Landgericht

Verurteilter wehrt sich gegen Schmerzensgeld

Das Landgericht in Wuppertal.
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Das Landgericht in Wuppertal.

Landgericht: Blutige Schlägerei auf der Allee.

Von Dirk Lotze

Remscheid. In einem Prozess um eine Straßenprügelei in Remscheid mit schweren Verletzungsfolgen durch eine abgebrochene Flasche wird das Landgericht Wuppertal eine zusätzliche Zeugin befragen. Das Gericht muss das Geschehen am Rand des Weihnachtsmarkts 2019 neu aufklären, weil der Angeklagte Berufung gegen ein früheres Urteil des Amtsgerichts eingelegt hat: Der vorbestrafte und zur Tatzeit 19 Jahre Auszubildende wehrt sich gegen jeweils 1800 Euro Schmerzensgeld für zwei Opfer. Sein Anwalt erklärte: Die verhängte Bewährungsjugendstrafe über 16 Monate sei für seinen Mandanten „kein Problem“. Er fügte hinzu: „Aber dass er allein schuld sein soll, das passt aus unserer Sicht nicht.“

Tatort war am Abend des 17. Dezember 2019 die Fläche vor einem Innenstadt-Kiosk: Der alkoholisierte Angeklagte und eine minderjährige Freundin auf der einen Seite, ihnen gegenüber ein entfernter Bekannter (20), dessen Freundin und ein 14-jähriger Bruder.

Schon auf der Alleestraße hätten sie einander bemerkt, als der Angeklagte eine Flasche zerschlug. Der wiederum gab an, er habe sich am Kiosk gereizt gesehen – etwa durch die Frage, ob er überhaupt einen Schulabschluss habe. Die beiden Männer landeten ringend auf dem Boden, der Angeklagte soll dabei zugeschlagen haben – mit den Resten einer Bierflasche in Hand, die im Kampf abgebrochen war. Den Richtern sagte der Mann dazu: „Ich hatte wohl vergessen, dass ich die noch in der Hand hatte.“

Sein Gegner erlitt Schnitte im Gesicht und musste notoperiert werden. Er sagte aus, er leide weiter unter den Folgen: „Wenn ich da drüber streiche, fühlt es sich an, als wäre die Stelle grade eingeschlafen.“ Der 14-jährige Bruder erlitt einen tiefen Schnitt in eine Hand – und kann mit dieser Seite nichts Schweres mehr heben. Laut früherem Urteil des Amtsgerichts versuchte er, seinem stark blutenden Bruder zu helfen, als er die Stiche abbekam.

Der Angeklagte rief nach kurzer Flucht seine Mutter an. Er blute stark – er habe sich wohl an der eigenen Flasche geschnitten. Laut Amtsgericht konnte sich der Angeklagte nicht auf Notwehr berufen, nachdem der Abtausch von ihm ausgegangen sei. Die Verteidigung widerspricht. Der Anwalt erläuterte: „Ich war erstaunt, in dem Urteil Dinge zu lesen, die ich in der Verhandlung so nie gehört habe.“

Dem muss das Landgericht nachgehen. Die zusätzliche Zeugin soll berichten, was der jüngere Bruder ihr nach dem Geschehen über seine Verletzung sagte. Fortsetzung am Mittwoch, 28. Oktober.

Erst in der vergangenen Woche hatten sich Remscheider vor dem Landgericht in Wuppertal verantworten müssen. Dabei ging es um den Handel mit kiloweise Drogen.

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