen sie Gewehr bei Fuß, wenn sie wieder gebraucht werden sollten.

Für andere Probleme bedarf es besonderer Rechte. Zum Beispiel rufen ältere Menschen an, weil die Rentenversicherung eine Lebensbescheinigung verlangt. Bei der Senioren-Hotline fanden sie auch dafür eine Lösung auf dem kurzen Dienstweg. „Behörden, Versicherungen und andere Stellen sind schwerer zu erreichen. Viele wissen sich dann nicht zu helfen. Wir wollen den Menschen das Leben erleichtern“, sagt Ralf Krüger. Und: „Wir schicken niemanden weg.“ Einen Tipp hatte Krüger so auch für die Lehrerin parat, die es nicht wieder an ihren Arbeitsplatz zog: Ein Anruf beim Rektor sollte vielleicht der erste Schritt sein. 

Die Hotline

Bei der Hotline für Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen finden alte Menschen Rat und praktische Hilfe in der Corona-Pandemie.

Die Hotline ist montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr mit Mitarbeitern der Stadt besetzt. Die Nummer lautet Tel. 4 64 53 51.

Standpunkt: Remscheid hält zusammen

Von Axel Richter

Als hätte es noch eines Beweises dafür bedurft, so machte bereits die erste Infektionswelle mehr als deutlich: Wenn es darauf ankommt, halten die Remscheider zusammen. So viele Freiwillige –vor allem waren es junge Menschen – meldeten sich im März und April, um jenen zu helfen, die von dem neuen Virus mit dem komplizierten Namen Sars-CoV-2 am meisten bedroht waren.

axel.richter@rga-online.de

So viele wollten für ihre betagten Nachbarn einkaufen gehen, dass die von mitgebrachten Lebensmitteln vermutlich heute noch zehren könnten. Tatsächlich stellte sich am Ende heraus, dass der Bedarf nach Einkaufshilfen so groß nicht war. 

Das gilt auch heute, was ebenfalls für ein funktionierendes Sozialgefüge in Remscheid spricht: Familienangehörige, Nachbarn und Freunde kümmern sich bereits. Dafür stehen an der Senioren-Hotline der Stadt andere Fragen im Mittelpunkt. Fragen, aus denen vor allem Ängste und Sorgen sprechen. Auf der Suche nach Lösungen ist an der Hotline zuweilen Improvisationstalent gefordert. Doch auch darin sind die Remscheider erprobt. Was gut ist, denn Sars-CoV-2 wird uns noch vor so manche Herausforderung stellen. 

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Remscheid erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

Welche Beschränkungen wegen des Coronavirus gelten aktuell in Remscheid? Das haben wir für Sie in einem Artikel zusammengefasst, den Sie hier finden: Ein Überblick über die Corona-Regeln in Remscheid.

Lockdown: Das gilt in Remscheids Kulturstätten - Wer öffnen darf und wer nicht.

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