Vereine von der Pandemie gebeutelt

2019 trat Ross Antony im Festzelt von Wildschütz Aue auf, in diesem Jahr sollte Giovanni Zarrella kommen. Doch Corona hat den Schützen einen Strich durch die Rechnung gemacht, aber der Schlagersänger hat einen Auftritt für 2021 bereits zugesagt. Archivfoto: Michael Schütz
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2019 trat Ross Antony im Festzelt von Wildschütz Aue auf, in diesem Jahr sollte Giovanni Zarrella kommen. Doch Corona hat den Schützen einen Strich durch die Rechnung gemacht, aber der Schlagersänger hat einen Auftritt für 2021 bereits zugesagt. Archivfoto: Michael Schütz

Abgesagte Schützenfeste und andere geplatzte Veranstaltungen sorgen für leere Kassen

Von Jennifer Preuß

Remscheid Das Bier sprudelte nicht aus den Fässern der Schützenvereine. Die Karusselle standen still. Kein Duft von Zuckerwatte, kein Brutzeln auf dem Grillrost der Schausteller, kein Kirmestrubel, keine Feste auf Remscheids Straßen. Dem Jahr 2020 wird in den Geschichtsbüchern ein großes Kapitel gewidmet werden als das Jahr, an dem das öffentliche Leben zum Erliegen kam.

Für Remscheids Vereine war die Corona-Pandemie ein großer Schock. Weit im Voraus geplante und beliebte Veranstaltungen wurden von jetzt auf gleich verboten, was die Vereine teils auch vor großen finanziellen Problemen stellte. Genehmigungen und Werbematerialien waren schon bezahlt. Das aktuelle Heft des Schützenvereins Wildschütz Aue beispielsweise war längst gedruckt. Oliver Rösler war wie paralysiert. „Wir sind im Moment am Knapsen“, sagt der erste Vorsitzende. „Wir waren mit die Ersten, die einen Antrag auf Soforthilfe rausgeschickt haben.“ Ausgezahlt wurde bislang nichts.

Der Schützenverein Wildschütz Aue ist nun mal ein gemeinnütziger Verein und kein Kleinunternehmen. „Man sagte uns, wir müssten einen anderen Antrag stellen und die Verluste auflisten“, sagt Oliver Rösler. Je mehr Zeit ins Land ging, umso heikler wurde es den Schützen, staatliche Hilfe zu beantragen. Sie wollen doch versuchen, die Krise aus eigener Kraft zu meistern. Viele Spielräume gibt es allerdings nicht. „Dass nichts stattfinden darf, darf sich nicht auf das nächste Jahr ausdehnen“, sagt Oliver Rösler. Der Vereinsvorsitzende hofft, dass sich die Situation bis April normalisiert.

Mitglieder stehen zu den Vereinen und zahlen weiter Beiträge

Die Planungen für das Schützenfest 2021 laufen trotz der Ungewissheit. Das Programm, das für dieses Jahr vorgesehen war, wird eins zu eins übernommen. Unter anderem hat Sänger Giovanni Zarrella seinen Auftritt zugesagt. Fällt auch dieses Schützenfest aus, wird es schwer, die laufenden Kosten für das Schützenhaus decken zu können. Wegen der Kontaktbeschränkungen und Hygieneregeln fand bisher kein Vereinsabend mehr statt. Die Einnahmen durch den Getränkeverkauf fallen also auch weg. Zum Ausgleich der Kosten die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen, kommt für Oliver Rösler nicht in Frage. „Wir hatten am Anfang eher die Überlegung, die Beiträge ruhen zu lassen. Aber wenn einem der Verein am Herzen liegt, zahlt man auch die Beiträge.“

Dieser Zusammenhalt ist auch im Bescherungsverein Büchener Einigkeit zu spüren. Die Mitglieder zahlen weiterhin ihre Beiträge, auch wenn seit März keine Vereinsaktivitäten mehr stattgefunden haben. Der Bescherungsverein reagierte sofort auf den Beginn der Corona-Krise und sagte, noch bevor die Verordnungen kamen, vorsorglich alle Veranstaltungen bis Jahresende ab. „Unsere Mitglieder sind sehr verständnisvoll, dass wir so entschieden haben. Traurig sind sie natürlich trotzdem“, sagt die zweite Vorsitzende Michaela Ebert.

Zum Glück seien keine hohen Kosten für die geplanten Veranstaltungen wie das Hoffest angefallen. Die Tombola-Preise werden auch im nächsten Jahr noch Freude bereiten und solange sicher im Keller aufbewahrt.

Aufs nächste Jahr schaut auch der Remscheider Schützenverein 1816. „Wir planen auf alle Fälle das nächste Schützenfest“, sagt Vorsitzender Christoph Lange. „Mit den Absagen für dieses Jahr haben wir jeweils die Verträge für nächstes rausgeschickt.“

Sorgen um die Vereinskasse treiben den Schützen nicht um. Der Remscheider Traditionsverein nimmt es, wie es kommt, solange die laufenden Kosten, vor allem für das Schützenhaus, gedeckt werden können.

Der Bescherungsverein will ebenso flexibel bleiben. Das Weihnachtsbaumschmücken und die Weihnachtsfeier könnten – sofern es das Infektionsgeschehen zulässt – auch kurzfristig auf die Beine gestellt werden. Für realistisch hält Michaela Ebert das aber nicht. „Ich glaube nicht, dass dieses Jahr noch etwas stattfinden darf.“ Die Sorge um einen zweiten Lockdown schwingt mit.

Mit Sorge verfolgt Oliver Rösler auch die Nachrichten, dass die Infektionszahlen wieder steigen. Als Schützenmitglied ist Oliver Rösler ein geselliger Mensch. Er habe sich aber eingeschränkt und viel Zeit zu Hause verbracht. „Man kann immer nur an die Vernunft der Menschen appellieren“, sagt der Remscheider. „Ich wünsche jedem Verein, dass er wieder auf die Beine kommt.“

Hintergrund

Das Land NRW hat für durch die Corona-Krise in Not geratene Vereine ein Sofortprogramm mit dem Titel „Heimat 2020“ gestaltet. Finanzielle Zuschüsse in Höhe von bis zu 15 000 Euro sind möglich. Das Programm soll heimische Traditions- und Brauchtumsvereine dabei helfen, durch Corona bedingte Liquiditätsengpässe zu überwinden. Dabei geht es vor allem um Engpässe durch abgesagte Veranstaltungen oder wegfallende Mieteinnahmen.

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