Gemeinde sammelt Spenden

Videostreaming entpuppt sich als Segen

Sie senden sonntags live: Regionalkantor Dieter Leibold und Technik-Expertin Sylke Breidenbach in der Kirche St. Suitbertus.
+
Sie senden sonntags live: Regionalkantor Dieter Leibold und Technik-Expertin Sylke Breidenbach in der Kirche St. Suitbertus.

Katholische Gemeinde St. Suitbertus will die Kameratechnik aufrüsten, dafür sammelt sie Spenden.

Von Melissa Wienzek

Die Technikzentrale: Sylke Breidenbach überwacht das Bild der Kameras und schaut es sich gleichzeitig im Stream an.

Remscheid. Was vor der Pandemie für die Kirche ein No-Go war, ist jetzt die Zukunft: Die katholische Gemeinde St. Suitbertus setzt auf Livestreaming und Videotechnik. Während das digitale Angebot vor rund zwei Jahren wie in vielen anderen Gemeinden auch aus der Not des Lockdowns heraus geboren wurde, entpuppt es sich heute als großer Segen. „Denn online erreichen wir sonntags im Stream im Durchschnitt 150 Menschen. An Weihnachten oder Feiertagen sogar 400“, erklärt Regionalkantor Dieter Leibold.

Live auf den Kirchenbänken dürfen aufgrund des Abstandsgebots zurzeit nur etwa 60 oder 70 Gläubige zur Sonntagsmesse Platz nehmen. Aktuell sind es aber deutlich weniger als vor Corona, sagt Leibold. Die Übertragung sei daher eine Chance, mehr Katholiken zu erreichen. „Auch Jüngere, die wir sonst hier eher selten sehen, schalten gern den Stream ein. Oder Remscheider, die weggezogen sind, so auch eine Ärztin aus Berlin.“ Interessant sei, dass sich so eine eigene Streaming-Gemeinde gebildet habe. Und auch die Liturgie, also, wie man gemeinsam Gottesdienst feiere, habe sich mit dem digitalen Weg verändert, sagt Kantor Leibold. Die Liedtexte werden zum Beispiel im Stream eingeblendet. „Die Menschen sollen nicht nur Zuschauer sein, sondern teilhaben.“

Über die digitalen Anfänge kann Sylke Breidenbach heute nur schmunzeln. Die Ehrenamtlerin, die im Kirchenvorstand mitwirkt, hat sich binnen kürzester Zeit zur Technikexpertin fortgebildet. „Der erste Gottesdienst wurde noch mit einem Handy und einer Webcam übertragen, dann haben wir schnell gemerkt: Das reicht nicht.“ Die Internetleitung war zu schwach, nur ein starres Bild war nicht ansprechend genug. Also rüstete die katholische Gemeinde auf.

Heute gibt es nicht nur eine stärkere Leitung, sondern auch einen Router sowie drei Kameras auf Stativen, die den Altar aus mehreren Blickwinkeln abbilden. Übertragen wird in 4K. „Um es lebendig zu halten, kann ich Bildausschnitte vergrößern. Oder Bilder mischen“, erklärt Breidenbach. Zusätzlich kann eine iPhone-Kamera eingebunden werden. Zum Beispiel, um Kantor Leibold an der Orgel zu zeigen. Oder um das Osterfeuer draußen einzufangen. Wenn die Kinder ihre heilige Kommunion empfangen, blendet Breidenbach Fotos ein oder liest meditative Texte. „Denn wenn nichts passiert im Stream, ist man schnell off.“

„Mit dem Online-Format macht man Türen auf.“

Regionalkantor Dieter Leibold

Das kleine Tischchen hinter der Säule im Kirchraum ist so zum Technikzentrum geworden: Hier überwacht Sylke Breidenbach mit Laptop und iPad jeden Sonntag den Livestream, der über die Plattform Vimeo läuft, und korrigiert Ton und Bild, wenn nötig. Dazu gibt es auch einen Verstärker. Über den muss sie schon mal das Altarmikro runterregeln, wenn Pfarrer Kaster spricht. „Denn das stört das Funkmikro.“ Allein der Ton in so einem großen Gebäude sei eine Herausforderung, sagt Dieter Leibold. Vor allem bei der Übertragung von Konzerten.

Auch einen digitalen Adventskalender gab es, dieser wurde allerdings vorproduziert. Oder eine Kinderführung an der Orgel. „Mit dem Online-Format macht man Türen auf. Es bietet uns viele Möglichkeiten“, sagt Leibold. Zum Beispiel auch eine Übertragung ins Seniorenheim. In der Fastenzeit wird es nun eine Videoreihe geben mit Themen, die auf der Seele brennen.

Natürlich gibt es auch schon mal kleinere Pannen. Neben Internetschwankungen schon mal Probleme durch einfallendes Licht oder Weihrauch, der das Bild vernebelt. Oder unerwartete Überraschungen: „Bei der vorletzten Erstkommunion kamen plötzlich zwei Polizisten durch den Seitengang, die gegenüber ins Johanneshaus wollten, weil dort eine Person hinter verschlossener Tür gemeldet wurde. Dann habe ich schnell auf eine andere Kamera umgeschaltet“, erzählt Breidenbach.

Nun will St. Suitbertus noch professioneller werden. Der Plan: Drei neue Kameras sollen unsichtbar in den Säulen verschwinden, dadurch entfallen dann die Kabel auf dem Boden. Dazu würde im Raum hinter der Orgel ein Schaltschrank aufgestellt, von dort aus Kabel gezogen. Ein erstes Angebot hat sich die Gemeinde bereits eingeholt. Kosten allein pro Kamera: 3000 Euro. „Außerdem wollen wir noch eine Webcam einsetzen, um flexibler zu sein“, sagt Breidenbach. Geldsegen von oben gibt es dafür nicht. Die Gemeinde muss das Geld selbst aufbringen – und startet dazu nun eine Spendenaktion.

Info + Spenden

Die Gemeinde startet für die Finanzierung ihres Kamera-Projekts eine Spendensammlung. Informationen und Kontakt gibt es über die Internetseite. Hier wird auch sonntags der Livestream aus der Kirche übertragen: suitbertus-remscheid.de

Auch interessant: Lennep: Deshalb steht an St. Bonaventura ein Gerüst

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

OGS: Mütter fühlen sich allein gelassen
OGS: Mütter fühlen sich allein gelassen
OGS: Mütter fühlen sich allein gelassen
Darum bleiben Restaurants in Remscheid manchmal dicht
Darum bleiben Restaurants in Remscheid manchmal dicht
Darum bleiben Restaurants in Remscheid manchmal dicht
Wohnen wird im Stadtkern immer teurer
Wohnen wird im Stadtkern immer teurer
Wohnen wird im Stadtkern immer teurer
Schützenkirmes 2022 verspricht Trubel für Groß und Klein
Schützenkirmes 2022 verspricht Trubel für Groß und Klein
Schützenkirmes 2022 verspricht Trubel für Groß und Klein

Kommentare