Prof. Dr. Horst A. Wessel erklärt

Ist der „Blaue Mond“ überhaupt aufstellbar?

Baudezernent Peter Heinze informierte Presse und Mannesmänner vor Ort: „Der Kopf muss wieder auf den Turm.“ Beides ist im Foto rechts zu sehen. Das Denkmal liegt am Boden des Aldi-Geländes. Fotos: Roland Keusch
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Das Denkmal liegt am Boden des Aldi-Geländes.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Wenn jemand im Schlaf die Geschichte des „Blauen Mondes“ aufsagen kann, dann ist es wohl Prof. Dr. Horst A. Wessel.

Remscheid. Der Vorsitzende des Fördervereins MannesmannHaus war 25 Jahre Leiter des Mannesmann-Archivs. Wir haben dem Geschichtsexperten Fragen zum Denkmal gestellt.

Könnte Aldi den „Blauen Mond“ überhaupt so einfach wieder aufrichten?

Er kennt sich aus: Prof. Dr. Horst A. Wessel leitete 25 Jahre das Mannesmann-Archiv.

Ja, sagt der Professor, allerdings müssten dafür Vorarbeiten erledigt werden. „Wegen des Sturms haben die Einsatzkräfte den Kopf damals abgeflext“, erklärt Wessel. „Es wäre einfacher gewesen, man hätte ihn abgehoben, was möglich gewesen wäre. Doch man sah Gefahr im Verzug.“ Um den „Blauen Mond“ wieder aufzurichten, müssten innen Stützen eingezogen werden. Diese müssten dann verschweißt werden. Erst dann könnte Aldi das Denkmal wieder aufstellen. „Das steht der Sache also nicht im Wege“, betont Wessel. Klar sei aber: Die einstigen Neonröhren, die für das blaue „MW“ sorgten, würden künftig nicht mehr eingebaut.

Wie bewerten Sie den Widerspruch Aldis gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts?

„Durch den Widerspruch ist die Wiederaufrichtung weiter hinausgezögert worden. Wir werden nicht locker lassen, das ist klar. Wir sind es den Mannesmännern und Remscheid schuldig“, sagt der Vorsitzende des Fördervereins.

Wem gehören eigentlich die Antennen am Turm?

Es handelt sich um Mobilfunkantennen, die einst Mannesmann-Mobilfunk gehörten, heute Vodafone. Aldi als Eigentümer des Geländes erhalte für die Antennen Geld vom Mobilfunkanbieter.

Wie viele Mitglieder hat der Förderverein?

„Etwa 100 aktive , etwa 50 sehr aktive“, sagt Prof. Wessel. Wer sich informieren möchte: foerderverein-mannesmannhaus.jimdofree.com

Der aktuelle Stand im Gerichtsverfahren: Der Fall ist mittlerweile vom Verwaltungsgericht Düsseldorf an das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster übergeben worden und wird dort unter dem Aktenzeichen 10A2973/20 geführt. Der Antrag auf Zulassung einer Berufung, die Aldi beim Verwaltungsgericht Düsseldorf gestellt hatte, müsse nun begründet werden, sagt OVG-Pressedezernentin Dr. Gudrun Dahme. Dann erhalte die Gegenseite die Möglichkeit, Stellung zu beziehen. Dann erst entscheide der Senat. Eine Entscheidung noch dieses Jahr sei eher unwahrscheinlich.

Artikel vom 3. November 2020

„Blauer Mond“: Aldi wehrt sich - Mannesmänner sind wenig überrascht

Die Interessengemeinschaft Blauer Mond ist wenig überrascht über die Nachricht, dass Aldi Rechtsmittel gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf eingelegt hat.

Gibt sich weiter kämpferisch: Bernd Schützeberg.

Remscheid. Update vom 3. November 2020: „Das war mir von vorneherein klar“, sagt Bernd Schützeberg, ehemaliger Betriebsratschef der Mannesmann-Präzisionsrohr GmbH. Seit über fünf Jahren kämpft er gemeinsam mit seiner Frau Riet und den weiteren Mannesmännern dafür, dass der „Blaue Mond“ wieder aufgestellt wird. Schützeberg bedauert den Verfall des Denkmals, das seit 2015 auf dem Discounter-Gelände an der Burger Straße vergammelt. „Man kann es schon fast nicht mehr als solches erkennen.“

Er bleibe dabei: Damit sich ein vielfach geforderter Frischemarkt, ein Drogeriemarkt und vielleicht ein Café auf dem Areal ansiedeln könnten, müsste das Einzelhandelskonzept geändert werden. „Solange sich die Politik nicht bewegt, ändert sich nichts. Und so kann es doch dort nicht bleiben.“ Er werde weiter für den „Blauen Mond“ und für eine bessere Einkaufssituation im Süden kämpfen. -mw-

