Corona-Krise

Unterricht bei Hitze und mit Maske

Am Röntgen-Gymnasium setzt Leiter Thomas Benkert weiterhin auf das schon vor den Ferien eingeführte Wegesystem. Außerdem wird der Schulhof für die Pausen aufgeteilt und um den Lehrerparkplatz erweitert. Und natürlich gilt am Rögy Maskenpflicht. Archivfoto: Roland Keusch
+
Am Röntgen-Gymnasium setzt Leiter Thomas Benkert weiterhin auf das schon vor den Ferien eingeführte Wegesystem. Außerdem wird der Schulhof für die Pausen aufgeteilt und um den Lehrerparkplatz erweitert. Und natürlich gilt am Rögy Maskenpflicht.

Zum ersten Schultag gelten neue Corona-Regeln.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Brütende Hitze. Und Corona-Auflagen. Jedes für sich genommen würde den ersten Schultag schon unangenehm genug machen. Zusammen kommt auf die Schüler aber eine Herausforderung zu, wie es sie seit Jahrzehnten nicht gegeben hat. Und hoffentlich lange nicht mehr geben wird. Waren vor den Ferien immer nur einige Schüler gleichzeitig im Schulgebäude, sind ab sofort wieder alle zeitgleich da. Um trotzdem Ansteckungen zu verhindern, gibt es zahlreiche Vorkehrungen, darunter eine Maskenpflicht für alle ab der fünften Klasse. Auch im Unterricht.

„Wenn ich mir vorstelle, dass 30 Schüler bei hohen Temperaturen mit ihren Masken in schlecht belüfteten Klassenzimmern unterrichtet werden, kommen mir doch einige Zweifel an dieser Regelung“, sagt zum Beispiel Peter Lange, Vorsitzender des DGB in Remscheid, der auch als Vater betroffen ist. Seine Tochter besucht ab sofort die zehnte Klasse des Lenneper Röntgen-Gymnasiums.

Dessen kommissarischer Schulleiter Thomas Benkert kann die Bedenken von Schülern und Eltern verstehen, sieht die Maskenpflicht aber als „alternativlos“ an, wie er sagt: „Wir können den Abstand ansonsten einfach nicht einhalten, so große Klassenräume haben wir nicht.“

„Viele sagen, dass das besser ist, als wieder auf Distanz zu lernen.“

Ute Brocke (GEW) über Masken

Um Schülern und Lehrern entgegenzukommen, habe man aber kleine Atempausen eingeführt, berichtet Benkert: In jeder Stunde geht jede Klasse ein paar Minuten auf den Hof, um frische Luft zu schnappen und etwas zu trinken. „Dafür haben wir vier Plätze und einen entsprechenden Zeitplan eingerichtet.“ Damit sich die Klassen nicht begegnen.

Die neue Regelung, insbesondere die Maskenpflicht, entweder als unzumutbar oder als leider notwendig einzuschätzen, dieser Riss zieht sich auch mitten durch die Remscheider Lehrerschaft, wie Ute Brocke von der Gewerkschaft GEW berichtet. „Wir haben dazu keine einheitliche Meinung“, sagt Brocke – und berichtet von Kolleginnen und Kollegen, die sich bei ihr erbost über den Landesverband der GEW beschwert hätten, weil dieser die Regeln ablehnt. „Viele sagen, dass das besser ist, als wieder auf Distanz zu lernen.“

Man müsse nun abwarten, „wie sich das Ganze in der Praxis bewährt“, so Brocke. „Bei uns bleiben ganz viele Fragezeichen.“ Angesichts der angekündigten hohen Temperaturen gibt es von der Gewerkschafterin aber eine deutliche Forderung: „Mit der Hitzefrei-Regelung sollte man in den kommenden Tagen etwas großzügiger umgehen.“

Genau das will man am Rögy machen, sagt Thomas Benkert, der froh ist, dass er seit dieser Woche auch Oberstufenschüler bei Hitze nach Hause schicken darf: „Wir werden voraussichtlich für die ersten drei Tage auf den kompletten Nachmittagsunterricht verzichten.“ Wegen des Wetters zum einen. Aber auch, weil man den dauerhaften Umgang mit der Maske erst noch erlernen müsse.

