Wirtschafts- und Mittelstandsvereinigung

Unternehmer üben Kritik am Staatsfunk

Michael Boll, Verleger und Herausgeber des Remscheider General-Anzeigers, sprach am gestrigen Abend im Schützenhaus vor den Mitgliedern der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU Remscheid. Er setzt fest auf die Stärken der lokalen Berichterstattung – in gedruckter Form und im Internet. Foto: Roland Keusch
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Michael Boll, Verleger und Herausgeber des Remscheider General-Anzeigers, sprach am Dienstagabend im Schützenhaus vor den Mitgliedern der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU Remscheid. Er setzt fest auf die Stärken der lokalen Berichterstattung – in gedruckter Form und im Internet.
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Mitgliederversammlung der CDU-Wirtschafts- und Mittelstandsvereinigung. RGA-Verleger Michael Boll sprach zur Zukunft der Zeitung.

Von Axel Richter

So viel wurde deutlich: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk gerät unter Druck. Zwar betonen seine Fürsprecher nahezu mantrahaft, was für ein hohes und bewahrenswertes Gut er darstelle, so dass der Zuhörer leicht den Eindruck gewinnt, das Volk der Deutschen falle erneut der Barbarei anheim, wenn ihnen ARD, ZDF und Co. nicht weiterhin den Weg zu Demokratie und Frieden weisen. Doch gerade die Bevormundung, die daraus spricht, bringt den gebührenfinanzierten Funk- und Fernsehmachern Kritik ein.

„Schreiben Sie gegen die Steuereintreiber von ARD und ZDF an“, forderte Henner Blecher, Unternehmer und einstiger Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) in der CDU Remscheid, am Dienstagabend. Und MIT-Mitglied Ralf Wieber stimmte ein: „Ich will endlich selbst entscheiden, wofür ich bezahle.“

Adressat des Appells war Michael Boll, Verleger und Herausgeber des Remscheider General-Anzeigers. Die Chefs kleiner und mittlerer Unternehmen hatten ihn für ihre Mitgliederversammlung zum Vortrag eingeladen. „Von Gutenberg zu Zuckerberg“ hatte er seine Ausführungen überschrieben.

„Schreiben Sie gegen die Steuereintreiber von ARD und ZDF an.“
Henner Blecher, Unternehmer

Tatsächlich erwies sich die Öffnung des Internets für kommerzielle Zwecke im Jahr 1991 als die einschneidendste mediale Neuentwicklung seit Erfindung des Buchdrucks. Verschwinden werden die gedruckten Zeitungen deshalb nicht. Da zeigte Michael Boll sich überzeugt. Und im Internet gehören sie ohnehin zu den populärsten Angeboten. Das spiegelt sich in den Reichweiten wider: 1998 lasen 79 Prozent der Deutschen regelmäßig eine Tageszeitung. Heute sind es nicht weniger, sondern mehr: 86 Prozent der Deutschen lesen die Zeitung – weiterhin in gedruckter Form und zunehmend im Netz.

So oder so: Michael Boll setzt ganz auf die Stärke der lokalen Zeitung. In Remscheid findet sie ihre Leser – so wie in jeder Stadt mit einem starken Gemeinschaftsgefühl. Die Zeitung ist zudem ein Medium der Entschleunigung, sie bietet Hintergrund statt hektischer Echtzeit-Nachrichten.

Und: Ihre Inhalte werden nach professionellen Standards aufbereitet. Was die Zeitung von den sozialen Netzwerken unterscheidet, wurde Mathias Döpfner, Springer-Chef und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, einst gefragt. Seine Antwort: „Das Prinzip Zeitung ist das Prinzip Verantwortung.“

MIT REMSCHEID

VEREINIGUNG Die Wirtschafts- und Mittelstandsvereinigung (MIT) der CDU nimmt für sich in Anspruch, die Interessen der kleinen und mittleren Unternehmen in Remscheid zu vertreten. Erstmals lobte die MIT in diesem Jahr den MIT-Innovation-Award aus. Vorsitzender Alexander Lampe will damit die Stärken der heimischen Wirtschaft in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung rücken.

Die Herausforderung, die sich den Medienhäusern stellt, ist die der Monetarisierung ihrer Nachrichten. Denn anders als der gebührenfinanzierte Rundfunk müssen die privaten Unternehmen nun einmal Geld verdienen. Nur dann können sie eine qualitativ hochwertige Berichterstattung garantieren. Nur dann können sie dafür sorgen, dass die öffentliche Meinungs- und Willensbildung nicht der Wut- und Hasskultur in den sogenannten sozialen Medien, den Algorithmen der Plattformen, den Fake News und Social Bots und der Allmacht der Internetkonzerne überlassen wird.

Ein Sparwille ist nicht erkennbar

Die Risiken, denen die freie Presse heute ausgesetzt ist, fasste die Frankfurter Allgemeine Zeitung einst so zusammen: „Wenn zwischen Staatsfunk und Google für die freie Presse kein Platz mehr bleibt, wird diese Republik eine andere sein.“

Aus der Sicht von Verlegern wie Michael Boll trifft das den Nagel auf den Kopf. Denn weder setzt der Gesetzgeber den Internetriesen bei ihrem einträglichen Geschäft mit Nutzerdaten Grenzen, noch zeigen sich die Politiker in den Sendergremien bereit, den gebührenfinanzierten Anstalten die Gründung immer neuer Spartenkanäle zu verweigern.

Und Sparwille ist ohnehin nicht zu erkennen. Ganz im Gegenteil schicken sich die Intendanten an, bald erneut an der Gebührenschraube zu drehen. Das bleibt zunehmend jedoch nicht unwidersprochen, wie sich am Abend bei der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung zeigte. Michael Boll verwies auf die kritische Berichterstattung, die im RGA bereits erschienen ist. Doch die Zeitung solle darin nicht nachlassen, forderten die Unternehmer: „Die Menschen sind längst mündig genug, selbst zu entscheiden, welche Medieninhalte sie konsumieren möchten.“

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