Artikel vom 2. November 2020: „Blauer Mond“: Aldi wehrt sich gegen Urteil

Der Discounter Aldi will das Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf im Falle des „Blauen Mondes“ offenbar nicht so einfach hinnehmen.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Aldi hat Ende vergangener Woche einen Antrag auf Zulassung einer Berufung bei der Behörde gestellt. „Es handelt sich hierbei um ein vorgeschaltetes Verfahren. Die Berufung wird nur unter bestimmten Aspekten vom Oberverwaltungsgericht zugelassen“, erklärt Dr. Jana Lorenz, Vorsitzende Richterin am Verwaltungsgericht Düsseldorf, auf RGA-Anfrage. Das Oberverwaltungsgericht in Münster prüfe nun, ob die von Aldi geforderte Berufung zugelassen wird oder nicht.

Das Verwaltungsgericht in Düsseldorf hatte die Klage zuletzt abgewiesen – und damit der Stadt Remscheid bescheinigt, dass ihre Ordnungsverfügung gegen Aldi, den Turm wieder aufzurichten, zulässig war. Denn auf dem Gelände des Discounters liegt das Denkmal seit einem Sturm 2015 am Boden. Einer Verfügung, das „MW“ wiederaufzurichten, kam Aldi nicht nach – und reichte daraufhin am 28. Mai 2018 Klage gegen die Stadt Remscheid ein. Anfang Oktober gab es nun eine mündliche Verhandlung. Das Urteil aus Düsseldorf traf postwendend bei der Stadt ein: Das Verwaltungsgericht sei in allen Punkten der Klageerwiderung der Stadt Remscheid gefolgt, erklärte Baudezernent Peter Heinze am 7. Oktober vor Ort. Das bedeute, das Gericht erkenne an: „Der ,Blaue Mond‘ ist ein Denkmal, auch wenn er demontiert ist. Und auch Mobilfunkmasten, die am Turm angebracht sind, hindern nichts daran.“ Das Wahrzeichen des ehemaligen Mannesmannkonzerns sei ein wichtiges Denkmal für die gesamte Stadt – es bilde die Industriegeschichte Remscheids ab.

Vier Wochen hatte Aldi nun Zeit, Rechtsmittel einzulegen. Was der Discounter nun auch getan hat. „Dass sie Rechtsmittel einlegen, kann ich nicht verstehen“, sagt Bezirksbürgermeister Stefan Grote (SPD). „Man hätte es einfach akzeptieren sollen. Denn das Gericht hat alle Argumente widerlegt“, sagt Grote. „Von dem Verhalten bin ich enttäuscht. Ich hoffe, dass die Zulassung der Beschwerde abgewiesen wird. Und ich hoffe, dass die Mannesmänner nicht enttäuscht sind darüber.“

Artikel vom 7. Oktober 2020

Gericht: Aldi muss „Blauen Mond“ wieder aufstellen

Das Verwaltungsgericht weist die Klage gegen die Stadt Remscheid zurück – Revision möglich.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Fünf Jahre, nachdem die Mannesmänner ihren Kampf um den „Blauen Mond“ aufgenommen haben, können sie nun einen Sieg einfahren: Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat die Klage des Discounters Aldi gegen die Stadt Remscheid zurückgewiesen. Das bedeutet: Der „Blaue Mond“ muss wiederaufgestellt werden. „Der Kopf muss wieder auf den Turm. Wir freuen uns sehr, dass uns das gelungen ist“, erklärte Baudezernent Peter Heinze am Dienstagabend auf dem Aldi-Gelände an der Burger Straße vor einem Dutzend Interessierter. Dort liegt das Mannesmann-Denkmal seit einem Sturm 2015 am Boden. Einer Verfügung, das „MW“ wiederaufzurichten, kam Aldi nicht nach – und reichte daraufhin am 28. Mai 2018 Klage gegen die Stadt Remscheid ein.

Baudezernent Peter Heinze informierte Presse und Mannesmänner vor Ort: „Der Kopf muss wieder auf den Turm.“

Das Urteil sei gerade frisch eingetroffen, sagte Heinze. Es ist aber noch nicht rechtskräftig. Aldi hat nun vier Wochen Zeit, in Revision zu gehen. „Diese muss dann aber gut begründet werden“, erklärte der Baudezernent. Man wisse nicht, wie sich der Gegner diesbezüglich positionieren wolle. Vergangene Woche Donnerstag erst wurde in Düsseldorf mündlich verhandelt.

