Politik

US-Amerikanerin erkennt ihr eigenes Land nicht wieder

Hans J. Lietzmann rechnete mit dem Mob. Foto: Anna Schwartz
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Hans J. Lietzmann rechnete mit dem Mob.

Nach dem Sturm auf das Kapitol: Politikwissenschaftler sieht den Trumpismus noch lange nicht besiegt.

Von Axel Richter

Stephanie Horn war immer stolz auf ihr Land. Umso ungläubiger verfolgte die US-Amerikanerin die Bilder vom Sturm auf das Kapitol in Washington. „Wir sind alle geschockt“, sagt die Chefin der Firma Lear Corporation mit 180 Mitarbeitern im Lüttringhauser Gewerbegebiet Großhülsberg. „Ich erkenne mein eigenes Land nicht wieder.“

Lear ist ein global aufgestelltes Unternehmen. In Lüttringhausen entwickelt der Automobilzulieferer mit Konzernsitz im US-Staat Michigan Steck- und Verteilersysteme für Fahrzeug-Innenräume. 2004 übernahm Lear die Gebäude der Firma Grote + Hartmann an der Schlosserstraße.

Dort engagiert sich Lear mit anderen Unternehmen in Umweltfragen, reduziert Abfallaufkommen, Energie- und Wasserverbrauch. Stephanie Horn, die in Florida die State University besuchte und seit 1994 in Deutschland lebt, sind soziales Engagement, dazu Umwelt- und Klimaschutz wichtig.

Mit US-Präsident Donald Trump verband sie mithin wenig, um nicht zu sagen gar nichts.

Stephanie Horn lebt seit 1994 in Deutschland.

Dass der eigene Präsident das Land in die Krise stürzen würde, hatte sie jedoch nicht für möglich gehalten. „Wir sind die älteste Demokratie der Welt und schnell dabei, wenn es darum geht, anderen Ländern zu erklären, was richtig ist“, sagt Stephanie Horn: „Jetzt muss ich sagen: Wir sind kein Vorbild mehr.“

Das kann Prof. Dr. Hans J. Lietzmann nur unterstreichen. „Was in Washington geschehen ist, steht klar im Widerspruch zur Sonntagsansicht, die viele Amerikaner von ihrer Nation haben“, sagt der Politikwissenschaftler an der Bergischen Universität Wuppertal. Dabei habe der Sturm auf das Kapitol eigentlich niemanden überraschen dürfen.

„Es hat sich doch abgezeichnet, dass der Trumpsche Mob irgendwann auf die Straße rennt.“ Am Ende müssten nicht nur die USA froh sein, dass es nicht noch schlimmer gekommen sei, sagt der Professor. „Die ganze Welt muss Angst haben vor einem US-Präsidenten, der auf solche Weise außer Kontrolle geraten kann.“

„Es gibt viele Republikaner ohne einen Funken Ehre im Leib.“
Prof. Dr. Hans J. Lietzmann

Jürgen Hardt (CDU), der Remscheid im Bundestag vertritt, zieht Parallelen zum Sturm auf den Reichstag bei Protesten gegen die Corona-Schutzmaßnahmen. „AfD-Anhänger, Verschwörungstheoretiker und Reichsbürger werden das gut finden, was da in Washington passiert. In den USA, aber auch bei uns in Deutschland, müssen wir einen Weg finden, die Köpfe und Herzen auch derjenigen zu erreichen, die durch Lügen in den digitalen Netzwerken verblendet sind.“

Nach dem Schock bleibt Hardt, der außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist, optimistisch. Auch der Aufruhr habe letztlich nicht verhindert, dass Joe Biden am Ende als 46. Präsident der Vereinigten Staaten durch den US-Kongress bestätigt wurde. Damit habe sich die Demokratie als wehrhaft erwiesen. „Seine Entscheidungen trifft der Kongress nicht unter dem Druck der Straße. Er lässt sich auch nicht durch einen Aufstand wegputschen.“

Prof. Dr. Hans J. Lietzmann hat da weniger Vertrauen. „Trump hat noch nicht verspielt“, sagt er und warnt vor einer zweiten Amtsperiode des Mannes, der seine Wahlniederlage bis heute nicht akzeptiere.

Zwar müsste der Republikanischen Partei mittlerweile klar sein, dass einer wie Donald Trump keinen Zugriff mehr auf das Präsidentenamt und schon gar nicht mehr auf das Militär haben dürfe. Doch, sagt Lietzmann: „Der Trumpismus lebt. Es gibt mittlerweile viele auch gewaltbereite Republikaner ohne einen Funken Ehre im Leib.“

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