Klarheit benötigt

Veranstalter hält an Weihnachtstreff in Remscheid fest

Weihnachtstreff-Veranstalter Marcel Müller geht davon aus, dass die Veranstaltung auch in diesem Jahr stattfindet. Archivfoto: Roland Keusch
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Weihnachtstreff-Veranstalter Marcel Müller geht davon aus, dass die Veranstaltung auch in diesem Jahr stattfindet.

Die meisten Großereignisse werden abgesagt – Kein Festzelt in der Karnevalssession.

Von Frank Michalczak, Melissa Wienzek und Andreas Weber

Remscheid. Die Bundeskanzlerin hat sich noch nicht festgelegt, ob Weihnachtsmärkte und Karneval stattfinden können. Generell werden Großereignisse bis Ende 2020 untersagt, hieß es am Donnerstag aus Berlin. Für die meisten Remscheider Veranstalter ist klar, dass sie ihre Termine aus dem Kalender streichen, nur Marcel Müller bleibt optimistisch, dass der 8. Weihnachtstreff am Theodor-Heuss-Platz stattfinden kann.

Für den Schausteller aus Sehnde bei Hannover ist das Thema nicht durch. „Nach Paragraf 68 der Gewerbeordnung handelt es sich beim Weihnachtsmarkt um eine Spezialveranstaltung, die rechtlich genauso zu betrachten ist wie ein Wochenmarkt. Und die dürfen stattfinden.“ Das große Plus sei, dass es sich um eine Freiluftveranstaltung handele und der Platz vor dem Rathaus ideal sei, um Abstandsregeln einzuhalten und den Gästefluss zu dokumentieren.

Zweigleisige Planung: Für Eisbahn gibt es noch nicht genug Sponsoren

Vor drei Tagen hat der Weihnachtsmarkt-Organisator der Stadt sein Hygiene-Konzept eingereicht. „Sicher ist natürlich, dass der Markt dieses Jahr anders aussehen wird“, kündigt Marcel Müller an. Für die Eisbahn plant er zweigleisig. Beim Zuschauermagnet gäbe es drei offene Kernfragen. Falls die Eisbahn aufgebaut wird, bleibt Platz für die restlichen Angebote mit entsprechendem Abstand? Welche Auflagen gibt es für die Schlittschuhfläche? Und: Gibt es in Corona-.Zeiten genug Sponsoren aus der Wirtschaft, um sie zu finanzieren? „Momentan haben wir nur 50 Prozent Zusagen für den benötigten Etat“, meint Marcel Müller. Für Händler und Aussteller sei es überlebenswichtig, sich wieder präsentieren zu können. Ihre letzte Einnahme verbuchten Marcel Müller und sein Bruder am 22. Dezember 2019, dem letzten Tag des 7. Weihnachtstreffs.

Das Weinfest in der Lenneper Altstadt fällt 2020 endgültig der Pandemie zum Opfer. Gastgeber Gunther Brockmann, Vorsitzender der Lenneper Karnevalsgesellschaft (LKG), sieht keine Chance, das Spektakel nachzuholen, das Anfang August stattfinden sollte. Auch für die tollen Tage fällt seine Prognose düster aus. „Es wird in der kommenden Session kein Festzelt geben“, erklärt er. Zu groß seien die wirtschaftlichen Risiken – für den Zeltwirt als auch für die LKG. „Mir tun alle Karnevalsvereine leid, die Verträge mit Künstlern abgeschlossen haben“, sagt Brockmann.

Sie benötigten Klarheit, um nicht auf den Kosten sitzenzubleiben. Ob der Rosenmontagszug über die Bühne gehen kann, sei ebenso mehr als fraglich. „Denn die Karnevalstage fallen im nächsten Jahr schon auf Anfang Februar.“

Brockmann hat eine Alternative im Sinn. „Wir überlegen, Pfingsten 2021 ein Festzelt auf der Robert-Schumacher-Straße am Bahnhof aufzubauen.“ Der Termin ist frei, seit die Schützenkirmes nicht mehr stattfindet. Die Gedankenspiele drehen sich rund um Schlagerparty und ein Familienfest.

Lüttringhausen Weihnachtsmarkt fällt nach 45 Jahren erstmals aus

Thomas Schmittkamp, Vorsitzender des Vereins Lennep Offensiv, sieht keine Hoffnung für den Weihnachtstreff in der Altstadt. „Ich rechne damit, dass Weihnachtsmärkte generell verboten werden. Und unser Treff lebt von der Enge“, erklärt er mit Blick auf Ansteckungsrisiken. Den lebendigen Adventskalender, bei dem in der Vorweihnachtszeit unterschiedliche Geschäfte in Lennep zum Treffpunkt werden, hatte der Verein bereits abgesagt.

Schlechte Nachrichten auch aus Lüttringhausen: Zum ersten Mal in seiner 45-jährigen Geschichte fällt der Weihnachtsmarkt aus. „Auch die Christmas-Fete am Abend davor ist abgesagt“, erklärt Christiane Karthaus, Vorsitzende des Heimatbundes. Dieser konnte in der Vergangenheit stets 10 000 bis 15 000 Besucher beim Weihnachtsmarkt begrüßen. Eigentlich war auch ein großes Bürgerfest geplant – auch dieses fällt aus. „Nun stellt sich die Frage, ob wir das traditionelle Kottenbutteressen Anfang 2021 durchführen können. Ich sehe das kritisch.“ Eine Entscheidung soll im November fallen. 

Absage in Hasten

Positiv: Die über 800 Mitglieder halten dem Heimatbund Lüttringhausen trotz Ausfällen von Großveranstaltungen im Dorf die Treue. Dieses Jahr könne sich der Verein noch über Wasser halten, meint Vorsitzende Christiane Karthaus.

Negativ: Die IG Hasten hat bereits Anfang August die Notbremse gezogen und den Weihnachtstreff an der evangelischen Kirche abgesagt. „Es ist uns leider nicht möglich, die nötigen Maßnahmen umzusetzen“, heißt es zur Begründung. „Wir hoffen auf eine Lösung im Jahr 2021.“

Standpunkt: Hoffen auf 2021

Von Michael Albrecht

Das ist eine ganz bittere Pille für die Lenneper Karnevalsgesellschaft, Lennep Offensiv, den Heimatbund Lüttringhausen und andere Veranstalter, die in Remscheid aktiv sind und mit ihren Veranstaltungen normalerweise dafür sorgen, dass in der Stadt etwas los ist. Aber Weinfest oder Weihnachtsmärkte sind mehr als das.

michael.albrecht@ rga-online.de

Sie sind Treffpunkte für die hier lebenden Menschen. Das gemütliche Beisammensein bei derartigen Veranstaltungen fördert das Gemeinschaftsgefühl und trägt auch zur Identifikation mit der Stadt bei. 

Das ist nicht zu unterschätzen. Außerdem wird auch Geld in die Kassen der veranstaltenden Vereine und Organisationen gespült. Das versetzt sie in die Lage, andere Projekte in Angriff zu nehmen. Doch in Corona-Zeiten ist alles anders. Zu groß ist die Gefahr, dass bei solchen Großveranstaltungen, bei denen die Hygiene- und Abstandsregeln schnell außer acht gelassen werden, der Verbreitung des Virus’ ein neuer Schub gegeben wird. Deshalb bleibt am Ende nur die Hoffnung auf 2021.

Der Vorstand des Verkehrs- und Fördervereins Lennep hat sich entschieden, das 17. Oktoberfest, das vom 2. bis 4. Oktober in Lennep stattfinden sollte, endgültig abzusagen. Schweren Herzens wurde die Entscheidung getroffen. 

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