Arbeiten gehen voran

Verein versetzt Kamin der Feilenfabrik Ehlis wieder in Originalzustand

Hätten den instandgesetzten Kamin gerne vom Dach aus gezeigt: Werner Wand (l.) und Thomas Abbas vom Förderverein zum Erhalt der Feilenfabrik Ehlis blieben bei dem Regenwetter dann doch lieber unter dem Dach stehen. Foto: Roland Keusch
+
Hätten den instandgesetzten Kamin gerne vom Dach aus gezeigt: Werner Wand (l.) und Thomas Abbas vom Förderverein zum Erhalt der Feilenfabrik Ehlis blieben bei dem Regenwetter dann doch lieber unter dem Dach stehen.

Der Ort hat etwas Unwirkliches, Geheimnisvolles, als sei er aus der Zeit gefallen. Im tiefen Remscheider Süden nahe der L 408 in der Honschaft Schlepenpohl, unmittelbar am Lauf des Eschbachs gelegen, erheben sich alte Gemäuer.

Von Peter Klohs

Remscheid. Eigentlich wäre das ein idyllischer Platz, würde nicht ein starker bergischer Landregen niedergehen und die Landschaft verdunkeln. Die alten Gemäuer gehören zur ehemaligen Feilenfabrik Ernst Ehlis, sind seit Jahren als Baudenkmal gekennzeichnet und werden von den Mitgliedern des Fördervereins zur Erhaltung der Feilenfabrik im Schlepenpohl sorgfältig restauriert.

Kaum hat man die ehemaligen Fabrikräume betreten, verstärkt sich das Gefühl des Anachronismus: Man meint, die Metallspäne riechen zu können, die hier vor Dutzenden Jahren auf den Boden fielen, man kann die Standorte der nicht mehr vorhandenen Maschinen ahnen, manche der 24-teiligen Fenster sind an einer Stelle zerbrochen.

Die oberen fünf Meter des Kamins wurden komplett neu aufgebaut

Thomas Abbas, Vorsitzender des Fördervereins, weist auf den gefühlt sicher zehn Meter hohen Kamin der alten Fabrikanlage hin. „In den vergangenen Monaten haben wir den Kamin restauriert“, berichtet er. „Er ist jetzt fertig. Wissen Sie: 120 Jahre Betrieb, zum Teil mit Koks, Kohle und verschiedenen Heizölsorten, verbunden mit dem Bergischen Regen, das geht nicht spurlos an solchen Gebäuden vorbei. Auch Schwefel spielt dabei eine große Rolle. Wir stellten den Kontakt zu Frau Dr. Angela Koch von der unteren Denkmalbehörde her, die uns sagte, wie sie den Kamin nach der Restaurierung gerne hätte. Nachdem wir über Monate die technischen Dinge geklärt hatten, haben wir die oberen fünf Meter des Kamins sorgfältig abgetragen, die Steine fachmännisch gesäubert und den Kamin nach historischem Vorbild wieder aufgebaut, wobei wir große Vorsicht walten ließen, um das Dach nicht zu beschädigen.“

„120 Jahre Betrieb, zum Teil mit Koks, Kohle und verschiedenen Heizölsorten, verbunden mit dem Bergischen Regen, das geht nicht spurlos an solchen Gebäuden vorbei.“

Thomas Abbas, Vorsitzender des Fördervereins

Peter Hardebeck von der Stadtsparkasse Remscheid, die das Projekt finanziell unterstützt, fügt hinzu: „Das ist ja nicht irgendein Schornstein, das ist – vor allem für eine Werkzeugstadt wie Remscheid – schon etwas ganz Besonderes. Das ist ein kulturelles Erbe, und das unterstützen wir gerne.“ Das komplette Kaminprojekt hat circa 40 000 Euro gekostet, wovon die Sparkasse 5000 Euro übernommen hat.

Die Renovierungsarbeiten an der alten Feilenfabrik haben vor drei Jahren begonnen. 2015, nach dem Tod von Horst Ehlis, stand das Objekt zum Verkauf und wurde von Thomas Abbas, Volker Haag sowie Walter Pricken erworben. Zukünftig sollen in den Räumen Platz für Manufakturen und Ateliers geschaffen werden. In der ehemaligen Packstube sind Lesungen und Konzerte geplant.

2022 sollen die ersten Veranstaltungen stattfinden

„2022 wird eine Zeit werden, in der die Menschen alles das nachholen, was ihnen durch Corona lange Zeit vorenthalten wurde“, vermutet Thomas Abbas.

„Die Außenarbeiten sind alle erledigt, der Kamin ist fertig, als Nächstes steht die Restaurierung von drei Gauben in der alten Schmiede an. Es verbleiben noch einige kleinere Arbeiten, wie die Modernisierung der Toiletten und der Elektroinstallationen, und die Themen Brandschutz und Fluchtwege müssen gelöst werden. Wenn die Arbeiten weiterhin wie geplant verlaufen und uns Corona des Weiteren auch nicht mehr in weitere Lockdowns treibt, dann gehe ich davon aus, dass wir hier im Frühjahr 2022 die ersten Veranstaltungen durchführen können.“

Aktuell finden einige Arbeiten an der Decke eines Raumes statt. „Wir verbessern die Akustik“, verrät Abbas. „Hier drin ist viel zu viel Hall.“

Den kompletten Betrag zur Renovierung beziffert Thomas Abbas „im hohen sechsstelligen Bereich“. „Die weitere Finanzierung ist gesichert. Vor allem mit einem so starken Partner an der Seite.“ Peter Hardebeck von der Stadtsparkasse nickt dazu.

Hintergrund

Die Feilenfabrik Ehlis wurde 1829 von Peter Ehlis als Familienunternehmen gegründet. Die Fabrik befand sich bis zum Tod von Ernst Ehlis im Jahr 2015 im Besitz der Familie. Die ältesten erhaltenen Fabrikgebäude datieren aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Im Oktober 2016 gründete sich der Förderverein zur Erhaltung der alten Feilenfabrik. Unter anderem wurde Teile des Anfang 2020 ausgestrahlte Tatorts „Kein Mitleid, keine Gnade“ in den Räumen gedreht. Auch die Fernsehserie „Babylon Berlin“ hatte angefragt.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Offiziell: Stadt kauft Sinn-Leffers-Ruine
Offiziell: Stadt kauft Sinn-Leffers-Ruine
Offiziell: Stadt kauft Sinn-Leffers-Ruine
Auf dem Schützenplatz drehen sich wieder die Kirmes-Karussells
Auf dem Schützenplatz drehen sich wieder die Kirmes-Karussells
Auf dem Schützenplatz drehen sich wieder die Kirmes-Karussells
Werkzeugstadt oder EMA: So macht Politik sich überflüssig
Werkzeugstadt oder EMA: So macht Politik sich überflüssig
Werkzeugstadt oder EMA: So macht Politik sich überflüssig
Keine Mehrheit im Rat: Remscheid bleibt ohne Namenszusatz
Keine Mehrheit im Rat: Remscheid bleibt ohne Namenszusatz
Keine Mehrheit im Rat: Remscheid bleibt ohne Namenszusatz

Kommentare