Neben den Masken setzt Benkert auf das schon vor den Ferien eingeführte Wegesystem: „Das hat sich bewährt.“ Außerdem wird der Schulhof aufgeteilt und erweitert. Jede Stufe bekomme einen eigenen Bereich, berichtet Benkert, dabei werde auch der Lehrerparkplatz genutzt. „Und die Oberstufenschüler verbannen wir während der Pausen ganz vom Schulhof.“

Trotz dieser Regelungen sei man bemüht „möglichst normal zu starten“, sagt der kommissarische Schulleiter: „Die erste Stunde ist eine Klassenlehrerrunde, wie jedes Jahr.“ Nur dass neben dem Stundenplan auch die Corona-Regeln besprochen würden. Schließlich überwiege bei Lehrern wie bei Schülern die Freude, sich endlich wieder zu sehen: „Noch nie sind Kinder so gerne wieder zur Schule gegangen wie in diesem Jahr.“

Nach den Ferien gilt an den weiterführenden Schulen die Maskenpflicht auch im Unterricht: So reagierten Remscheider Schulleiter auf die Ankündigung.

In unserem Live-Blog finden Sie aktuelle Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Remscheid.

Hintergrund

Dieses Schuljahr soll möglichst vollständig im Präsenzunterricht stattfinden, das ist das erklärte Ziel von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Um das gewährleisten zu können, hat NRW als einziges Bundesland die Maskenpflicht im Unterricht beschlossen, davon ausgenommen sind nur Schüler der Klassen 1 bis 4, wenn sie an ihrem Platz sitzen. Außerdem ist regelmäßiges Lüften vorgeschrieben. Räume, bei denen das nicht möglich ist, sind nicht für den Unterricht zugelassen.

Standpunkt: Verantwortung vor Ort

Von Sven Schlickowey

sven.schlickowey@rga-online.de

Es ist die sprichwörtliche Quadratur des Kreises: Die Schule muss endlich wieder starten, allein schon den Kindern und den Familien zuliebe, doch das aktuelle Infektionsgeschehen, nicht zuletzt verursacht durch Reiserückkehrer, lässt das eigentlich gar nicht zu. NRW hat darauf als einziges Bundesland mit einer Maskenpflicht reagiert – was durch die aktuelle Wetterlage nicht gerade besser wird. Man muss das nicht gut finden, und man kann auch der Meinung sein, dass das Ministerium die Ferien nicht wirklich gut genutzt hat, um alles vorzubereiten. 

Man sollte aber anerkennen, dass die Landesregierung wenig Alternativen zum Schulstart hatte. Wie groß wäre sonst das Geschrei gewesen. Und wenn es schon wieder losgeht, dann bietet die Maske zumindest ein wenig Schutz mehr. Die Verantwortung, das mit Vernunft umzusetzen, liegt allerdings vor Ort, bei der Lehrkräften und Schulleitungen, die wieder einmal sehen müssen, wie sie aus einer Regelung aus Düsseldorf das Beste machen. Und die sich dabei sicherlich über ein wenig Unterstützung freuen würden.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Brand in der Eberhardtstraße: Zwei Wohnungen unbewohnbar
Brand in der Eberhardtstraße: Zwei Wohnungen unbewohnbar
Brand in der Eberhardtstraße: Zwei Wohnungen unbewohnbar
Impfparty kommt in Remscheid gut an
Impfparty kommt in Remscheid gut an
Impfparty kommt in Remscheid gut an
Corona: Inzidenz bei 5,4 - Sterberate in Remscheid steigt um 9,2 Prozent
Corona: Inzidenz bei 5,4 - Sterberate in Remscheid steigt um 9,2 Prozent
Corona: Inzidenz bei 5,4 - Sterberate in Remscheid steigt um 9,2 Prozent
Welches Gebäude ist auf dem Foto zu sehen?
Welches Gebäude ist auf dem Foto zu sehen?
Welches Gebäude ist auf dem Foto zu sehen?

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare