Ausbildungsstätte

Verwaltung: So will Remscheid dem Nachwuchsmangel entgegenwirken

Die Grundschule Honsberg soll für 3,5 Millionen Euro saniert werden, danach zur Ausbildungsstätte der Stadt Remscheid für Verwaltungsangestellte werden. Dringend benötigt die Stadt Nachwuchs.
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Die Grundschule Honsberg soll für 3,5 Millionen Euro saniert werden, danach zur Ausbildungsstätte der Stadt Remscheid für Verwaltungsangestellte werden. Dringend benötigt die Stadt Nachwuchs.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
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Im Kampf um zukünftige Fachkräfte setzt die Stadt in Honsberg auf ein eigenes Ausbildungszentrum.

Remscheid. Bis 2032 verliert die Stadtverwaltung mehr als 280 Mitarbeiter durch Ruhestand. In den kommenden zehn Jahren droht ein nie gekannter Aderlass im Rathaus. „Rechtzeitige Personalentwicklung ist deshalb zu einem Schlüsselthema für uns geworden“, erklärt Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz nach der anderthalbtägigen Klausurtagung der Rathaus-Spitze am Wochenende. Erster Schritt zur Gewinnung neuen Nachwuchses: Die ehemalige Grundschule Honsberg soll zum Ausbildungszentrum der Stadt Remscheid um- und ausgebaut werden. Dies ist die einhellige Meinung des Verwaltungsvorstandes, der das Projekt zeitnah in die politischen Gremien tragen wird.

„Personalentwicklung ist ein Schlüsselthema für uns.“

OB Burkhard Mast-Weisz

3,5 Millionen Euro, Kostensteigerungen nicht eingerechnet, wird die Sanierung der altehrwürdigen Grundschule kosten. Sie sollen im städtischen Doppelhaushalt 2023/24 untergebracht werden. Anfang 2017 war das Gebäude in der Martinstraße 5 leergezogen worden. Der Brandschutz konnte nicht mehr gewährleistet werden, der zweite Rettungsweg fehlte. Die verbliebenen 42 Schüler wurden im Gebäude der benachbarten GGS in Kremenholl untergebracht.

Zwei Jahre später zog die Rheinische Fachhochschule (RFH) Köln im Erdgeschoss ein, das weiter genutzt werden durfte. Die großen Vorschusslorbeeren, verbunden mit der Hoffnung, in Remscheid einen Hochschulstandort zu etablieren, entpuppten sich als Seifenblase. Bedingt auch durch die Pandemie blieben die Studentenzahlen deutlich hinter den Erwartungen zurück. Drei Jahre später gab die RFH unter ihrer neuen Rektorin bekannt, dass sie sich von sämtlichen dezentralen Standorten trennt.

Zum Schluss strebten in Remscheid 40 Studierende ihren Bachelor in BWL und Produktionstechnik an. Der Traum von einem attraktiven, zusätzlichen Bildungsangebot, das junge Menschen nach Remscheid lockt oder hier in ihrer Heimatstadt hält, ist damit erst einmal vorbei. In der Vergangenheit hatte OB Mast-Weiz öfter angedeutet, das prächtige, über 100 Jahre alte Gebäude zu einem Bildungsstandort auszubauen.

Angesichts des Mitarbeiterschwundes, der bevorsteht, sieht die Stadt in Honsberg einen idealen Standort in einem aufstrebenden Stadtteil, um die Nachwuchsförderung voranzutreiben. „Wir brauchen dringend junge Leute, um in Zukunft handlungsfähig zu bleiben“, betont das Stadtoberhaupt. „Alle buhlen um neue Kräfte, Industrie, Handwerk und auch wir als Stadtverwaltung müssen uns positionieren.“ Angedacht ist, den Umbau zur Ausbildungsstätte der Verwaltung bis 2025 fertigzustellen, möglicherweise schon 2024 im Gebäude mit einer Interimslösung klein anzufangen.

Um die 30 Ausbildungsberufe und duale Studiengänge bietet die Stadt. „Wir sind ein attraktiver Arbeitgeber“, sagt Mast-Weisz. Die Vielfalt ist enorm. Die Verwaltung bildet Veranstaltungskaufleute und medizinische Angestellte aus, Erzieher und Kfz-Mechatroniker. „Wir waren mit sozialer Arbeit im Bachelor-Studium mit die Ersten. Mit dem Verwaltungsinformatiker haben wir einen für uns neuen Ausbildungsberuf dabei“, nennt Personalamtsleiter Jörg Biermann weitere Beispiele. Schon jetzt bildet die Stadt nicht bedarfsdeckend aus. Zwischen 30 und 36 Azubis fangen jedes Jahr neu an. Eine Zahl, die mit Sicherheit verdoppelt werden muss.

Nachwuchs fehlt bereits jetzt

Die Technischen Betriebe Remscheid (TBR) eingerechnet, bei denen 393 Mitarbeiter beschäftigt sind, ist die Stadt Remscheid mit rund 2400 Personen der zweitgrößte Arbeitgeber Remscheids (nach Vaillant). Allein die Stadtverwaltung zählt um die 2000. Der demografische Wandel und die Ausdünnung der geburtenstarken Jahrgänge führen dazu, dass Nachwuchs bereits jetzt fehlt. Dabei macht sich auch bemerkbar, dass die Stadt 2010 aufgrund seiner Haushaltslage überhaupt keinen Azubi einstellen konnte.

Standpunkt von Andreas Weber: Engpässe drohen

andreas.weber@rga.de

Die CDU spricht von „Heimlichtuerei“ um die Grundschule Honsberg. Dabei hatte Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz in der Vergangenheit durchblicken lassen, dass die Verwaltung in der Martinstraße weiter mit einer Bildungsstätte plant.

Nach dem überraschenden Ende der Rheinischen Fachhochschule Ende August ist der Weg frei für eine Idee, die Städte wie Dortmund mit dem ZAK, dem Zentrum für Ausbildung und Kompetenzen, umgesetzt haben: Verwaltungsausbildung konzentrieren und intensivieren, den Grundstein für eine moderne Personalwirtschaft legen.

Wenn jetzt nicht gegengesteuert wird, drohen Remscheid im öffentlichen Dienst erhebliche Engpässe, verbunden mit Einschränkungen für die Bürger. Dass es heute bei den Bewerbungen eine höhere Nachfrage nach Lehrstellen bei der Stadt gibt als Angebote, stimmt zuversichtlich, dass die verstärkte Rekrutierung von Nachwuchs gelingen könnte.

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