Bereitschaft in den Betrieben ist hoch

Unternehmen in Remscheid impfen ihre Mitarbeiter

Mitarbeiter Hubert Thür, Mitarbeiter der Firma Wurm, wurde am Freitag gegen das Coronavirus geimpft. Fotos: Roland Keusch
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Mitarbeiter Hubert Thür, Mitarbeiter der Firma Wurm, wurde am Freitag gegen das Coronavirus geimpft.

Auch das Impfzentrum steht für Firmen zur Verfügung.

Von Alexandra Dulinski

„Für mich ist das wie ein Sechser im Lotto“, sagt Franz Michalak.

Remscheid. Peter Wurm und Franz Michalak freuen sich. Endlich konnten die Mitarbeiter der Firma Wurm geimpft werden. 50 Impfungen mit dem Wirkstoff von Johnson & Johnson wurden am Freitag in der Firma an der Morsbachtalstraße verabreicht – relativ kurzfristig, wie Franz Michalak, zuständig für die Qualitätssicherung und den Arbeits- und Gesundheitsschutz, berichtet.

Seit vergangenem Montag kann in Betrieben offiziell geimpft werden. Schon vor acht bis zehn Wochen hatte sich Franz Michalak mit der Betriebsärztin in Verbindung gesetzt – die aber musste aus Zeitgründen ablehnen. Eher zufällig hatte Michalak Ersatz gefunden. Am Dienstag kamen dann die Mitarbeiter-Fragebögen zurück: Insgesamt 82 Kollegen des 280 Kopf starken Konzerns wollten sich im Unternehmen impfen lassen – der Rest ist schon geimpft oder möchte nicht. Am Mittwoch bekam Franz Michalak den Termin genannt. „Die Nachricht ging wie eine Bombe durch den Laden“, berichtet er.

„Ich rechne mit einer Herdenimmunität zum Ende der Sommerferien.“

Dr. Frank Neveling, Gesundheitsamtsleiter

Weil Michalak aus Datenschutzgründen nicht in der Firma erfragen darf, wer schon geimpft ist, kann er nur eine grobe Schätzung abgeben. „Ich gehe davon aus, dass nach dem Ende der Aktion vielleicht 60 Prozent der Mitarbeiter durchgeimpft sind“, sagt er.

Noch warten viele Beschäftigte auf ihre Impfung in den Remscheider Unternehmen. Die Betriebsärzte bestellen den Impfstoff über Apotheken, die das Vakzin wiederum bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ordern, erklärt Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Neveling. Rund 800 Impfdosen habe jeder Betriebsarzt vor zwei Wochen bestellen können, geliefert worden seien zu Beginn der Woche pro Arzt aber nur knapp 120 Dosen. Grund ist die Impfstoffknappheit. Frank Neveling schätzt, dass rund 1500 Impfdosen diese Woche im Betriebsarztzentrum und bei eigenständigen Betriebsärzten verimpft worden sind.

Bisher sei dabei nur Biontech berücksichtigt worden. „Jetzt gibt es auch die Möglichkeit, Johnson & Johnson zu bestellen. Das hat den Vorteil, nur einmal impfen zu müssen. Allerdings liegt die Zielgruppe bei den Über-60-Jährigen“, erklärt Neveling. Eine weitere Rechnung stellt er auf: Rund 70 000 Impfungen seien in Remscheid durchgeführt worden. 70 bis 80 Prozent der Remscheider wollen sich impfen lassen. Das wäre mit 90 000 Impfungen erreicht. „Ich rechne mit einer Herdenimmunität zum Ende der Sommerferien“, sagt Frank Neveling.

Eine Besonderheit gibt es im Remscheider Impfzentrum: „Wir haben die Möglichkeit, den Unternehmen Impfstraßen zur Verfügung zu stellen, wenn wir freie Kapazitäten haben“, berichtet Gesundheitsdezernent und Krisenstabsleiter Thomas Neuhaus. So muss im Betrieb keine Impfstraße hergerichtet werden.

Das Angebot hat die Firma Vaillant genutzt. Die ersten 25 Mitarbeiter wurden am Donnerstag mit Biontech geimpft. „Das hat sehr gut funktioniert, völlig reibungslos“, berichtet Jens Wichtermann, Direktor der Unternehmenskommunikation von Vaillant. Die Impfbereitschaft sei sehr hoch. „Wir impfen erst die Werksmitarbeiter, dann die kaufmännischen Mitarbeiter“, sagt Wichtermann. Die Stadt Remscheid hat sich ebenfalls dazu entschlossen, den Impfstoff risikoorientiert zu verteilen – nach Systemrelevanz im Unternehmen, sagt Neuhaus.

Wann die restlichen impfwilligen Mitarbeiter der Firma Wurm geimpft werden, ist noch unklar, sagt Franz Michalak. Das sei davon abhängig, wann genügend mRNA-Impfstoff geliefert wird. Denn nicht alle Mitarbeiter wollten sich mit dem Johnson-Vakzin impfen lassen. „Die Impfung ist der größte Schutz in der Pandemie“, sagt er. Er geht dennoch davon aus, dass die gesetzlichen Corona-Arbeitsschutzmaßnahmen über den 30. Juni hinaus bestehen bleiben.

Der digitale Impfpass kommt

Ab Montag soll der digitale Impfausweis in ausgewählten Apotheken erhältlich sein. Bei Arztpraxen und im Impfzentrum ist er voraussichtlich Ende des Monats gegen Vorlage der Impfbescheinigung und eines Ausweises erhältlich. Welche Apotheken mitmachen, soll unter www.mein-apothekenmanager.de zu finden sein. Sobald die technischen Möglichkeiten geschaffen sind, wird das Impfzentrum Remscheid bei allen Zweitimpfungen vor Ort einen persönlichen QR-Code generieren, der mit der App auf dem eigenen Smartphone erfasst wird. Wer im Impfzentrum seine Zweitimpfung erhalten und seinen Termin über die KV Nordrhein oder das Buchungsportal der Stadt gebucht hat, wird nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung automatisch per Brief diesen QR-Code erhalten.

Die Liste der Anbieter für Gratis-Schnelltests wird immer länger. Hier finden Sie eine Liste der Schnelltest-Anbieter in Remscheid mit Öffnungszeiten und Buchungsmöglichkeiten. 

Alle weiteren Nachrichten zur Corona-Lage in Remscheid finden Sie in unserem Live-Blog.

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