Ausstellung im Werkzeugmuseum

Holz: 25 Tischler-Azubis zeigen ihre Gesellenstücke

Die Prüfer begutachten vor allem die handwerkliche Ausführung.
+
Die Prüfer begutachten vor allem die handwerkliche Ausführung.

Das alles ist möglich mit Holz: 25 Tischler-Azubis zeigen mit ihren Gesellenstücken, was sie in der Ausbildung gelernt haben. Zu sehen sind die Inspirationen noch bis Montag.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Die Kugel ist nahezu komplett aus Holz gefertigt. Und ihre Funktion erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Drückt man oben drauf, springen kleine Ablageflächen hervor, dreht man die obere Hälfte, öffnet sich ein Fach zum Beispiel für Getränkeflaschen. Die Holzkugel ist eine Art Beistelltisch mit Barfach. Und eines von 25 Gesellenstücken des Tischlerhandwerks, die derzeit im Deutschen Werkzeugmuseum zu sehen sind.

Oliver Möller mit dem Kugel-Beistelltisch mit integriertem Barfach.

Alle Stücke stammen von Azubis aus Remscheid, Solingen und Wuppertal, die in diesem Jahr ihre Abschlussprüfung haben. Bei der gehört für angehende Tischler das Gesellenstück, neben der praktischen und theoretischen Prüfung, zum Pflichtprogramm.

Eine Besonderheit dieses Handwerks, wie Oliver Möller, Lehrlingswart der Remscheider Innung, betont: „Das Prozedere wäre ohne vielleicht einfacher“, gibt er zu. Doch zum einen wolle kaum jemand auf diese „schöne Tradition“ verzichten. Und zum anderen sei das Gesellenstück gut geeignet, um zu sehen, ob der Azubi sein Handwerk wirklich beherrscht. Von der ersten Idee bis zur Umsetzung.

Dass das für die Azubis weit mehr ist als eine reine Pflichtaufgabe, lassen Vielfalt, Ideenreichtum und Qualität der im Werkzeugmuseum ausgestellten Stücke vermuten. Mal wird Buche aufwendig geräuchert, um einen dunkleren Farbton zu erreichen, mal die Schubladen-Griffe selber gegossen. Ein Auszubildender hat eine Flur-Bank gebaut - und ein antikes Telefon als Deko mitgebracht. Rund 120 Arbeitsstunden und nicht selten Materialkosten im vierstelligen Bereich stecken die Prüflinge in ihre Projekte.

Dieser Schrank wurde speziell für einen Plattenspieler entworfen.

Zu sehen sind vor allem Couch- und Schreibtische sowie Kommoden. Aber auch ein Kleiderschrank ist dabei. „Wahnsinn“, findet Oliver Möller. Denn: „Je größer das Stück ist, umso mehr kann schiefgehen.“ Grundsätzlich seien auch Haustüren oder Treppen möglich.

Qualität der ausgeführtenArbeiten ist entscheidend

Hauptsache die Werke erfüllen die Voraussetzungen. Schubfächer müssen zum Beispiel klassisch, also ohne Metall- oder Kunststoffschienen, geführt sein. Auch ein Schloss ist vorgesehen. Weil das offenbar ästhetisch aus der Sicht einiger Prüflinge nicht zum jeweiligen Stück passt, entwickeln die einen enormen Einfallsreichtum, ein Schloss zu verbauen, das auf den ersten Blick niemand sieht.

Die Griffe dieser Kommode sind selbst gegossen.

Dabei spielt die Gestaltung eine eher untergeordnete Rolle für die Prüfung. 100 Punkte gibt es maximal für das Gesellenstück, davon höchstens zehn für die Optik. Planung und Zeichnung machen bis zu 20 Punkte aus, der Rest ist die Qualität der ausgeführten Arbeiten wie Maßgenauigkeit, Oberflächenbehandlung und Verbindungen zwischen den einzelnen Bauteilen.

Und ein Fachgespräch, das während eines Werkstattbesuchs geführt wird. Die Begutachtung der Gesellenstücke erfolgt durch die Prüfer, überwiegend selbstständige Handwerksmeister, die das im Ehrenamt erledigen.

Dass die angehenden Gesellen ähnlich aufwendige Stücke später noch mal bauen, bleibe wohl eher die Ausnahme, vermutet Möller: „Höchstens für den privaten Bereich.“ Die dafür notwendigen handwerklichen Techniken seien im zukünftigen Berufsalltag aber immer wieder gefragt. Und das Gesellenstück selber bleibt eine schöne Erinnerung. Und das für sehr lange Zeit, wie Möller sagt: „Die sind so gebaut, dass die ewig halten.“

Hintergrund

Zu sehen sind die 25 Gesellenstücke noch bis einschließlich Montag, 20. Juni, im Deutschen Werkzeugmuseum, Wilhelmstraße 24, jeweils 10 bis 17 Uhr. Das Museum öffnet ausnahmsweise am Montag.
Hier geht´s zum Programm des Deutschen Werkzeugmuseums ab Juni.

Neben der Gesellenprüfung nehmen alle Stücke auch am „Wettbewerb der guten Form“ teil, bei dem vor allem die Gestaltung zählt. Das beste Gesellenstück vertritt die Region im weiteren Wettbewerb.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Schutz des Morsbachtals: Betonbecken an der Hägener Mühle sollen vor Flut schützen
Schutz des Morsbachtals: Betonbecken an der Hägener Mühle sollen vor Flut schützen
Schutz des Morsbachtals: Betonbecken an der Hägener Mühle sollen vor Flut schützen
Wie sieht die Zukunft in Remscheid aus?
Wie sieht die Zukunft in Remscheid aus?
Wie sieht die Zukunft in Remscheid aus?
Arbeitskreis plant Remscheider CSD
Arbeitskreis plant Remscheider CSD
Arbeitskreis plant Remscheider CSD
Unfall: Auffahrt zur A1 ist wieder frei
Unfall: Auffahrt zur A1 ist wieder frei
Unfall: Auffahrt zur A1 ist wieder frei

Kommentare