Interview der Woche

Markus von Dreusche: „Unsere Unternehmen sind robust“

Die Gewerkschafter kennen ihn als fairen Verhandlungspartner, die Unternehmer schätzen ihn als aufrechter Vertreter ihrer Interessen. Seit 19 Jahren ist Markus von Dreusche der Geschäftsführer des Arbeitgeber-Verbandes für Remscheid und Umgebung. Im August räumt der 63-Jährige den Platz für seinen Nachfolger Christian Klauder. Der RGA sprach mit Markus von Dreuche über Krisen und Krieg und die weiteren Herausforderungen für die heimischen Unternehmen.
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Die Gewerkschafter kennen ihn als fairen Verhandlungspartner, die Unternehmer schätzen ihn als aufrechter Vertreter ihrer Interessen. Seit 19 Jahren ist Markus von Dreusche der Geschäftsführer des Arbeitgeber-Verbandes für Remscheid und Umgebung. Im August räumt der 63-Jährige den Platz für seinen Nachfolger Christian Klauder. Der RGA sprach mit Markus von Dreuche über Krisen und Krieg und die weiteren Herausforderungen für die heimischen Unternehmen.

Markus von Dreusche verlässt den Arbeitgeber-Verband. Trotz Krieg und Krisen ist er zuversichtlich.

Das Gespräch führte Axel Richter

Herr von Dreusche, erst Brexit und Trump, dann Corona, jetzt Krieg. Wie ist die Stimmung bei den Arbeitgebern in Remscheid und Umgebung?

Markus von Dreusche: Corona haben wir gut überstanden. Trotz aller Widrigkeiten. Die Unternehmen haben in dieser Zeit viel dazugelernt und Wege gefunden, wie sie trotz unterbrochener Lieferketten zurechtkommen. Jetzt ist es der Krieg in der Ukraine, der uns beschäftigt. Die Sorge um die verlässliche Versorgung mit Energie und die steigenden Energiepreise ist groß. Aber es kommt ja jeden Tag etwas Neues dazu. Wenn ich jetzt sehe, dass in den Häfen gestreikt wird und die Schiffe sich in der Nord- und Ostsee stauen, während die Unternehmen händeringend auf Material und Rohstoffe warten, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Da verstehe ich eine Gewerkschaft wie Verdi nicht. Wie kann man die Weltlage nur auf diese Weise für sich ausnutzen?

Auch der heimischen Metall- und Elektroindustrie stehen Tarifverhandlungen ins Haus. Wie ist das Verhältnis von Arbeitgebern und Gewerkschaften in Remscheid?

von Dreusche: Gut. Wir haben ein gutes Verhältnis zur IG Metall. Die Sozialpartnerschaft funktioniert bei uns. Übrigens nicht nur in Remscheid, sondern in ganz NRW. Wir haben in den vergangenen Jahren und insbesondere in der Pandemie Tarifabschlüsse geschafft, die für beide Seiten akzeptabel waren. Da geht keiner als Verlierer raus, und das ist gut so.

Das heißt, die Weltpolitik bereitet Ihnen die größeren Sorgen.

von Dreusche: Ja, natürlich. Zwar glaube ich nicht daran, dass Wladimir Putin uns doch noch den Gashahn zudreht. Allerdings steigen die Energiepreise immer weiter, und wir haben in unserer Industriestadt Remscheid viele Unternehmen, die vom Gas abhängig sind.

Gibt es bei den Unternehmen im Bergischen Ideen oder sogar schon Vorhaben, sich von dieser Abhängigkeit zu befreien?

von Dreusche: Ja, gewiss. Denken Sie an die Sägenfirma Röntgen mit ihrer riesigen Photovoltaikanlage auf dem Firmendach. Aber den Brennstoff aus Russland kann das nicht ersetzen. Ich selbst setze große Hoffnungen auf Wasserstoff. Ich glaube, damit könnten wir längst weiter sein, wenn mehr geforscht worden wäre.

