Unternehmer blickt gespannt auf den Brexit

Stephan Kohn in einem seiner Showrooms in dem Wohnhaus in Büchel vor einem der extrabreiten Herde von dem britischen Hersteller Esse. Foto: Andreas Weber
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Stephan Kohn in einem seiner Showrooms in dem Wohnhaus in Büchel vor einem der extrabreiten Herde von dem britischen Hersteller Esse. Foto: Andreas Weber

Stephan Kohn bezieht seine edlen Küchenherde aus Großbritannien – EU-Austritt wirft viele Fragezeichen auf

Von Andreas Weber

Hasten In Büchel verfolgt Stephan Kohn das EU-Austritts-Gezerre um das abwanderungsbereite Großbritannien mit großem Interesse. Mit seiner Frau, der Innenarchitektin Gabriele Hartmann betreibt er „British Stoves“, verkauft hochwertige Möbel und Küchen in traditioneller Handarbeit, angelehnt an den britischen Landhausstil. Die individuellen Einrichtungsgegenstände werden in einer Ronsdorfer Schreinerei gefertigt, seine Herde bezieht Kohn freilich aus dem Nordwesten Englands, der Kleinstadt Barnoldswick in Lancashire. Wie wird sich der Import von der Insel gestalten, wenn der Brexit durch ist?

Der 57-Jährige kennt die Antwort noch nicht, räumt aber ein: „Die Unsicherheit ist groß, weil die Verhandlungen mit Großbritannien stocken. Die Austrittsgespräche sind keinen Schritt weiter. Die Hälfte der Übergangszeit ist rum, aber nichts ist passiert.“ Kohns Partner ist die Traditionsfirma Esse, die gusseiserne Premium-Herde herstellt. Mit Elektrizität oder Holzbrand betrieben, sind die robusten, massiven Nobel-Produkte echte Wertarbeit.

Emailliert werden sie in dem Werk in Barnoldswick. „British Stoves“ nimmt 70 bis 100 Stück pro Jahr ab. Für Esse sind die Hastener Geschäftsleute der größte EU-Kunde. Die Herde, die zwischen 3900 und 10 000 Euro im Verkauf liegen, werden wohl nach dem Ende der Übergangsfrist zum 1. Januar 2021 mit einer Preissteigerung an die hiesigen Kunden weitergegeben werden.

„Wir rechnen mit einem Aufschlag von drei bis fünf Prozent. Das wäre in diesem hochpreisigen Segment zu verkraften.“ Stephan Kohn hat sich vorsorglich schon mal beim Hauptzollamt in Düsseldorf schlau gemacht. „Für jedes Produkt, das aus einem Drittland gehandelt wird, existiert eine Warentarifnummer. Gibt es kein Abkommen der EU mit den Briten, treten die Regelsteuersätze der Europäischen Union ein“, meint der Hastener Unternehmer. Die durchschnittliche Besteuerung liegt bei 2,7 Prozent. „Vermutlich werden sich das schwächelnde Pfund, das momentan 1,10 Euro entspricht, und der Einfuhrzoll auf der anderen Seite die Waage halten.“

Das Riesenproblem werde jedoch der Warentransport auf das Festland sein, befürchtet Kohn. Für „British Stoves“ werden die Herde mit der Fähre von Hull nach Hoek van Holland verschifft. Würde das No-Deal-Szenario Realität, erhöhen sich die Formalitäten beim Zoll, drohen chaotische Verhältnisse bei der Ausfuhr. „Momentan dauert die Verladungsabfertigung in England drei Minuten. Das könnte sich leicht auf das Zehnfache verlängern“, glaubt Kohn.

Dem britischen Zoll fehlen personelle wie räumliche Voraussetzungen, um auf die Zeit nach dem Brexit vorbereitet zu sein. Es werden auch keine Anstrengungen gemacht, dies zu ändern. Fähren wären ebenfalls nicht in ausreichendem Maße vorhanden. „Die Kapazitäten werden um 90 Prozent zurückgehen.“ Stephan Kohn vermutet, dass die Waren aus der Not den riesigen Umweg über Nordirland, Irland und von dort nach Frankreich nehmen werden. „Das würde natürlich die Transportkosten erhöhen“, meint Stephan Kohn, früher als Fotograf tätig, aber studierter Diplom-Ingenieur der Versorgungstechnik ist.

„Schwächelnder Pfund und Einfuhrzoll werden sich die Waage halten.“

Stephan Kohn, Unternehmer

Einmal im Jahr besucht Stephan Kohn Großbritannien und die Produktionsstätte in dem bemerkenswerten 10 000-Einwohner-Nest, das neben Esse, dem Europamarktführer bei Gussöfen, eine Niederlassung von Rolls Royce und Hope Technology, einen Produzenten edler Mountainbikes im Städtchen hat. Kontaktpflege und Abstimmung bei Zertifizierungen sind der Anlass, in Barnoldswick vorbeizuschauen. Ein ganz normaler Kunde ist „British Stoves“ nicht. Denn der Remscheider produziert im Gegenzug für Esse aufgrund seiner beruflichen Vorerfahrung Werbeinhalte.

Ob es in Großbritannien weitergeht, oder sich Stephan Kohn und Gabriele Hartmann nach dem EU-Austritt der Engländer anderweitig auf dem Festland nach einem Lieferanten umschauen müssen, wird sich zeigen. „Wir verfolgen die Geschichte interessiert abwartend“, beschreibt Stephan Kohn die Stimmungslage.

Edle Möbel mit dem Retrolook

„British Stoves“ gibt es seit 1999. Es begann mit Herden, später folgten Einrichtungen. Inzwischen richten die Designer Kohn/Hartmann Wohnungen und Häuser im britischen Landhausstil ein. Vintage-, Shaker- und Shabby-Stil sind Schlagworte für die edlen, einfach strukturierten Möbel im Retrolook. „British Stoves“ arbeitet mit 20 Fachhändlern in Deutschland zusammen, u.a. Manufactum in Waltrop. „British Stoves“ hat Showrooms in dem Wohnhaus der Inhaber, in Büchel 1 b; Tel. 80 813;

www.british-stoves.de

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