Das Verwaltungsgericht sei in allen Punkten der Klageerwiderung der Stadt Remscheid gefolgt, sagte Heinze. Das bedeute, das Gericht erkenne an: „Der ,Blaue Mond‘ ist ein Denkmal, auch wenn er demontiert ist. Und auch Mobilfunkmasten, die am Turm angebracht sind, hindern nichts daran.“ Auch eine mögliche Beleuchtung sei im Rahmen des Denkmalschutzes erlaubt. „Das Gericht hält es zudem für zumutbar, dass solch eine Anlage auf dem Gelände betrieben wird.“

Das Wahrzeichen des ehemaligen Mannesmannkonzerns sei ein wichtiges Denkmal für die gesamte Stadt, betonte Heinze. „Es bildet die Industriegeschichte Remscheids ab. Der ,Blaue Mond‘ ist ein Identifikationsobjekt.“ Der „Remscheider Mond“ werde von seiner Bedeutung her gar mit dem Bayer-Kreuz in Leverkusen verglichen.

„Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“
Stefan Grote, Bezirksbürgermeister Südbezirk

„Wir haben heute gewonnen“, erklärte auch Bezirksbürgermeister Stefan Grote (SPD) – und erntete dafür Applaus. „Hier spiegelt sich wider: Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Politik, Verwaltung und Mannesmänner hätten in dieser Angelegenheit gut zusammengearbeitet. „Seitens der Politik werden wir nun alles geben. Unsere Unterstützung haben Sie“, sagte Grote an Heinze gewandt. Sein Dank gehe vor allem auch an Dr. Angela Koch von der Unteren Denkmalschutzbehörde.

„Blauer Mond“ seit langem am Boden

 © Andreas Kratz
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 © Roland Keusch
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Sollte die gegnerische Partei keine Revision einlegen, könnte der Wiederaufbau zügig starten. Bei Bernd Schützeberg, Ex-Betriebsratschef der Mannesmann Präzisions GmbH und erstem Mond-Kämpfer, ist die Freude verhalten: „Warten wir erst mal den 2. November ab.“

Elke Rühl: Verhaltene Freude ob des Urteils

Update vom 7. Oktober 2020: Elke Rühl, Sprecherin der CDU-Fraktion in der BV Süd, reagiert vorsichtig optimistisch auf das Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf in puncto „Blauer Mond“. Dieses hatte die Klage von Aldi gegen die Stadt zurückgewiesen.

Elke Rühl glaubt erst daran, wenn der „Mond“ aufgeht.

Bedeutet: Das Denkmal muss wieder aufgerichtet werden. „Nun bestehen gute Chancen, dass dieses Wahrzeichen des Südbezirks wieder auf dem Aldi-Parkplatz aufgestellt wird“, sagt Rühl, die sich bei den Mannesmännern und der Stadtverwaltung für ihren beharrlichen Einsatz bedankt. „Allerdings wird richtige Freude bei mir erst aufkommen, wenn der ‚Blaue Mond‘ wieder über dem Südbezirk aufgeht.“ 

Sie erinnert daran, dass die Hoffnungen der Bürger in der Vergangenheit schon oft enttäuscht worden seien. „Ich erinnere mich noch an den 30. November 2015. Damals hatte die Stadt mitgeteilt, dass die zwischen der Verwaltung und der Firma Aldi geführten Gespräche zum Wiederaufbau des Mannesmann-Turms offensichtlich zu einem positiven Ergebnis geführt hätten.“ Die CDU-Fraktion hatte zuvor einen Antrag in der BV gestellt, mit dem die Verwaltung beauftragt wurde, umgehend Gespräche mit Aldi aufzunehmen – mit dem Ziel, die Spitze wieder auf den Turm zu setzen. -mw- 

Standpunkt: Licht am Horizont

Von Melissa Wienzek

Seht ihr den Mond dort stehen, er ist nur halb zu sehen – und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht seh’n.“

melissa.wienzek@rga-online.de

Diese Zeilen aus Hermann Preys Lied „Der Mond ist aufgegangen“ könnte die aktuelle Hymne des Denkmals auf dem Aldi-Gelände sein. Doch nun verschiebt sich das Gefüge – und es erscheint ein Licht am Horizont: Der „Blaue Mond“ könnte bald schon wieder über Bliedinghausen aufgehen. Ob er dann auch wieder in der Mannesmann-Konzernfarbe Blau leuchtet, steht derzeit allerdings noch in den Sternen. 

Der 6. Oktober wird jedenfalls in die Historie des Wahrzeichens eingehen. Das, wofür die Mannesmänner fünf Jahre gekämpft haben, scheint zum Greifen nah: die Wiederaufstellung ihres Firmendenkmals. Hier zeigt sich erneut ein leuchtendes Beispiel dieser Stadtgesellschaft: Verwaltung, Politik und Remscheider Bürger haben sich gemeinsam für die Sache eingesetzt. Wenn Aldi die Klage des Verwaltungsgerichts anerkennt, könnte der Aufbau bald starten. Denn der „Blaue Mond“ ist ein wichtiges Industriedenkmal – das gibt es nun Schwarz auf Weiß.

VIDEO

Seit einem Sturm 2015 liegt das Denkmal am Boden des Aldi-Geländes Burger Straße. Die Stadt hatte eine Verfügung zur Wiederaufrichtung erlassen.

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