Mittelstand

Unternehmen erwarten verschlechterte Geschäftslage

Die Geschäftserwartung des regionalen Mittelstands für die kommenden Monate.
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Die Geschäftserwartung des regionalen Mittelstands für die kommenden Monate.
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Creditreform untersucht die Wirtschaftslage des Mittelstands: Die Sorge nimmt dramatisch zu.

Von Manuel Böhnke

Bergisches Land. Geschäftsführer Ole Kirschner beschönigt die Ergebnisse nicht: „Die Sorgen mit Blick auf die Zukunft nehmen dramatisch zu.“ Mit diesem Satz lässt sich die aktuelle Untersuchung der Creditreform zur Wirtschaftslage im Herbst zusammenfassen. Demnach erwarten 37,1 Prozent (2021: 6,5) der befragten Unternehmen, dass sich ihre Geschäftslage in den kommenden Monaten verschlechtert, nur 15,7 Prozent (37,6) gehen von einer Verbesserung aus.

Die IHK kommt zu einem ähnlichen Schluss

Zweimal jährlich erfasst die Wirtschaftsauskunftei, wie es um den Mittelstand in der Region bestellt ist. Für die Teilnahme kommen rund 3100 aktive Firmen mit zehn bis 500 Mitarbeitern im Gebiet der Solinger Creditreform infrage. Dieses umfasst – neben der Klingenstadt – Remscheid, Leverkusen, Wermelskirchen, Radevormwald, Monheim, Leichlingen, Langenfeld, Hückeswagen, Haan und Burscheid. 190 Betriebe aus diesem Bereich wirkten jüngst an der Erhebung mit.

Ihre Rückmeldungen zeichnen dabei ein zweigeteiltes Bild. Da ist zum einen die Geschäftslage. Diese stellt sich in weiten Teilen des Mittelstands noch als „durchaus positiv“ dar, betont Ole Kirschner. 56,2 Prozent bewerten die derzeitige Auftragslage als gut oder sehr gut. Das Ergebnis liegt zwar unter dem Wert des vergangenen Herbstes 2021 (68,8 Prozent), allerdings auf einem ähnlichen Niveau wie vor zwei Jahren (58,7).

Das Schlusslicht bildet der Handel.

Ole Kirschner über die Stimmung das Mittelstands

In Schulnoten ausgedrückt beurteilt der regionale Mittelstand seine momentane Situation mit einer 2,5. „Noch ordentlich“ sei dieses Ergebnis, findet der Creditreform-Chef. Es gibt jedoch größere Schwankungen zwischen den unterschiedlichen Branchen. Der Dienstleistungssektor gibt sich selbst eine glatte Zwei, die Baubranche eine 2,3, die Industrie eine 2,7. „Das Schlusslicht bildet mit einer 3,3 der Handel“, führt Kirschner aus.

Handel sorgt sich um das Weihnachtsgeschäft

Das gilt auch für einen anderen Aspekt: die Bezugspreise. 86,5 Prozent aller Befragten geben an, mit steigenden Kosten zu kämpfen. Während Industrie und Bau das Plus zu 90 beziehungsweise 80 Pro-zent an ihre Kunden weitergeben können, berichtet lediglich die Hälfte der Händlerschaft davon, die Angebotspreise erhöht zu haben.

Eine höhere Zahl an Insolvenzen gibt es bislang nicht

Dementsprechend trüb sind ihre Aussichten für die kommenden Monate. Neun Prozent rechnen mit einer positiven, 55 Prozent befürchten eine negative Geschäftsentwicklung. In der Industrie ist das Verhältnis 19 zu 52 Prozent, bei den Dienstleistern halten sich gute und schlechte Aussichten die Waage.

83,3 Prozent der befragten Mittelständler gehen davon aus, im kommenden Halbjahr die Preise erhöhen zu müssen. Gleichzeitig kalkulieren nur 34,2 Prozent mit einer positiven Umsatzentwicklung und rund ein Viertel mit wachsenden Erträgen.

„Die Situation ist sehr diffus“, sagt Ole Kirschner mit Blick auf die vielfältigen Herausforderungen, mit denen sich die Betriebe konfrontiert sehen. Wie sich die Energiekrise und der Krieg in der Ukraine entwickeln, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Klar ist: „Der Mittelstand guckt sehr skeptisch in die Zukunft.“ In einer höheren Zahl Insolvenzen spiegele sich das bislang nicht wider.

Ein weiterer Bereich zeigt sich noch unbeeindruckt: die Personalentwicklung. Demnach planen 31,7 Prozent der Betriebe, neue Kräfte einzustellen, lediglich sieben rechnen mit sinkendem Bestand. „Es ist erstaunlich, dass trotz schwieriger Lage Personal gesucht wird“, sagt Kurt Ludwigs von der Creditreform. Dies unterstreiche, wie hoch der Mitarbeiterbedarf im Mittelstand sei.

Erhebung

190 Betriebe haben sich an der Untersuchung der Creditreform beteiligt. 44,3 Prozent davon haben bis zu 20 Mitarbeiter, 4,3 mehr als 100. Die übrige Hälfte liegt bei 21 bis 100 Beschäftigten.

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