Mein Blick auf die Woche in Remscheid

Vertane Chancen: Lennep dreht sich im Kreis

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Mit seiner „Erstbesteigung“ der Cragg-Stele lieferte Bodo Rengshausen den Aufreger der Woche wenn nicht des Jahres. Zu der von ihm erhofften Diskussion über den Sinn von Kunst im öffentlichen Raum kam es jedoch nicht. Schade, findet RGA-Lokalchef Axel Richter. Doch das ist nicht die einzige vertane Chance in Lennep.

Da sage noch einer, Kunst bewirke nichts. Mit seiner „Erstbesteigung“ der Stele auf dem Lenneper Munsterplatz gelang Bodo Rengshausen der Aufreger der Woche, wenn nicht des Jahres. Dazu trug er auch dem RGA die erwartete Schelte ein. Wie kann man einem solchen Mann so viel Platz in der Zeitung einräumen?

Die Antwort fällt leicht: Weil Bodo Bengshausen kein Randalebruder vom Schlage Doofmann und Trunkenbold ist, wie sie sich gern an öffentlich zugänglichen Orten zu schaffen machen.

Sondern ein gestandener Mann von 62 Jahren und Geschäftsführer eines Unternehmens mit immerhin 14 Mitarbeitern. Seine Aktion war spontan - eine Reaktion auf ehrfürchtig vor dem Kunstwerk verharrende Erwachsene, die den Kindern einschärfen, die Hochglanzstele bloß nicht anzufassen.

Rengshausen tat mehr als das, denn: Eine Skulptur im öffentliche Raum gehöre eingenommen, sagt er. Sie müsse die Ebene der reinen Betrachtung verlassen und lebendiger Teil des Platzes werden. Was das heißt, lässt sich auf der Alleestraße beobachten. Dort wird die Plastik „Die spielenden Kinder“ ihrem Namen an jedem Tag gerecht. Regelmäßig wird sie beklettert. Aber gut: Es handelt sich bei den spielenden Kindern natürlich nicht um einen echten Cragg.

Für Bodo Rengshausen steht dennoch fest: Wer in religiöser Verklärung das Antasten der Stele zum Sakrileg erkläre, „sollte dafür nicht öffentliche Plätze, sondern ein Gotteshaus wählen“. Rumms, das sitzt.

Nach seiner Äußerung im RGA hätte der moderne Bilderstürmer gern über Kunst im öffentlichen Raum diskutiert. Mit den Pilgerfreunden, die die Stele nach Lennep geholt hatten. Mit den Geldgebern. Und mit dem Künstler natürlich. Dazu kam es nicht. Auch eine Interviewanfrage des RGA ließ Tony Cragg in dieser Woche unbeantwortet. Schade, denn damit wurde eine Chance für Lennep vertan. Und auf die feine englische Art höflich war es auch nicht.

Apropos vertane Chance. Nachdem mit dem Designer Outlet Center die mit Abstand größte Chance für Lennep, Remscheid und das ganze Bergische Land an der absurden Rechtssprechung der Verwaltungsgerichte gescheitert ist, dreht sich Lennep mal wieder im Kreis, was seine Zukunft angeht. Jedenfalls erbrachte die zweite Lennep-Konferenz keine neuen Antworten auf Frage, was denn nun aus den neuen Quartieren werden soll, wie die Stadt die ehemaligen DOC-Flächen heute nennt.

Als hätte er es geahnt, setzte Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) dem FC Remscheid die Pistole auf die Brust. Entweder der Verein erklärt bis zum Jahresende, mit welchen Mitteln er das Röntgen-Stadion kaufen und sanieren will. Oder die Grundstücke werden an andere veräußert.

Prognose: Es wird genauso kommen. Denn so sympathisch die Idee des Fußballclubs ist: Die Grundstücke kosten Millionen. Geld, das der Verein nicht hat. Zumal die Sponsoren, die der Verein nach eigenen Worten in seinem Rücken weiß, bis heute nicht öffentlich in Erscheinung getreten sind.

Soll die Entwicklung Lenneps nicht erneut zur Hängepartie und zwischen verschiedenen Interessen im Stadtteil zerredet werden, braucht es einen Investor, der ein Projekt mit Strahlkraft stemmen kann und dazu das Vertrauen der meisten Bürgerinnen und Bürger gewinnt. Den hat es freilich schon einmal gegeben. Nach dem Fiasko, das das Unternehmen McArthur Glen in Lennep erlebt hat, dürfte es umso schwieriger werden, noch einmal einen solchen Investor zu finden.

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