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Ein weiteres Problem ist der Fachkräftemangel. Wie bekommen die Firmen den Nachwuchs, den sie brauchen?

von Dreusche: Wir sind kein Einwanderungsland, was ich sehr bedaure. Denn wir brauchen dringend Zuwanderung in den deutschen Arbeitsmarkt. Das war übrigens schon immer so. Wo wären wir denn heute, wenn in den 60er-Jahren die sogenannten Gastarbeiter nicht zu uns gekommen wären?

Sind unter den Flüchtlingskindern aus der Ukraine die Lehrlinge von morgen?

von Dreusche: Das wäre schön, aber ich glaube nicht daran. Die Frauen und Kinder, die ihre Männer haben zurücklassen müssen, wollen ja überwiegend wieder in ihre Heimat zurück.

Russland stellt für die meisten Unternehmen keinen wichtigen Markt da. Was ist mit China?

von Dreusche: Zu China gibt es sehr intensive Geschäftsbeziehungen. Aber das bereitet mir keine so große Sorge. Die Chinesen wissen genau, dass sie uns brauchen. Und Putins Krieg ist denen ein Dorn im Auge.

Weil er dem Handel im Weg ist. Und an der erstarkenden Nato haben die Chinesen auch kein Interesse.

von Dreusche: Ja, aber offenbar gelingt es auch ihnen nicht, auf Putin Einfluss zu nehmen, um diesen Krieg endlich zu beenden.

Wie werden sich die Unternehmen im Bergischen in der neuen Weltordnung behaupten?

von Dreusche: Ich bin trotz allem zuversichtlich. Aktuell hält sich die Kurzarbeit in engen Grenzen. Es gibt keine erhöhten Kündigungszahlen. Die Unternehmen im Bergischen sind robust.

Warum ist das so?

von Dreusche: Weil sich die Firmenchefs an die alten Unternehmertugenden halten. Die meisten Unternehmen sind mit Eigenkapital gut abgesichert und können auch Durststrecken überstehen. Zudem: Unsere Firmen sind oft klein, aber fein. Wir haben etliche Weltmarktführer in Remscheid und Umgebung. Und der bergische Unternehmer ist bodenständig. Der macht „sin Abiet und joot“.

Sie haben sich für die FDP auch in der Kommunalpolitik engagiert.

von Dreusche: Bis 2014. Dann war auch das gut. 30 Jahre haben gereicht.

Schon damals war das Designer Outlet Center Thema. Bedauern Sie das Aus?

von Dreusche: Ja. Und das, obwohl es in Lennep gewissermaßen direkt vor meiner Haustür entstanden wäre. Ich wohne ja dort. Ich hoffe, dass die Altstadt es jetzt allein schafft. Ich bin jedenfalls immer gern dort.

Wie blicken Sie auf die aktuelle Diskussion um die ehemaligen DOC-Flächen in Lennep?

von Dreusche: Ich würde die Diskussion gern bereichern wollen mit einer eigenen Idee. Ich hatte schon zu der Zeit, in der noch an das DOC gedacht wurde, über ein Werkzeug-Outlet nachgedacht. Ein Präsentations- und Verkaufsraum also, in dem alle Werkzeughersteller von Remscheid ihre Produkte präsentieren können.

Warum gibt es in der Werkzeugstadt Remscheid eigentlich nicht längst eine Werkzeugmesse?

von Dreusche: Das ist eine Frage, die Sie an anderer Stelle stellen müssen.

Zur Person

Markus von Dreusche (63) wuchs in Vieringhausen auf und ist in seiner Heimatstadt Remscheid tief verwurzelt. Nach dem Abitur am Leibniz-Gymnasium studierte er Jura in Bonn und Köln. Zurück in Remscheid arbeitete er in der Rechtsabteilung des Arbeitgeberverbandes von Remscheid und Umgebung. 2002 kandidierte der FDP-Mann für den Deutschen Bundestag. Danach wurde er Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes. Markus von Dreusche lebt mit Familie in Lennep.

Nachfolger: Christian Klauder ist der bisherige Stellvertreter von Markus von Dreusche. Der 48-jährige Jurist arbeitet seit April 2003 beim Arbeitgeberverband von Remscheid und Umgebung. Im September übernimmt er die Aufgaben des Geschäftsführers.

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