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Unverpackt-Laden kommt gestärkt aus der Krise

Melanie Rothe kann wieder strahlen. Ihr Laden Urginell & Unverpackt an der Hindenburgstraße zählt viele Freunde. Foto: Roland Keusch
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Melanie Rothe kann wieder strahlen. Ihr Laden Urginell & Unverpackt an der Hindenburgstraße zählt viele Freunde.
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Eine Woche nach der Eröffnung folgte der Lockdown: Melanie Rothe hat Schock und Angst überwunden.

Von Axel Richter

Alt-Remscheid. Melanie Rothe war glücklich. Zur Eröffnung am 6. März drängten sich die Menschen dicht an dicht in ihrem Unverpackt-Laden. Darauf hatte in ihrem Bekanntenkreis keiner gewettet. Doch mit ihrem Geschäft für biologisch erzeugte Lebensmittel mit Café und Bistro an der Hindenburgstraße war sie ganz offenbar in eine Nische vorgestoßen. Täglich entdeckten neue Kunden das Angebot unverpackter, regional erzeugter Produkte.

Eine Woche war das so, dann kam Corona. „Niemand war mehr unterwegs, die Straße war wie tot. Und ich hatte Angst“, erzählt Melanie Rothe. Die ist verflogen. Denn in der Krise gewann ihr kleiner Laden noch einmal neue Freunde. Und das lag nicht nur daran, dass es dort nach wie vor Klopapier zu kaufen gab.

Urginell & Unverpackt heißt das Geschäft, das die 38-jährige Remscheiderin vor einem knappen halben Jahr in den Räumen der einstigen Kneipe Kaffeehaus direkt gegenüber dem Gertrud-Bäumer-Gymnasium eröffnet hat. Dort gibt es zum Abfüllen Grünkern und Bulgur, Linsen und Jasminreis, Amaranth und Quinoa, ein Scheingetreide aus den Anden, das schon die Inka zu schätzen wussten. Zum Mitnehmen oder für sofort stehen mittags Quiche und bunte Burger auf der Speisekarte. Oder Linsensuppe vier Himmelsrichtungen. Die schmeckt süß, sauer, würzig oder bitter – je nachdem, ob Aprikose, Apfelchips, Chili, oder Cayennepfeffer in ihnen steckt.

Die vegetarische und vegane Kost kommt an. Lehrer vom Gymnasium gegenüber lassen sie sich schmecken. Und ebenso ihre Schülerinnen und Schüler. Etliche Eltern haben ein eigenes Kundenkonto für ihre Kinder bei Melanie Rothe eröffnet. Und dann sind da die Stammkunden wie Hakim Soultana. Der Immobilienberater von der LBS nebenan gönnt sich am Nachmittag ein Stück Kuchen und einen Kaffee im Unverpackt-Laden. Der Nachbar weiß: „Auch Naschen kann gesund sein.“

„Die meisten haben gesagt: Das macht in Remscheid keinen Sinn.“

Melanie Rothe

Gesunde Ernährung ist Trend. Dazu wächst zumindest in Teilen der Gesellschaft das Bewusstsein dafür, dass alles kein gutes Ende nimmt, wenn der Berg aus Verpackungsmüll weiter anwächst. Das Konzept der Unverpackt-Läden hat sich in den Großstädten deshalb bereits etabliert. Und nicht nur dort. Auch in Wermelskirchen und Radevormwald gibt es sie. Da sollte das Angebot doch auch in Remscheid ankommen.

Melanie Rothe, im Schwarzwald aufgewachsen und von Hause aus Sporttherapeutin, erzählte Dr. Volker Schatz von ihrer Idee. Schatz war nicht nur als Unternehmer erfolgreich und gründete später das Theater Schatzkiste am Remscheider Markt; der Rollstuhlfahrer wurde auch bereits Deutscher Meister im Paratriathlon. Melanie Rothe ist seine Trainerin. Der Unternehmer riet ihr zu. Als einer von wenigen.

„Die allermeisten haben gesagt, das mache in Remscheid keinen Sinn, das werde hier eh nicht angenommen“, erzählt Melanie Rothe. Doch das Gegenteil trat ein. Und die Nachbarn der Hindenburgstraße waren dabei nicht unbeteiligt, sagt Melanie Rothe: „Ich bin hier von allen sehr herzlich aufgenommen worden.“

Bei Christoph Imber und seiner Gründerschmiede fand sie Unterstützung. Dort entstand die Idee, den Laden mit einer Crowdfunding-Kampagne ins Leben zu rufen. Und in Constanze Epe, die an der Hindenburgstraße ihr Malergeschäft betreibt und das Gebäude mit der Hausnummer 45 erworben hatte, fand Melanie Rothe eine Vermieterin, die sich einen neuen Treffpunkt für die Hindenburgstraße wünschte. Sie ließ das alte Kaffeehaus sanieren, und die Gründerin einziehen.

„Ich bin sehr glücklich hier“, sagt Melanie Rothe heute. Auch den Schock der Corona-Krise hat sie verdaut. Schon kurz nach dem Lockdown standen wieder Kunden in dem kleinen Laden. Einige kamen selbst aus Wuppertal, um in dem Geschäft an der Hindenburgstraße einzukaufen. „Wir waren vorübergehend tatsächlich die einzigen, die Mehl, Reis, Nudeln und Klopapier hatten“, erzählt Melanie Rothe mit einem Lachen. Darin liegt viel Dankbarkeit. Gegenüber ihren Kunden und gegenüber ihren Nachbarn der Hindenburgstraße. „Ich habe es hier einfach gut getroffen.“

Die RGA-Stadtteilserie dreht sich momentan um Alt-Remscheid. Im ersten Teil ging es um den Stadtfriedhof: Er erzählt Geschichte(n) und birgt Geheimnisse.

Reden Sie mit!

Am Dienstag, 28. Juli,  geht es in der RGA-Stadtteilserie um die Zukunft der Alleestraße. Welche Strategie und welche baulichen Veränderungen sollte die Stadt vornehmen? Ab 16 Uhr spricht der RGA dazu mit dem Planungsbüro Stadtguut aus Bochum. Wer mitreden möchte, begibt sich am Dienstag um 16 Uhr auf die RGA-Facebookseite. Fragen vorab per E-Mail an redaktion@rga-online.de.

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