Schutz für Kinder und Jugendliche

Verdacht auf Gewalt: So geht die Stadt Remscheid vor

Wenn es in einer Familie Verdacht auf Gewalteinwirkungen gibt, reagiert die Stadt.
+
Wenn es in einer Familie Verdacht auf Gewalteinwirkungen gibt, reagiert die Stadt.

Das Jugendamt prüft jeden Fall genau. Manchmal werden auch die Nachbarn gewarnt.

Von Dirk Lotze

Remscheid. Es ist der Ernstfall für Familien und für alle, die mit Kindern zu tun haben: Wenn das Jugendamt mit mehreren Mitarbeitenden unangemeldet das persönliche Gespräch sucht, besteht dringende Sorge um den Schutz von Kindern und Jugendlichen. In einem Fall um Kindesmissbrauch informierte das Remscheider Jugendamt 2021 unter anderem Nachbarn eines Verdächtigen, deren Kinder womöglich Kontakt hatten und in Gefahr waren.

Das Vorgehen ist vom Grundsatz her gleich bei sexualisierter Gewalt, nicht-sexuellen Misshandlungen oder psychischer Gewalt, erläutern auf Anfrage unserer Zeitung Egbert Willecke, Leiter des städtischen Fachdienstes Jugend, Sabine Poppe, Qualitätsmanagerin dieses Fachdienstes, und Thomas Küchler, Abteilungsleiter der Sozialen Dienste.

Bei manchen Einsätzen habe sich im Nachhinein der Verdacht erhärtet, dass der Täter mit am Tisch saß. Andere Beteiligte hingegen seien ahnungslos. Poppe berichtet: „Es gibt alles an Reaktionen - von ,Gut, dass Sie kommen!‘ bis ,Was fällt Ihnen ein?‘“ Küchler fügt hinzu: „Es gibt immer welche, die fallen aus allen Wolken.“
Missbrauchskomplex: Wermelskirchener soll zwölf Kinder missbraucht haben

In Remscheid arbeitet die Stadtverwaltung seit 2019 mit einem zusätzlichen „Krisenteam Jugendhilfe“ für Ausnahmesituationen: Verantwortliche mehrerer Stadtdienste und Fachleute für den Einzelfall stimmen sich ab, den Vorsitz hat der Sozialdezernent Thomas Neuhaus.

Abläufe sind genau festgelegt. Die Verwaltung hatte mit der Einrichtung dieses Teams auf aktuelle Geschehnisse reagiert. Seit 1. Mai 2022 gilt das Landeskinderschutzgesetz, das noch unter der Federführung der bisherigen Landesregierung beschlossen wurde. Es gibt Ämtern zusätzliche Sicherheit, wenn sie die Gesetze umsetzen und entscheiden müssen. Egbert Willecke stellt die Grundlage klar: „Wir reagieren und handeln zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.“

Konkret erhält das Jugendamt Hinweise von Polizei, Kindertagesstätten, anderen Einrichtungen oder von Bürgerinnen und Bürgern. „Manchmal steht auch einfach ein junges Mädchen im Büro und berichtet, was ihm passiert ist“, fügt Thomas Küchler hinzu. Was folgt ist eine Beratung im Team, sagt Sabine Poppe: „Wir fragen uns: Was ist da dran? Was wissen wir schon über die Beteiligten? Wo arbeitet diese oder jene Person und hat sie – auch ehrenamtlich oder in der Freizeit – mit weiteren Kindern zu tun?“ Falls nötig, erfolge der Hausbesuch – immer mindestens zu zweit, zur gegenseitigen Unterstützung.

Mitarbeiter führen eine Gefährdungseinschätzung durch

„Wir gehen auf die Familien zu und führen eine Gefährdungseinschätzung durch“, sagt Thomas Küchler und erläutert: „Wir gehen gezielt auf die Leute zu, die es betrifft. Dabei muss man auch Ross und Reiter benennen. Wir ziehen aber nicht mit einem Megafon über die Straßen und verbreiten Namen von Verdächtigen.“ Vorwürfe könnten sich im Einzelfall als „Retourkutsche“ von Jugendlichen erweisen oder auch als Aktion von Nachbarn.

Vorwürfe von Kindesmisshandlung können stigmatisierend wirken. Die Stadtverwaltung dürfe das Recht der Eltern nicht übergehen, fügt Poppe hinzu, stellte dazu aber klar: „Vorrang hat bei uns immer der Kinderschutz.“ Das Team könne den Betroffenen eine Fülle von Hilfsangeboten machen und andererseits eben auch eingreifen, wenn es nötig ist.

Wichtigste Grundlage für Arbeit und Weiterentwicklung sei die Vernetzung, sagt Sabine Poppe: das Vorgehen im Team, so dass niemand allein steht, der fachübergreifende Austausch. Sie formuliert: „Das Jugendamt allein kann Kinderschutz nicht darstellen.“ Das Thema betreffe Kindertagesstätten, Schulen, Freizeiteinrichtungen und alle, die mit Kindern zu tun haben.

„Das Jugendamt
allein kann
Kinderschutz
nicht darstellen.“

Sabine Poppe, Qualitätsmanagerin im Fachbereich Jugend

Im Notfall jederzeit erreichbar

Jugendamt: Der Bereitschaftsdienst des Jugendamtes/Allgemeinen Sozialdienstes nimmt Meldungen zu Kindesmisshandlungen montags bis donnerstags von 8 Uhr bis 16 Uhr und freitags bis 12 Uhr telefonisch an Tel. (0 21 91) 16 39 44.

Polizei: Unter der Woche nach 16 Uhr, freitags nach 12 Uhr und an Feiertagen und Wochenenden können Meldungen über das Polizeipräsidium in Wuppertal, Tel. (02 02) 2 84-0, oder die Feuerwehr in Remscheid, Tel. (0 21 91) 16-24 00 gemacht werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Unfall: Auffahrt zur A1 ist wieder frei
Unfall: Auffahrt zur A1 ist wieder frei
Unfall: Auffahrt zur A1 ist wieder frei
Baisieper Straße: Sperrung steht an
Baisieper Straße: Sperrung steht an
Baisieper Straße: Sperrung steht an
Leibniz-Schüler retten Äpfel gleich kistenweise
Leibniz-Schüler retten Äpfel gleich kistenweise
Leibniz-Schüler retten Äpfel gleich kistenweise
Kinderarzt: Nicht beim ersten Niesen zu Hause bleiben
Kinderarzt: Nicht beim ersten Niesen zu Hause bleiben
Kinderarzt: Nicht beim ersten Niesen zu Hause bleiben

Kommentare