Stadtwerke

Verkehrsmeister überwachen Busverkehr in Remscheid

Im Leitstand der Stadtwerke am Ebert-Platz: Manuel Kippelt (l.) und Verkehrsmeister Uwe Kiffel vor seinem Instrumentarium. Foto: Doro Siewert
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Im Leitstand der Stadtwerke am Ebert-Platz: Manuel Kippelt (l.) und Verkehrsmeister Uwe Kiffel vor seinem Instrumentarium.
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Im Dreischichtsystem sorgen neun Fachleute bei den Stadtwerken drinnen wie draußen für reibungslosen Betrieb.

Remscheid. Es ist ein Logenplatz mit exklusiver Aussicht, den Uwe Kiffel (55) und Markus Busch (57) oben im Turm der Stadtwerke-Leitstelle einnehmen. Mit Blick über den Friedrich-Ebert-Platz schauen sie in der Ferne bis zum Hohenhagen, oft morgens mit aufgehender Sonne. Ihren Fokus legen sie jedoch auf die Straße. Aus ihrem Cockpit koordinieren die Verkehrsmeister über mehrere Bildschirme und Funkgeräte den Remscheider Busbetrieb, stets bereit, Probleme aufzunehmen und Hilfe umgehend in die Wege zu leiten. Kiffel und Busch sind zwei von insgesamt neun Spezialisten, die sich in drei Schichten täglich zwischen 4 Uhr morgens und 2 Uhr nachts abwechseln.

Wenn um 3.55 Uhr die ersten Busse aus dem Depot rollen, legen die Verkehrsmeister los. Der eine sitzt bereits im Turm, der andere weist den Fahrern in der Wagenhalle an der Neuenkamper Straße sein Fahrzeug zu. Einer drinnen, einer draußen - das ist im Normalfall das Prinzip. Der weiße VW Caddy mit der Aufschrift „Verkehrsaufsicht“ ist der verlängerte Arm der Leitstelle auf der Straße, zuständig für die insgesamt 165 Fahrer und die 67 Solo-Fahrzeuge sowie 23 Gelenkwagen der Stadtwerke, von denen täglich um die 60 gleichzeitig im Einsatz sind. Während der eine oben Kontakt zu den Fahrern im Einsatz hält, ist der andere unterwegs zwischen den 629 Haltepunkten in Remscheid.

„Kein Tag ist hier wie der andere.“

Manuel Kippelt, Leiter Fahrbetrieb

Vier Bildschirme in der Zentrale zeigen stets aktuelle Bilder vom Friedrich-Ebert-Platz und der großen Bushaltestelle am Hauptbahnhof. Auf weiteren zwei Bildschirmen lässt sich jederzeit feststellen, welche Linie und welcher Fahrer wo unterwegs sind. Farbige Punkte auf dem Schirm geben Orientierung zur Zeit: Rot für „zu früh“, Grün für „in der Zeit“, gelb für „Verspätung“.

Das Fahrzeug der Verkehrsaufsicht: Verkehrsmeister Markus Busch hat Werkzeug und Ersatzteile für den Notfall immer dabei.

Wenn das Wetter bei Schnee und Eis verrückt spielt, Fahrpläne durcheinandergeraten, sitzen beide Verkehrsmeister gleichzeitig in ihrem Glasbau, um zu koordinieren: „Da sind dann zügige Kundeninformation und Steuerung wichtiger als einem Fahrzeug zu helfen, dass sich 20 Meter, nachdem es freigeschaufelt wurde, wieder festfährt.“

Die Verkehrsmeister begleiten den Schülerverkehr morgens an den Brennpunkten am Hohenhagen und H2O in Lennep. An den Halts, wo die meisten Schüler aus den Bussen strömen, sorgen sie für Ordnung im Gewusel. Bleibt ein Fahrer in einer Baustelle hängen, gibt es Ärger mit Fahrgästen, der sich ohne Unterstützung nicht klären lässt, werden keine Fahrkarten mehr ausgespuckt, weil der Drucker nicht funktioniert, naht der Funkwagen mit Ersatzteilen.

Die Verkehrsmeister überprüfen die Haltestellen auf Sauberkeit, sorgen dafür, dass diese nicht zugeparkt werden. „Was viele immer noch nicht wissen, ist, dass 15 Meter vor und hinter den Haltestellen Parken verboten ist“, stellt Markus Busch fest. Falschparkern darf er ein Knöllchen erteilen. Um abschleppen zu lassen, wird das Ordnungsamt gerufen. Bleibt ein Linienbus mit einer Panne liegen, können die Verkehrsmeister bei kleineren Dingen Abhilfe schaffen. Werkzeug und Ersatzmaterialien ist in ihrem VW Caddy stets dabei, im Winter fehlt eine Kiste Streusalz nicht. Die Verkehrsmeister setzen sich auch selbst ans Steuer, wenn ein Fahrer unpässlich ist.

Verkehrsmeister ist kein Ausbildungsberuf. „In der Regel sind es Busfahrer, die sich weitergebildet haben und technisches Verständnis mitbringen“, erklärt Manuel Kippelt, Leiter Fahrbetrieb bei den Stadtwerken. Oder sie sind, wie Busch und Kiffel in der Werkstatt des ÖPNV-Anbieters groß geworden. 1983 haben beide als Schlosser begonnen.

„Kein Tag ist hier wie der andere“, sagt Kippelt ob der vielen Aufgaben, die im rollenden Betrieb warten. Muss die Festplatte für die Videoüberwachung rausgeholt werden, um diese nach einer womöglichen Straftat auszuwerten, sind die Verkehrsmeister vor Ort, bauen die eine aus, eine neue wieder ein. Ihnen allein obliegt die Aufgabe, die Videoaufzeichnungen weiterzugeben. Binnen 48 Stunden müssen die Festplatten rausgeholt werden, danach werden die Bilder automatisch gelöscht. Der Fahrer besitzt einen Überfalltaster, der zur Leitstelle aufgeschaltet ist.

Remscheid: Videotechnik in den Bussen hat Vandalismus eingedämmt

„Das erlaubt uns, zwei Minuten in den Bus und die Gespräche reinzuhören. Gott sei Dank haben wir ihn noch nicht gebraucht“, meint Uwe Kiffel. Als Notruf wird die Taste häufiger gedrückt, wenn Streit mit Fahrgästen eskaliert. „Das passiert meist im Spätdienst“, wissen die Verkehrsmeister. „Oft hilft die Erwähnung, dass die Polizei gerufen wird oder diese vorbeischaut, dass Ruhe einkehrt.“

Die Videotechnik hat für mehr Ruhe in den Bussen gesorgt, den Vandalismus eingedämmt. Kritzeleien mit Edding-Stiften, das Aufschlitzen von Polstern oder das früher übliche serienweise Klauen von Nothämmern durch Schüler gehört der Vergangenheit an. Acht Kameras, die HD-auflösende Bilder liefern, schrecken in den 18 Meter langen, neueren Gelenkwagen ab.

Umzug

Die Neuplanung des Friedrich-Ebert-Platzes wird auch den Leitstand betreffen. Die Pläne liegen bei den Stadtwerken in der Schublade. Heute ist das Gebäude auf dem Platz, nach der Verkleinerung des Busbahnhofs wird es auf einem Grünstreifen daneben angesiedelt sein. In der rund zweijährigen Umbauzeit wird der Leitstand vis-a-vis in der mittleren, leerstehenden Etage der Konrad-Adenauer-Str. 7 unterhalb der CDU vorübergehend einziehen.

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